Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Achselhöhlenschweiss

Garten
Urs Stieger
Muskatellersalbei. Die Blüten sind noch nicht geöffnet. (Bild: Urs Stieger)

Muskatellersalbei. Die Blüten sind noch nicht geöffnet. (Bild: Urs Stieger)

Ich weiss schon, dass ich bei der Gartenarbeit, bei Velotouren und bei anderen lustvollen Tätigkeiten nicht nach Veilchen dufte. Viele Männer anderseits versuchen, ihre maskuline Ausstrahlung, um nicht Ausdünstung zu schreiben, mit Wässerchen und Sprays der Kosmetikindustrie zu steigern bzw. die natürlichen Duftstoffe zumindest etwas zu regulieren.

In vielen dieser teuren, manchmal exklusiven Fläschchen oder Dosen ist wiederum ein Stoff vorhanden, der meistens künstlich einen Pflanzenduft nachahmt, der alles andere als ein paradiesischer Rosenduft ist. Bezeichnenderweise heisst die Pflanze im Volksmund darum auch Achselhöhlenschweiss­salbei.

Letztes Jahr habe ich viele neue Stauden gesät, im Herbst in den Garten verpflanzt und im Winter in die Blumenbeete verteilt. Die Begeisterung ist gross. Was da in kurzer Zeit gewachsen ist, schlicht sensationell! Ich wollte unbedingt mehr verschiedene Sorten Salbei, unter anderem auch die berühmte Salvia sclarea, die Muskatellersalbei. Im Winter hatte sie eine Rosette am Boden liegend, etwa 30 cm im Durchmesser. Jetzt im Sommer, in Blüte, ist sie fett und gross, sicher 130 cm hoch.

Und, ihrer Art entsprechend, soll sie stinken wie in einer Berghütte nach einem heissen Tag.Tut sie aber nicht. Nichts von diesem intensiven Aroma, wo man regelrecht vor Schrecken zurückweicht. Nichts riecht oder stinkt von der Pflanze, weder Blüten noch Blätter. Gut, der Wuchs, die Grösse, die Vitalität sind ein­malig, sogar die Schnecken, die Muskatellersalbei als ihr Leibgericht anschauen, haben sie nicht allzu stark gelöchert. Ich bin ja kein Miststock-Watcher oder Katzendrecksucher. Aber diese Pflanze müsste eigentlich stinken, die Rosen daneben duften genug.

Der Samen ist von Gartenformen dieser Salbei. Darum die Grösse. Vielleicht haben Leute mit feinen Näschen diese Sub­stanzen weggezüchtet. Nur, wie kann ich jetzt aus einfachem Wein einen hervorragenden Muskateller machen, aus Bier ein speziell berauschendes Gesöff, Müslichüechli, wegen der Grösse in einem Fass ausbacken und, so gross wie Fasnachtschüechli, in Portionen schneiden?

Und, eh das Wichtigste, endlich diese maskuline Aura um mich aufbauen mit dem Öl oder Saft dieser Ausnahmepflanze. Wäre ich Raucher, könnte ich wenigstens versuchen, mit dem Rauch aus den Blättern ein entspanntes, aber trotzdem ziem­-lich angeregtes Wochenende zu fabrizieren. Nichts geht, dazu braucht die Pflanze den Achselhöhlenschweissduft. Die erhoffte maskuline Aura muss warten.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.