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Haar kann Öl absorbieren: Dieser Coiffeursalon gibt abgeschnittenes Haar seiner Kundschaft zur Verwertung weiter

John Hutter überlässt die Haarabfälle aus seinem Coiffeursalon einer Recyclingfirma.

Susi Miara
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John Hutter und Jessica Raschun von Matrix Hair verschwenden kein Haar. Was abgeschnitten wird, geht zum Recycling.

John Hutter und Jessica Raschun von Matrix Hair verschwenden kein Haar. Was abgeschnitten wird, geht zum Recycling.

Bild: mia

Ein Kilo Haare kann bis zu acht Kilo Öl absorbieren. Die Firma Group Barec Récup’Hair macht sich dieses Potenzial zunutze. Es ist der erste Schweizer Recycling-Abholdienst, der bei Coiffeursalons abgeschnittene Haare einsammelt und wiederverwendet. Allein im Juni hat das Unternehmen 1,1 Tonnen Haar in 600 Salons in der Schweiz eingesammelt.

Den Rohstoff Haar weiterhin nutzen

Bei Matrix Hair kommen monatlich rund 13 Kilogramm zusammen. Für Saloninhaber John Hutter steht die Nachhaltigkeit schon lange im Mittelpunkt. In einer TV-Reportage hat er erstmals über die Wiederverwertung von Haarabschnitten gehört und war davon begeistert. «Tonnenweise Haare werden weltweit geschnitten – und dieser spannende Rohstoff landet einfach im Abfall», weiss John Hutter.

Da kam das Gemeinschaftsprojekt eines Haar-Recycling- Abholdienstes für Salons, das von L’Oréal Schweiz und der Group Barec lanciert wurde, genau zum richtigen Zeitpunkt. «Ich war begeistert und machte sofort mit», sagt John Hutter. Knapp drei Monate ist er jetzt dabei und sammelt nicht nur Haare, sondern hat bei sich im Salon zudem eine nachhaltige Abfallentsorgung eingeführt. Einmal im Monat werden von der Group Barec gleich auch unzählige Shampooflaschen, Aluminium, PET, Kaffeekapseln und elektronische Geräte abgeholt. «Es ist etwas aufwendiger und auch teurer als vorher», sagt er. Für eine sauberere Zukunft bezahle er diesen Preis jedoch gern.

NGO-Partner aus den USA

Partner der Group Barec bei diesem Projekt ist die kalifornische Nichtregierungsorganisation (NGO) Matter of Trust, die sie gleichzeitig auch bei der Entwicklung ihrer Fertigungstechnik in der Schweiz unterstützt. Ursprünglich stammt die Recycling-Idee für abgeschnittene Haare aus den USA.

Als der Haarstylist Phil McRory 1989 im Fernsehen Bilder von der Exxon-Valdez-Ölkatastrophe sah, dachte er sofort daran, dass Haare das Fett binden könnten und man diese Eigenschaft nutzen könnte, um die Meere zu säubern. Zehn Jahre später tat sich McRory mit der NGO Matter of Trust in San Francisco zusammen. Die Organisation verarbeitet Haare und Felle zu Matten, mit denen die Ausbreitung von Ölteppichen begrenzt werden kann.

Récup’Hair verarbeitet am Standort in Moudon die Haare zu Filtermatten und Ölbindern. Zum Einsatz kommt das Re­cycling-Haarprodukt vor allem dort, wo Öl ausläuft, zum Beispiel in Garagen, Entsorgungszentren oder bei Feuerwehreinsätzen.

Folgende Rheintaler Salons machen ebenfalls bei diesem Projekt mit: Artcoiffure Morreale GmbH in Au, Hair & Make-Up Stilsicher in Lüchingen und Coiffeur Hair-Station in Rüthi.

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