«Aber nicht über den Lukmanier!»

DIEPOLDSAU. Information als neue Währung und der Körper als Datenbank – das waren die Hauptthemen der Referenten Pierin Vincenz und Abt Daniel Schönbächler am Kundenanlass der Rheintaler Raiffeisenbanken in Diepoldsau.

Remo Zollinger
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«Heute werden keine Entscheidungen mehr aus dem Bauch heraus gefällt», sagt Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (rechts). Abt Daniel Schönbächler pflichtet ihm bei; der Mensch sei mehr von emotionalen als von rationalen Denkweisen gesteuert. Albert Quauka (links), Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisen Diepoldsau, freut sich über einen spannenden Abend. (Bilder: Remo Zollinger)

«Heute werden keine Entscheidungen mehr aus dem Bauch heraus gefällt», sagt Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (rechts). Abt Daniel Schönbächler pflichtet ihm bei; der Mensch sei mehr von emotionalen als von rationalen Denkweisen gesteuert. Albert Quauka (links), Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisen Diepoldsau, freut sich über einen spannenden Abend. (Bilder: Remo Zollinger)

«Schwächen provozieren uns, damit wir sie überwinden. Wir müssen unsere Schwächen erkennen, um an ihnen arbeiten zu können», sagte Abt Daniel Schönbächler. Sein Referat mit dem Titel «Das kreative Potenzial unserer Schwächen» war anspruchsvoll, ging in die Tiefe. Der Abt, der beinahe 50 Jahre lang im Benediktinerkloster Disentis tätig war, nahm die 400 Zuhörer in der Mehrzweckhalle Kirchenfeld mit auf eine Reise ins Unterbewusstsein.

Der Mensch im Dauerstreit

Für Schönbächler befindet sich der Mensch in einem ständigen Streit zwischen den Hirnteilen Neocortex und Limbisches System. Ausgedeutscht: Nicht nur rationale, sondern vor allem emotionale Eindrücke steuern unser Handeln. «Wir sind unglaubliche <Gemütsmorcheln>. Wir wollen, ja müssen uns wohl fühlen, sonst machen wir gar nichts.» Der Mensch sei ein komplexes Wesen, ständig unsicher – und schon gar nicht die Krone der Schöpfung, wie Schönbächler sagt: «Man höre das Gelächter der Affen im Urwald!» Der Abt wählte eine andere Herangehensweise als der frühere Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz, dessen betriebswirtschaftlicher Hintergrund nicht verborgen blieb. Der Bündner punktete mit Humor: Der Mensch vermisse sein Smartphone nach elf Minuten, das Portemonnaie erst viel später, «und wie lange es dauert, bis man den Partner vermisst, ist individuell.»

«Heute werden keine Entscheidungen mehr aus dem Bauch heraus gefällt», sagt Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (rechts). Abt Daniel Schönbächler pflichtet ihm bei; der Mensch sei mehr von emotionalen als von rationalen Denkweisen gesteuert. Albert Quauka (links), Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisen Diepoldsau, freut sich über einen spannenden Abend. (Bilder: Remo Zollinger)

«Heute werden keine Entscheidungen mehr aus dem Bauch heraus gefällt», sagt Ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz (rechts). Abt Daniel Schönbächler pflichtet ihm bei; der Mensch sei mehr von emotionalen als von rationalen Denkweisen gesteuert. Albert Quauka (links), Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisen Diepoldsau, freut sich über einen spannenden Abend. (Bilder: Remo Zollinger)

Die Welt ist eine Scheibe

Dem Spruch liegt ein weiter gefasster Gedanke zugrunde. Für Vincenz ist die Welt «wieder zur Scheibe geworden», was er mit einer Folie mit einem Smartphone darauf veranschaulichte. Dieses sei unser Lebensmittelpunkt, weshalb sich die Weltwährung verändert habe. Diese heisse nicht mehr Euro, Dollar, Franken oder Yen, sondern Information.

Amerikanischen Firmen gelinge es, dank Smartphones Informationen zu sammeln, aufzubereiten, zu deuten und weiterzuverwerten. Bezüglich Datenschutz sei dies bedenklich, dies hielte die digitale Transformation aber nicht auf. Vincenz' Prognose für die kommenden Jahre digitaler Wirtschaft: «Gewinnen wird der, der die beste Batterie entwickelt.»

Unterbewusstsein bleibt Sieger

Abt Schönbächler sieht nicht das Handy, sondern den Körper als Datenbank für Informationen, wobei die Kapazität des Gehirns nur die Spitze des Eisbergs umfasse: «Das Unterbewusstsein gewinnt immer!» Es sei an den Menschen, Urvertrauen zu entwickeln und an Schwächen zu arbeiten, denn in ihnen liege ein grosses Potenzial zur kreativen Lösung eines Problems.

Man müsse aber den direkten Weg wählen und komplizierte Denkweisen beiseitelegen: «Der Rhein fliesst abwärts, denn Wasser hat dieses Gesetz», veranschaulichte der Abt anhand des Rheins in seinem Quellgebiet «doch wenn ein Erdrutsch kommt, kann das Wasser nicht mehr runter und es wird spannend.» Dem Wasser bliebe nun die Wahl, gegen ein Hindernis zu kämpfen oder einen Umweg zu suchen. «Aber nicht über den Lukmanier!», nicht über einen Pass, denn dies widerspreche jedem Gesetz.

Das Publikum in Diepoldsau wurde zum Denken angeregt &ndash; einige Lacher gab es aber trotzdem.

Das Publikum in Diepoldsau wurde zum Denken angeregt – einige Lacher gab es aber trotzdem.