70 Jahre in Vaduz – neu in Rüthi

RÜTHI/VADUZ. Die Präzisions-Apparatebau Vaduz AG (PAV) kehrt dem Liechtensteiner Hauptort nach über 70 Jahren den Rücken und übersiedelt nach Rüthi. Dort, auf dem Areal hinter der Firma Continental, soll nächstes Jahr ein Neubau entstehen.

Kurt Latzer
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Wenn sich zwei freuen: Martin Feuerstein möchte lieber heute als morgen nach Rüthi zügeln. Thomas Ammann bereitet ihm dafür mit der Zubringerstrasse zum Bauland hinter der «Continental» den Weg. (Bild: Kurt Latzer)

Wenn sich zwei freuen: Martin Feuerstein möchte lieber heute als morgen nach Rüthi zügeln. Thomas Ammann bereitet ihm dafür mit der Zubringerstrasse zum Bauland hinter der «Continental» den Weg. (Bild: Kurt Latzer)

Rüthi/Vaduz. Die PAV ist seit über 70 Jahren in der Liegenschaft Schaanerstrasse 40 eingemietet, die der Gemeinde Vaduz gehört. Weil sich Geschäftsleitung und Gemeindeverwaltung über die energetischer Sanierung der Liegenschaft nicht einigen konnten, verlagert die PAV die Produktion vom Fürstentum ins St. Galler Rheintal. «Die ersten Gespräche mit dem Rüthner Gemeindepräsidenten und den Nordostschweizer Kraftwerken (NOK) haben 2008 stattgefunden, vor der vorsorglichen Kündigung des Mietvertrages», sagt Martin Feuerstein, Geschäftsführer der Präzisions-Apparatebau Vaduz AG. Mit den NOK – ihnen gehört die Wiese, auf der die PAV bauen will – und der Gemeinde Rüthi sei 2008 «eine lose Vereinbarung getroffen worden».

Gesellschaft wichtig

Für den Umzug nach Rüthi sprechen laut Feuerstein einige Punkte. So etwa die Nähe zur Autobahn, der nähere Weg für die Grenzgänger aus Vorarlberg sowie die Angestellten aus Altstätten, Oberriet und Rüthi. «Wichtig war uns auch die Einstellung der Leute und der Behörden in Rüthi», sagt Feuerstein, «denn wir wollen uns als Unternehmen auch in Schule und gesellschaftlich engagieren.» Auch sei auf Schweizer Seite die Haltung gegenüber ausländischen Spezialisten besser. Im Gegensatz zu Liechtenstein könnten diese in Rüthi oder der Region wohnen.

Mehr Arbeitsplätze in Sicht

Ziel der PAV ist es, am 31. Dezember 2012 das Kapitel «Produktion in Liechtenstein» zu schliessen. Bevor in Rüthi mit dem Neubau begonnen werden kann, ist eine Erschliessungsstrasse zu bauen. Für sie wurden die Arbeiten bereits ausgeschrieben. «Wir hoffen, dass wir im Winter 2011 mit dem Bau starten und im Herbst 2012 einziehen können», meint Martin Feuerstein. Auf dem Grundstück ist ein Minergiebau mit einer Nutzfläche von 5000 Quadratmetern geplant.

Zurzeit werden in Vaduz rund 60 Personen beschäftigt. Der PAV-Geschäftsführer schliesst nicht aus, dass man am neuen Standort auf bis zu 80 Arbeitsplätze aufstocken kann. «Wir sind produktionsorientiert und beschäftigen deshalb nur Fachkräfte.» Deshalb wird auch auf die Berufsausbildung grosser Wert gelegt, weshalb in Rüthi bis zu zehn Lernende Platz finden sollen. Gegenüber Liechtensteiner Medien gab Feuerstein zu verstehen, dass eventuell ein Arbeitsplatz in Vaduz bleibt. Eventuell werde sich die PAV mit einer Holdinggesellschaft in ein Bürogebäude einmieten, «wegen der steuerlichen und verwaltungstechnischen Vorteile».

Vorteile im Ganzen sehen

Dämpft dies die Freude über die Ansiedlung des Unternehmens in Rüthi? «Nein, man muss das gesamtheitlich betrachten», meint der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann. Vom Umzug der PAV profitiere das Gewerbe in Rüthi und in der Region. Zudem verspricht sich der Gemeindepräsident neue Arbeitsplätze und Quellensteuer-Einnahmen durch Grenzgänger. «Weil die PAV auch Produktionsstandorte in Deutschland und Vorarlberg besitzt, können Synergien entstehen», sagt Ammann.