572 Stellensuchende weniger bei RAV

HEERBRUGG. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Stellensuchenden in der RAV-Region Heerbrugg um 17,5 Prozent und bei den Arbeitslosen um 19,2 Prozent gesunken. Am stärksten haben die Jüngeren profitiert. Bei den 20- bis 24-Jährigen beträgt der Rückgang 25,8 Prozent.

Susi Miara
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Neu beim RAV Heerbrugg ist das Spezialteam für Arbeitskontakte (von links) Roger Grob, Sandra Veseli, Rezarta Isufi, Aynur Anderau, Albert Spirig und Andreas Caluori im Einsatz. (Bild: pd)

Neu beim RAV Heerbrugg ist das Spezialteam für Arbeitskontakte (von links) Roger Grob, Sandra Veseli, Rezarta Isufi, Aynur Anderau, Albert Spirig und Andreas Caluori im Einsatz. (Bild: pd)

«Im Jahresvergleich ergibt sich ein Rückgang, der in diesem Ausmass nicht erwartet worden war», informiert Roland Schleith, RAV-Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums Heerbrugg. Ende 2009 waren 3263 Personen als stellensuchend beim RAV Heerbrugg gemeldet. Die Arbeitslosenzahl belief sich auf 2075 Personen. Ende Dezember 2010 waren 2691 Personen als stellensuchend gemeldet, 1677 waren arbeitslos. Verteilt auf Gemeinden stellt Schleith fest, dass bei Gemeinden mit höherem Ausländeranteil mehr Stellensuchende gemeldet sind als bei jenen mit tiefem Ausländeranteil. An der Spitze liegt Altstätten mit 275 Stellensuchenden gefolgt von St. Margrethen (255), Au (238) und Widnau (225). Am wenigsten Stellensuchende sind gemeldet aus Eichberg (24), Marbach (35) und Berneck 75. In Balgach suchen 109 Personen eine Stelle, in Diepoldsau 146, in Oberriet 130, in Rebstein 129, in Rheineck 119 und in Thal 198. Weil die Industrie vom Aufschwung am meisten profitiert hat, finden Ausländer zur Zeit schneller wieder eine Stelle.

Junge profitieren

Unter den Altersgruppen haben vor allem die Jüngeren profitiert. Bei den 15- bis 19-Jährigen beträgt der Rückgang 23.3 Prozent, bei 20- bis 24-Jährigen sogar 25,8 Prozent, und bei 25- bis 49-Jährigen 19,8 Prozent. Bei 50- bis 64-Jährigen haben gerade 35 Personen oder 4,8 Prozent eine neue Anstellung gefunden. Ende Dezember 2010 waren in dieser Altersklasse 701 Personen auf Stellensuche. Roland Schleith findet es schade: «Die Unternehmen müssten dieses Know-how mehr nutzen.»

Rückgang der Kurzarbeit

In der RAV-Region Heerbrugg sind per Ende Dezember 2010 rund 26 Betriebe mit insgesamt 435 Stellen zur Kurzarbeit angemeldet. «Das ist eine massive Verbesserung», betont Roland Schleith. Ende Dezember 2009 hatten über 4000 Mitarbeitende Kurzarbeitsentschädigung beantragt. Geholfen habe hier die Verlängerung der Kurzarbeit um zwölf Monate. «Ich bin überzeugt, ohne die wären die Entlassungen in unserer Region viel höher ausgefallen», sagt Roland Schleith. Dass die Arbeitslosenquote im Rheintal über dem Schweizer Durchschnitt liegt, sei nachvollziehbar, erklärt Roland Schleith. Die Industrie im Rheintal sei vom Export stärker abhängig. «Wenn Deutschland den Schnupfen hat, spürt man dies im Rheintal sofort.»

RAV-Berater für Arbeitgeber

Zur Verbesserung der Dienstleistungen für Arbeitgeber hat sich das RAV Heerbrugg neu organisiert. Ein vierköpfiges Beraterteam mit zwei Sekretariatsmitarbeiterinnen steht den Arbeitgebern aus der Region mit Rat und Tat zur Verfügung. «Auf diese Art versuchen wir unser Netzwerk auszubauen.» Arbeitgeber aus den jeweiligen Gemeinden können sich direkt bei den zuständigen Mitarbeitern melden. Für das Spezialteam, welches seit Sommer 2010 an der Arbeit ist, wurden neu 200 Stellenprozent geschaffen. «Die Aufgabe unserer Berater ist nicht nur die Akquisition von neuen Stellen, sondern auch die Motivation der Arbeitgeber.»

Deutsch-Einstufungstest

Für Arbeitslose, die fremdsprachig sind und weder die Schule noch eine Berufsausbildung in der Schweiz absolviert haben, führt das Amt für Arbeit des Kantons St. Gallen ab März Deutsch-Einstufungstest ein. Damit sollen fremdsprachige Arbeitslose gezielter in Kurse und Einsatzprogramme zugewiesen werden. Der Deutsch-Einstufungstest findet im RAV statt und dauert rund zweieinhalb Stunden. Er erfasst die Sprachkompetenz in den Bereichen Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben und Verstehen. «Im März beginnen die neuen Deutsch-Kurse. Bis dann sollten die Einstufungstest durchgeführt sein, damit fremdsprachige Arbeitslose gezielt in Kurse zugeteilt werden können», sagt Schleith. Wer sich weigert, muss mit Sanktionen, bis zum Leistungsentzug, rechnen. Dem RAV Heerbrugg sei es ausserdem gelungen, das Anmeldeprozess zu beschleunigen. «80 Prozent der Stellensuchenden können heute spätestens nach drei Wochen zum Erstgespräch eingeladen werden», freut sich der RAV-Leiter.

Vorsichtige Prognose

Eine Prognose für die nächsten Monate zu stellen sei sehr schwer, betont Roland Schleith. Das Tren-Barometer zeige aber weiterhin eine sinkende Tendenz. Die Entwicklung der Kurzarbeit sei jedoch wegen der Währungsprobleme unklar. Er hofft deshalb auf eine schnelle Aufwertung des Dollars und des Euro.