50 Jahre ohne Verbindung

RHEINTAL. Während der St. Margrether Anschluss-Stumpen sein 50-Jähriges feiern kann, wird parallel zur geplanten Verbindungsstrasse von Vorarlberg nach St. Margrethen an einer mutmasslich schneller realisierbaren «Südspange» gearbeitet.

Kurt Latzer
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Seit etwa 50 Jahren steht der Anschluss in St. Margrethen für die Verbindungsstrasse zwischen der Vorarlberger und der Schweizer Autobahn bereit. (Archivbild: Kurt Latzer)

Seit etwa 50 Jahren steht der Anschluss in St. Margrethen für die Verbindungsstrasse zwischen der Vorarlberger und der Schweizer Autobahn bereit. (Archivbild: Kurt Latzer)

Die Autobahnstrecke vom Anschluss St. Margrethen bis kurz nach dem Anschluss Rheineck wurde zwischen 1962 und 1964 in Betrieb genommen. Die Verkehrsplaner wussten schon vor über 50 Jahren, dass eine Verbindungsstrasse mit Zollamt zwischen Vorarlberg und der Schweiz nötig ist. Nicht geglaubt hätten sie wahrscheinlich, dass ihre Berufskollegen an diesem Projekt auch 50 Jahre später noch planen würden.

Mehrverkehr gering

Kommenden Sommer sind beide Röhren durch den Pfänder befahrbar, die Korridorvignette ist dann Geschichte. Verschwindet das bisherige Nadelöhr Pfänder-Tunnel, wird der Verkehr im Nachbarland und damit auch Richtung Schweiz zunehmen – oder? «Im Rahmen der Entscheidungsvorbereitung wurde auch der durch die zweite Pfändertunnel-Röhre zu erwartende Verkehr abgeschätzt und als relativ gering beurteilt», sagt der Vorarlberger Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser auf Anfrage. Es sei davon auszugehen, dass der Verkehr zwar weiter zunehme, der Anteil des durch die zweite Tunnelröhre bedingten Verkehrszuwachses aber gering ausfalle.

Auch mit 60 nicht angeschlossen

In die Planung für eine Verbindungsstrasse ist auch der Kanton St. Gallen involviert. Marcel John, stellvertretender Kantonsingenieur, ist mit dem Thema bestens vertraut. «Verschiedene Projekte sind am Laufen, das grössere ist <Mobilität im Rheintal> mit Massnahmenpaketen für öV sowie Güterverkehr. Sie wurden nach Wien eingereicht.»

Es seien zwei verschiedene Strassenvarianten eingegeben worden, die Varianten «Z» (Untertunnelung des Riets) und «CP» (Ostumfahrung Lustenau). Die Machbarkeit aber sei nicht restlos geklärt. «Das Ganze hat sicherlich einen grösseren Zeithorizont. Wir in der Schweiz sind davon nicht gross betroffen, weil bei beiden Lösungen der Anschluss beim bestehenden Stumpen in St. Margrethen erfolgen würde», meint John.

Man munkelt, in Wien werde noch immer verhandelt, ob die Entlastungsstrasse eine Landes- oder eine Bundesstrasse werden soll. Bei einer Bundesstrasse wäre die Autobahnen- und Schnellstrassen-Finanzierungs-AG (Asfinag) federführend, bei einer Landesstrasse das Land Vorarlberg. Karlheinz Rüdisser: «Das ist nicht richtig. Seit Abschluss des konsensorientierten Planungsverfahrens im November 2011 ist klar, dass beide Strassenalternativen – <Z> und <CP> – hinsichtlich der Rahmenbedingungen alle Voraussetzungen als hochrangige Strassen erfüllen, für die der Bund bzw. die Asfinag verantwortlich ist.» Wie lange bleibt der Anschluss-Stumpen in St. Margrethen noch verwaist? «Unter Berücksichtigung der komplexen Behördenverfahren ist ein Baubeginn nicht vor dem Jahr 2018/2019 zu erwarten», schätzt der Landesstatthalter.

«Südspange» in Planung

Bei den Abklärungen im Rahmen von «Mobilität im Rheintal» habe sich gezeigt, dass eine südliche Verbindung Höhe Diepoldsau/Hohenems unabhängig vom bisher Geplanten überprüft werden könne.

Marcel John: «Wir haben das Projekt <Netzstrategie Raum Diepoldsau, Hohenems, Altach, Mäder und Kriessern> lanciert; zusammen mit dem Land Vorarlberg werden Strassenlösungen geprüft.» Federführend beim Projekt sei das Tiefbauamt St. Gallen. Man arbeite nicht nur mit dem Land Vorarlberg, sondern auch mit den betroffenen Gemeinden zusammen: Oberriet und Diepoldsau auf Schweizer Seite sowie Hohenems, Altach und Mäder in Vorarlberg. «Das grösste Problem in der Region ist unbestritten der Güterverkehr, der heute ein wenig nach dem St. Florians-Prinzip geführt wird», meint John, «gerade deshalb wäre die konfliktfreie Verbindung wichtig, denn dort stünde auch genug Raum für eine gute Abfertigung des Schwerverkehrs zur Verfügung.»

Könnte auch die Verbindung der Vorarlberger A14 mit der Rheintaler A13 bei Kriessern eine Variante sein? «Dieses Jahr ist die Planung des Verkehrsmodells vorgesehen. Dann sehen wir, welche Infrastrukturen welchen Nutzen bringen. 2014 soll das Studium verschiedener Varianten beginnen», sagt der stellvertretende Kantonsingenieur.

Was heute schon im Raum stehe und schon früher angedacht worden sei, ist eine Verbindungsstrasse zwischen Mäder und Kriessern. Weil dort die beiden Autobahnen sehr nahe nebeneinanderliegen, könne mit relativ geringem Aufwand und geringem Konfliktpotenzial eine Verbindung geschaffen werden. Im Raum stünden aber weitere Varianten.