40 Jahre im selben Schulzimmer

MONTLINGEN. Am Freitag nächster Woche steht am Oberstufenzentrum Montlingen Herbert Markovits nach einem intensiven und vielseitigen Arbeitsleben ein letztes Mal vor seinen Schülerinnen und Schülern. Dann tritt er in den verdienten Ruhestand – nach über 40 Jahren als Lehrer in Montlingen.

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Überraschung für Herbert Markovits: Letzten Freitag besuchten ihn 19 der ehemals 33 Schülerinnen und Schüler, die er als seine erste Klasse im Jahr 1971 übernahm. Die aktuelle Klasse gesellte sich für das Bild noch dazu. Die Lektionen, die Herbert Markovits (im Bild kniend in der ersten Reihe, in der Mitte) am Nachmittag hätte erteilen sollen, übernahmen in nobler Weise Martin Sutter und Niklaus Wolgensinger. Den Abend verbrachte die Klassenzusammenkunft im Montlinger «Hirschen». (Bild: Rösli Zeller)

Überraschung für Herbert Markovits: Letzten Freitag besuchten ihn 19 der ehemals 33 Schülerinnen und Schüler, die er als seine erste Klasse im Jahr 1971 übernahm. Die aktuelle Klasse gesellte sich für das Bild noch dazu. Die Lektionen, die Herbert Markovits (im Bild kniend in der ersten Reihe, in der Mitte) am Nachmittag hätte erteilen sollen, übernahmen in nobler Weise Martin Sutter und Niklaus Wolgensinger. Den Abend verbrachte die Klassenzusammenkunft im Montlinger «Hirschen». (Bild: Rösli Zeller)

Mit dem Übertritt Herbert Markovits' in den Ruhestand geht nächste Woche auf der Montlinger Schulanlage eine Ära zu Ende. Herbert Markovits, aufgewachsen in Diepoldsau und Widnau, wollte schon während der eigenen Schulzeit Lehrer werden. Vorbilder waren in der Primarschule sein Lehrer Hanspeter Hüppi, in der Sekundarschule Emil Eberle. «So motivierend, konsequent und kompetent wie sie wollte auch ich werden», erinnert er sich. Nach dem Abschluss am Lehrerseminar Rorschach wählte ihn der Primarschulrat Montlingen auf den Frühling 1971 für die damalige Abschlussklasse. Es war seine erste und zugleich letzte Arbeitsstelle: Herbert Markovits hielt der Schulgemeinde über 40 Jahre die Treue!

Sieben Schulpräsidenten

Schon nach wenigen Jahren benannte man seine Schulstufe um auf Realschule. Später wurde sie zusammen mit den Sekundarklassen in die eigentliche Oberstufe überführt. Mit Felix Benz (zweimal), Anton Thurnherr, Vizepräsident Pfarrer Rüst, Roman Benz, Franz Hallauer, Max Lüchinger und Karl Loher kamen und gingen sieben Schulpräsidenten. Zudem wechselte die Bezeichnung der Schulgemeinde, von Primarschule Montlingen auf Zweckverband Realschule Montlingen-Kriessern-Eichenwies und zu Oberstufenschulgemeinde Oberriet-Rüthi. Auch die Schulgemeinde als Arbeitgeber wechselte dreimal. Bloss Herbert Markovits blieb stets am selben Arbeitsplatz und – mit Ausnahme seines ersten Dienstjahres – im selben Schulzimmer. Ende nächster Woche wird er nun unter dem amtierenden Präsidenten Romeo Gächter anlässlich des Examen-Essens verabschiedet.

Rüstzeug fürs Leben

Herbert Markovits vermittelte gerne schulisches Wissen. Mit Herzblut betrieb er auch grossen Aufwand in die Charakterbildung und in die Vorbereitung seiner Schüler aufs spätere Leben. Markovits: «Ich fühlte mich vor allem den schwächeren Kindern verpflichtet. Und ich setzte allen Schülern Grenzen, die einzuhalten waren.» Dies habe ihm die Arbeit enorm erleichtert und garantierte jene Ruhe im Schulzimmer, in der sich auch eher stille Persönchen einbringen konnten. Viele Ehemalige machten ihm Freude, da sie nach ihrer Schulzeit privat oder beruflich tolle Leistungen zeigen. Reini Wüst, Schüler des ersten Jahrgangs, erinnert sich: «Uns beeindruckte der junge Lehrer nicht nur mit seiner schulterlangen Haartracht, sondern auch mit seiner konsequenten Haltung. An unserem ersten Schultag in der Oberstufe im Jahre 1971 nämlich stürmten wir Buben lärmend ins Klassenzimmer. Der neue Lehrer wies uns mit der Bemerkung <so nicht!> wieder hinaus und liess uns geordnet eintreten. Das wirkte!» Und Carmen Herrsche, Schülerin des letzten Jahrgangs: «Wir alle schätzen an unserem Klassenlehrer seine stets korrekte und ruhige Art. Er stellte Regeln auf, die von allen einzuhalten sind.»

Heute sind die Schüler offener

Früher seien die Lernenden zurückhaltender gewesen. Heute seien sie offener und mutiger. Manch einer versuche schon mal dem Lehrer kundzutun, was richtig sei. Oft würden nicht umsetzbare Ideen vorgebracht. Herbert Markovits betont aber: «An Ideen aus der Schülerschaft freute ich mich immer. Waren sie unrealistisch, gelang es mir mit Motivieren und diversen Tricks die Dinge so zu lenken, dass sie meinen Vorstellungen entsprachen.»

Lehrer mit Herz

Er werde die Schülerinnen und Schüler, die Arbeit mit Jugendlichen, vermissen, sagt Markovits. Für «Häbi», so sein Spitzname, war der Beruf Berufung. Er engagierte sich auch wesentlich über sein Pflichtpensum hinaus, etwa als Praktikumsleiter für Studenten, als Mitglied des Teams, das die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule erstellte, während über 40 Jahren als Material- und Lehrmittelverwalter, als Kursleiter an kantonalen und schweizerischen Kursen, als Schulvorsteher und viele Jahre in einem Teilpensum an der Landwirtschaftlichen Schule Salez und an der damaligen Realschule Rüthi, ebenso an der früheren Fortbildungsschule der Gemeinde Oberriet.

Der baldige Jungpensionär ist sich bewusst, dass er vor einer einschneidenden Umstellung steht, die aber zu meistern sein wird. Er freut sich auf die Pension und die damit verbundenen Freiheiten. Als erste Handlung will er dafür sorgen, dass morgens um 6 Uhr sein Wecker jeweils stumm bleiben wird. Langeweile wird bestimmt nicht aufkommen. Zu viel musste bislang hintanstehen. So wird Herbert Markovits nun auch genügend Zeit für die wunderschönen Aufgaben eines glücklichen Grossvaters finden. Auch mehrere Hobbies wird er nun vermehrt pflegen können. (aa)

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