«4 Tagen Kultur unter den Bäumen»: Erstmals Festival im Altstätter Villenpark – Auftretende sind alle Rheintaler

Die Villa im Park dient im August für einen grossen öffentlichen Anlass mit «4 Tagen Kultur unter den Bäumen».

Gert Bruderer
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Das überraschend stattfindende Festival auf dem Villenareal ist ein starkes Zeichen zugunsten einer kulturellen Öffnung des Areals. Die Auftritte finden im östlichen Teil statt (roter Pfeil), der Zutritt erfolgt vom RTB-Busdepot her und ist nur bis Programmbeginn möglich (blauer Pfeil).

Das überraschend stattfindende Festival auf dem Villenareal ist ein starkes Zeichen zugunsten einer kulturellen Öffnung des Areals. Die Auftritte finden im östlichen Teil statt (roter Pfeil), der Zutritt erfolgt vom RTB-Busdepot her und ist nur bis Programmbeginn möglich (blauer Pfeil).

Die einheimischen Esther Gächter-Kobler und Katrin Büchi-Mathys organisieren die abwechslungsreiche Ver­anstaltungsreihe «Kultur im Park», die viel Musik, aber auch Tanz, Stand-up-Comedy und Slam Poetry bietet. Den Anlass vergleicht Esther Gächter mit einer verkürzten Altstätter Kulturwoche Staablueme – nur, dass «Kultur im Park» nicht in der Altstadt, sondern in Zentrums- nähe im Grünen durchgeführt wird.

Mit ihren «4 Tagen Kultur unter den Bäumen» verbinden Esther Gächter und ihre Kollegin Katrin Büchi (wie die erst nächstes Jahr wieder stattfindende Staablueme) keinen Eigennutzen. Den Auftretenden soll das Festival aber zugutekommen, nachdem der Lockdown öffentliches kulturelles Schaffen praktisch lahmgelegt und grosse finanzielle Einbussen in der Kulturszene bewirkt hat.

Einheitliche Gage für die Auftretenden

Esther Gächter-Kobler (hier am Festivalort) ist eine der zwei Organisatorinnen, als Mitinitiantin wirkt Katrin Büchi-Mathys.

Esther Gächter-Kobler (hier am Festivalort) ist eine der zwei Organisatorinnen, als Mitinitiantin wirkt Katrin Büchi-Mathys.

Bild: gb

Esther Gächter hat eine gewis­se Verunsicherung bei Kultur- schaffenden festgestellt, die ihren Lebensunterhalt grossteils durch Auftritte bestreiten und nun der Versuchung erliegen, zu tiefe Gagen in Kauf zu nehmen. Der Besuch des Festivals auf dem Villenareal ist deshalb nicht gratis, sondern kostet 30 Franken pro Abend.

Die Auftretenden, ausnahmslos Rheintalerinnen und Rheintaler, erhalten eine einheitliche Gage, die das übli­che Entgelt zwar unterschreite, aber vertretbar sei, sagt Esther Gächter.

Der Rahmen mit maximal 200 Zuschauern pro Abend ist exklusiv, und mit der Getränke- und Speisekarte werden die marktüblichen Preise klar unterschritten. In den Verkauf ge­langen 150 Eintrittskarten pro Abend.

Zehn Auftritte: Comedy, Tanz, viel Musik

Das Festival «Kultur im Park» umfasst zehn Auftritte an den vier Abenden vom 13. bis 16. August. Bereits ausverkauft ist der erste Abend, an dem die Fäaschtbänkler spielen. Davor verblüfft Arina Luisa (früher bei Miracle Four) mit Gesang und Shuffle-Dance; Arina Luisa hat bei Instagram über 37'000 Follower.

Am Freitag, 14. August, stehen zwei Bands auf der Bühne. Dionys Müller (Schlagzeug) und Damian Loher (Gesang und Gitarre) bilden das Rockduo Too Mad. Das Kulturmagazin «Saiten» beschrieb den Sound als «unpoliert und schnörkellos». Die Brass’n’Roll-Band Lutz! ist u. a. bereits am Szene Open Air sowie im Conradsohm in Dornbirn aufgetreten.

Das Programm vom Samstag, 15. August, bestreiten Enrico Lenzin, Peter Lenzin sowie Tobler & Melzer. Enrico Lenzin hält mit seinem Mix aus starken Rhythmen, Talerschwingen, Alphorn- und vielen Sonderklängen konkurrenzlos eine kulturelle Nische besetzt, während sein Bruder, der Saxofonvirtuose, neuerdings auch als Comedian überzeugt. Der Kriessner Andi Melzer lebt in Plona und spielt Gitarre und Bass, unterstützt von Noldi Tobler auf der Mundharmonika.

Am Sonntag, 16. August, tritt der in Berneck aufgewachsene Poetry Slammer Richi Küttel auf, Patrick Benz umrahmt die Texte musikalisch. Danach steht die Sängerin und Gitarristin Manu Oesch auf der Bühne, ehe der Stand-up-Comedian Nico Arn das Festival beschliesst. Dass Nico Arn auch mit Manu Oesch auf der Bühne steht und ein neuer (auf dem Villaareal entstandener!) Musikclip des in Montlingen lebenden Shqipton Rexhaj vorgeführt wird, ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem «i». (gb)

Bei Räbafägern perfekt harmoniert

Die beiden Initiantinnen kennen sich seit vielen Jahren und sind organisatorisch ein gut harmonierendes Team. Bei den Räbafägern haben Esther Gächter und Katrin Büchi mehrfach eng zusammengearbei­tet. Esther Gächter ist heute Ehren- und Rostfägermitglied, das heisst, eine helfend aktive Ehemalige. Katrin Büchi spielt noch in der Gugge. Gemeinsam haben sie früher im Räbiball-Organisationskomitee mitgewirkt und für die Kulturwoche Staablueme zweimal die von den Räbafägern geführte Festwirtschaft organisiert.

Während des Lockdown war man telefonisch in regem Kontakt. Aufgrund von Bekannt- und Verwandtschaften bekamen Esther Gächter (die für Enrico Lenzin das Management besorgt) und Katrin Büchi die finanziellen Sorgen Kultur- schaffender aus nächster Nähe mit. Obschon mit Liegenschaftsbesitzer Karl Zünd gut bekannt, wandte sich Esther Gächter angesichts der Pandemie schriftlich an ihn, um ihm ein Festival auf dem Villenareal vorzuschlagen. Er fand an der Idee sogleich Gefallen, zumal sie seiner eigenen Absicht, die Liegenschaft zu beleben, ent­gegenkam.

Obschon mit dem Rheintaler Kulturschaffen vertraut, staunte Esther Gächter über den Umfang der Namensliste, die sie mit ihrer Kollegin erstell­- te. Auf erste Anfragen hätten die kontaktierten Kulturschaffenden ausnahmslos positiv reagiert.

Viel Arbeit, viele Helfende

Also stürzten sich die beiden Frauen in die Arbeit, die mit grossem Aufwand verbunden war und natürlich eine Be­willigung für die Veranstaltungsreihe voraussetzte. Etwa zehn Helferinnen und Helfer pro Abend waren zu finden, der Auf- und Abbau der Infras­truktur zu regeln, ein Programm zusammenzustellen und ein Faltprospekt herzustellen.

Bewusst verzichteten die beiden Organisatorinnen darauf, in der Gugge um Hilfe nachzufragen, denn das Festival soll nicht den Eindruck einer Räbafäger-Veranstaltung erwecken. Doch einmal mehr kamen der Rückhalt in der Gugge und die Bereitschaft, einander zu unterstützen, zum Ausdruck: Viele junge Guggenmitglieder boten von sich aus Hilfe an, was die Initiantinnen natürlich sehr freut.

Selbst der Küchenverantwortliche am Festival «Kultur im Park» kennt die Auswirkungen der Pandemie aufs kulturelle Leben aus eigener Erfahrung. Enrico Federli ist seit vielen Jahren Wirt des Restaurants in Zürichs berühmter Roter Fabrik und betätigt sich als OK-Präsident des Appenzeller Klanx-Festivals, das wegen Corona nicht statt­finden kann.

Festival findet bei jedem Wetter statt

Die Wahrscheinlichkeit, dass gutes Wetter herrschen wird, ist gross, jedenfalls aus statistischer Sicht. Es ist denn auch die Absicht, das Festival möglichst auf dem Villenareal stattfin­- den zu lassen, auch dank der Verwendung sogenannter Fet­zen, die das Staablueme-Pub­likum von früher kennt und die vor Regen schützen könnten. Sollte das Wetter wider Er­warten überhaupt nicht mitspielen, wäre – «wirklich nur im Notfall», wie Esther Gächter sagt, die Verlegung in eine Halle möglich.

Das Festival gibt nebenbei die Möglichkeit, sich vor dem Start des Abendprogramms in Ruhe das weitläufige Villenareal anzusehen.

Hinweis: kulturimpark.ch