31/2, 41/2 und weisser Rauch

Die CVP St. Margrethen hat es keinesfalls mit der Langeweile: Eine engagierte Diskussion gehört mittlerweile einfach zur Hauptversammlung.

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Zwei Dutzend Mitglieder der CVP St. Margrethen hatten sich am Tag der Papstwahl zur HV eingefunden. (Bild: pd)

Zwei Dutzend Mitglieder der CVP St. Margrethen hatten sich am Tag der Papstwahl zur HV eingefunden. (Bild: pd)

ST. MARGRETHEN. Schon vor dem der Hauptversammlung vorangehenden Essen wurde eifrig debattiert und gewerweisst: Gewählt ist er, der weisse Rauch war ja aufgestiegen, aber wer ist es? Selbstverständlich waren die CVPler gwundrig, wer denn der neue Papst ist, schliesslich hat die Partei nicht ganz umsonst ein C im Namen. Irgendwann war auch das Pontifex-Geheimnis gelüftet, das Abendessen genossen, und so konnte es losgehen mit der Abarbeitung der Traktanden.

Die (Bestätigungs-)Wahlen gingen glatt über die Bühne, auch die übrigen Verhandlungspunkte wurden ohne Gegenstimme durchgeklatscht. Einzig bei der Buchhaltung gab es hier und dort ein Stirnrunzeln. Nicht wegen der Buchführung, die war gewohnt tadellos, sondern wegen des Verlustes, der das Vermögen mächtig drückte. Nationale und kommunale Wahlen hatten im letzten Jahr einen kräftigen Griff in die Kasse verlangt, so dass heute das Parteivermögen nur noch von unten an der 1000-Franken-Grenze ritzt.

Wiederum ein Ausrufezeichen war hinter den Jahresbericht des Präsidenten Roland Kluser zu setzen. Er verzichtete auf Floskeln wie lösungsorientiert handeln, nach vorne schauen oder zielführend. Mit klaren Worten referierte er zu den drei Themen «Geschichte der CVP, Wert der Parteien und Kommunalwahlen». Auf die präsidialen Ausführungen zur Geschichte sei hier nicht näher eingegangen. Über die CVP als Partei wurde ja wegen des letztjährigen 100-Jahr-Jubiläums genügend berichtet. Einzig noch ein Hinweis auf den Namen: Erst seit 1970 heisst die CVP so.

Bedeutender für die «grosse Öffentlichkeit» sind die Anmerkungen zum Wert der Parteien. Kluser kam wegen des zurückliegenden Wahlkampfes darauf zu sprechen. Dass in St. Margrethen Parteilose in den Räten und Gremien sitzen, sei durchaus auf die erbrachten Leistungen zurückzuführen. Allerdings, allzu viele «Wilde» vertrage es nicht. Denn die stünden in wichtigen Belangen und bei Anhörungen ausserhalb der Verantwortung. Und, sie seien in einem gewissen Sinne niemandem Rechenschaft schuldig. Es sei darum Vorsicht geboten, dass die Parteien gegenüber den Ungebundenen nicht ins Hintertreffen gerieten. Umso mehr, als «Verbocktes doch wieder von den Parteien zurechtgerückt werden müsse».

Die letzten Gemeindewahlen waren für die CVP praktisch zu einem Spaziergang geraten. Alle Vorgeschlagenen wurden mit beruhigenden Resultaten bestätigt oder gewählt. Allerdings einmal ist nicht immer. Deshalb, so mahnte der Präsident eindringlich, dürfe nicht geruht werden. Es sei nämlich anzunehmen, dass bei der nächsten Ausmarchete nicht mehr sämtliche jetzt Gewählten antreten werden. Er verwies auf das bewährte Milizsystem, das beneidenswert gut funktioniere. Aber ohne den Einsatz vieler Mitbürger drohe der Verfall des Systems. Ohne verstärktes Engagement und ohne frische Kräfte sei es denkbar, dass nach 2016 das CVP-Gedankengut nicht mehr im gewohnten Masse eingebracht werden könne. Da es seine Zeit brauche, bis eine Kandidatin oder ein Kandidat aufgebaut und für einen Wahlgang bereit sei, dürfe nicht mehr lange zugewartet werden. Er schlage dafür folgendes Motto vor: Zusammenarbeiten für Erfolg und Zukunft.

Unerwartet kam es gegen Schluss des offiziellen Teils zu einem angeregten Hin und Her. Ausgerechnet der Jüngste in der Runde war dafür verantwortlich. Er riss ein Thema an, das mit der Ortspartei nur am Rande zu tun hat: den Wohnungsbau in St. Margrethen. Er bemerkte, dass eine Vielzahl von 3,5-Zimmer-Wohnungen erstellt würde, dass aber seine Generation 4,5-Zimmer-Wohnungen mit grosszügig bemessenen Baderäumen suche. Da die Gemeinde junge Familien anlocken wolle, führe das jetzige Vorgehen am Ziel vorbei. Sein Begehren war, dass die Partei Einfluss auf den Gemeinderat nehme, damit dieser wiederum versuche, auf die Bauherren einzuwirken. Sofort hub ein Argumentieren und Disputieren an. Beste Demokratie im Kleinen eben. (pd)

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