30 Jahre glücklich ohne Trauschein

Sie kennen sich seit 35 Jahren und leben seit 30 Jahren im Konkubinat. Conny Loritz und Andy Fehr haben zwei Kinder – trotzdem haben sie den Schritt vor den Traualtar bis heute nicht gewagt. Da sie rechtlich abgesichert sind, sehen sie in ihrer Partnerschaftsform einige Vorteile.

Susi Miara
Drucken
Teilen
Conny Loritz und Andy Fehr in ihrem Garten in Widnau. (Bild: Susi Miara)

Conny Loritz und Andy Fehr in ihrem Garten in Widnau. (Bild: Susi Miara)

Als verheiratetes Paar würden Sie beide die Perlenhochzeit feiern. Herr Fehr, werden Sie Ihrer Partnerin trotzdem eine Perlenkette schenken?

Andy Fehr: Die hat sie bereits vor fünf Jahren bekommen. Die Kette hat sogar 57 Perlen. Das Geschenk hatte aber keinen Bezug auf die Jahre, die wir zusammen sind. Vielmehr fühlte sich meine Partnerin alt genug, um eine Perlenkette zu tragen.

Conny Loritz: Ich liebe Perlen über alles und finde sie wunderschön.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Andy Fehr: Das war 1979 in einem J+S-Skilager in St. Moritz.

Conny Loritz: Verliebt haben wir uns erst fünf Jahre später. Das war im April 1985. Wir sind uns zufällig in einem Skitourenlager wieder über den Weg gelaufen.

Frau Loritz, Sie wohnten damals noch im Zürcher Oberland. Sind Sie danach gleich ins Rheintal gezogen?

Conny Loritz: Nein, erst zweieinhalb Jahre später.

Andy Fehr: Das war am 16. Oktober 1987.

Conny Loritz: Als wir uns kennenlernten, wusste Andy, dass er eineinhalb Jahre reisen wird. Diese Reise hat er auch gemacht. Zwischendurch haben wir uns in Australien für drei Wochen getroffen.

Ihr Sohn Yannic wurde 1998 geboren. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, zu heiraten.

Andy Fehr: Ich habe ihr keinen Antrag gemacht. Wir setzten uns zusammen und führten ein strategisches Gespräch. Ich erklärte Conny, dass ich sie heiraten werde, wenn sie das möchte, aber ich würde sie nicht fragen, ob sie mich heiraten will.

Conny Loritz: Und ich wollte einen romantischen Heiratsantrag bei Kerzenlicht und mit einer weissen Rose.

Wie hat Ihr persönliches Umfeld darauf reagiert?

Andy Fehr: Meine Mutter hat es einfach hingenommen.

Conny Loritz: Meine Mutter hat sofort gefragt, ob wir jetzt heiraten. Sie hatte aber mit unserer Entscheidung kein Problem.

Hattet Ihr als unverheiratetes Paar mit Kind keine Probleme?

Andy Fehr: Oh doch. Wir mussten bei der Vormundschaftsbehörde einen Unterhaltsvertrag unterzeichnen. Zwei Jahre später konnten wir als unverheiratetes Paar auch das gemeinsame Sorgerecht beantragen. Vermutlich waren wir die Ersten, und darum war die ganze Sache recht kompliziert. Wir wurden von den Sozialen Diensten befragt. Man wollte wissen, ob wir überhaupt geeignet sind, um das gemeinsame Sorgerecht zu bekommen. Damals wurden wir auch gefragt, weshalb wir nicht heiraten und damit den einfacheren Weg wählen.

Conny Loritz: Auch die Geburtsanzeige in der Zeitung wurde nicht publiziert. Die Mitarbeiter der Gemeinde erklärten mir, dass das nicht automatisch gemacht wird, weil es der Mutter peinlich sein könnte, dass das Kind einen anderen Namen trägt als den des Vaters.

Ihre beiden Söhne heissen also Loritz, nicht Fehr?

Conny Loritz: Ja, damals konnten die Kinder unverheirateter Paare nur den Namen der Mutter annehmen. Heute ist es anders.

Stören sich Ihre Kinder daran, dass sie anders heissen als der Vater?

Conny Loritz: Nein, sie sind damit aufgewachsen. Es war normal.

Wer Ihre Situation nicht kennt, wird Sie bestimmt mit Frau Fehr ansprechen. Wie reagieren Sie jeweils?

Conny Loritz: Es kommt auf die Situation an. Wenn ich die Leute länger kenne, sage ich, dass ich Loritz heisse. Im Hotel lasse ich den Namen Fehr einfach stehen. Lustig ist, wenn jemand bei uns anruft und ich mich mit Loritz melde. Es wird sofort gefragt: Bin ich nicht bei Fehrs? Dann muss ich die Situation natürlich erklären.

Sie haben als Lehrerin an einer Schule gearbeitet, Andy Fehr ist Partner bei der KS Treuhand AG. Eigentlich beides eher konservative Arbeitgeber. Gab es da Probleme?

Andy Fehr: Überhaupt nicht.

Conny Loritz: Als ich mit meinem zweiten Sohn schwanger war, fragte mich ein Schüler, wie es möglich ist, ein Kind zu bekommen und nicht verheiratet zu sein. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich zwar keinen Mann, dafür aber einen Partner habe. Für meinen Arbeitgeber war unsere Lebensform überhaupt kein Problem.

Ihr Sohn Niel kam 2005 zur Welt. War das Arrangieren des gemeinsamen Sorgerechts zu dieser Zeit einfacher?

Andy Fehr: Wir hätten die ganze Prozedur wiederholen müssen. Wir haben uns aber geweigert, und ich habe alle Verträge selbst aufgesetzt. Wir hätten auch zu einer Befragung gehen müssen. In unserem Alter und mit unserer Erfahrung empfanden wir das als eine Schikane.

Haben Sie sich nie darüber Gedanken gemacht, dass es vor allem für die Absicherung der Frau besser gewesen wäre, zu heiraten?

Andy Fehr: Wir haben bereits einen Konkubinats- und Erbvertrag aufgesetzt, als der erste Sohn geboren wurde. Und ich habe zusätzlich eine Risikolebensversicherung abgeschlossen. Bei der Pensionskasse werden unverheiratete Paare, die fünf Jahre zusammenleben, gleich behandelt wie verheiratete. Conny bekäme also, wenn mir etwas passieren sollte, eine Witwenrente. Eine staatliche Witwenrente gibt es hingegen nicht. Auch müsste sie für ihren Erbanteil 30 Prozent Erbschaftssteuer bezahlen. Wären wir verheiratet, müsste sie keinen Rappen abgeben.

Wie sieht es mit dem Heiratsantrag aus? Hat er Sie bis heute nicht gefragt?

Conny Loritz: Doch, vor fünf Jahren. Kniend und mit einer Rose. Der ganze Kulturverein war dabei und kann das bezeugen. Ich habe damals übrigens Ja gesagt.

Wann wird geheiratet?

Andy Fehr: Wir wollen nichts überstürzen. Bis jetzt haben wir das richtige Datum nicht gefunden. Wenn mich jemand fragt, warum wir immer noch nicht verheiratet sind, antworte ich scherzhaft, dass ich nicht bereit bin, eine Frau mit zwei unehelichen Kindern zu heiraten.

Conny Loritz: Wir sind uns auch über die Details einer Hochzeit noch nicht einig. Ich möchte gern in Weiss heiraten, Andy am liebsten in Jeans und barfuss. Wir diskutieren also immer noch, wie das Fest aussehen sollte. Ausserdem ist die Hochzeit eine Entscheidung fürs Leben. Andy ist zwar die Liebe meines Lebens, aber man sollte sich mit diesem Schritt wirklich sicher sein.

Wird es in absehbarer Zeit eine Hochzeit geben?

Andy Fehr: Nein.

Conny Loritz: Man weiss nie.