Heerbrugg
Wegen Lärmbelästigung, Drogengeschäften und Schlägereien: 23 Kameras sorgen auf Schulgelände für Ruhe und Sicherheit

Das Schulgelände der Oberstufe Mittelrheintal wird seit 2019 komplett videoüberwacht – mit Erfolg.

Reto Wälter
Merken
Drucken
Teilen
Auf die Videoüberwachung wird gut sichtbar an mehreren Orten hingewiesen. Die Kameras an den neuralgischen Punkten des Geländes sind unübersehbar.

Auf die Videoüberwachung wird gut sichtbar an mehreren Orten hingewiesen. Die Kameras an den neuralgischen Punkten des Geländes sind unübersehbar.

Bilder: Kurt Latzer

Mit 23 Kameras wird das Gelände der Oberstufe Mittelrheintal (OMR) überwacht. Auf dem Areal gibt es zwei Schulhauskomplexe, eine Dreifachturnhalle und ein Musikzentrum; es ist ausgestattet mit Turn-, Pausen- und Parkplätzen, Velo­ständern sowie Verbindungswegen. Die Überwachungsanlage wurde 2019 nach der Fertigstellung des neuen Schulhauses Kirchplatz installiert und in Betrieb genommen. Schon seit vielen Jahren waren einzelne Kameras im Einsatz, allerdings nicht an allen neuralgischen Punkten.

Auf verschiedenen Seiten der weitläufigen Anlage gab es Reklamationen wegen Lärmbelästigung, aber auch wegen Drogengeschäften oder sogar Schlägereien. Es kam zu Sachbeschädigungen, etwa bei abgestellten Velos, Sprayereien an der Turnhalle und Littering. Im Zuge des Schulhausneubaus entstand deshalb ein Konzept mit einer Sicherheits- und Überwachungsfirma.

Durchgangswege sicherer gemacht

«Ein Aspekt war auch, dass die öffentlichen Durchgänge ganze Dorfteile verbinden und wir etwas für die Sicherheit tun wollten», sagt Ivo Riedi, Schulratspräsident der OMR. 2018 wurde die Überwachungsanlage ins Budget aufgenommen und durch die zustimmenden Schulbürger legitimiert.

Wie rechtlich gesehen mit der Anlage, respektive mit dem Datenmaterial umgegangen werden muss, ist in groben Zügen im «Reglement für die Gemeindepolizei» der Politischen Gemeinde Au geregelt. Der Schulrat wurde dann aber darauf aufmerksam, dass Datenmaterial über Personen rechtlich heikel ist und genauer geregelt sein muss. «Wir wollten verhindern, dass eine Lehrperson etwa einen Velodiebstahl anhand der Kameraaufnahmen aufklärt und dann selber rechtlich belangt wird, weil sie gar nicht legitimiert gewesen wäre, den Fall aufzuklären», sagt Markus Waser, Schulleiter der OMR.

Was nötig ist, um sich rechtlich abzusichern, war allerdings gar nicht so leicht herauszufinden. «Fragt man fünf Fachpersonen, erhält man fünf verschiedene Antworten», sagt Schulratspräsident Riedi. Die Anlage ist, wie budgetiert, 2019 installiert worden, bevor rechtlich alles bis ins letzte Detail geregelt war. Natürlich wurden die Vorgaben des Polizeireglements eingehalten, in dem etwa steht, dass der Server, der die Bilder speichert, in einem gesicherten Raum stehen muss und nicht mit anderen Systemen verbunden sein darf. Dieser Raum steht unter Aufsicht der Sicherheitsfirma. Auch wurden die Bilder bisher nicht verwendet.

Sollte aufgrund eines Vorfalls eine Personenidentifikation nötig werden, muss sie über eine Anzeige bei der Polizei geschehen. Diese wiederum braucht die Genehmigung der Staatsanwaltschaft, um die Bilder durchsehen zu können – die übrigens ohne offenen Fall nach 100 Tagen gelöscht werden. Das Verfahren, damit rechtlich restlos alles in trockenen Tüchern ist, läuft derzeit. Der Gemeinderat hat das Reglement der OMR genehmigt, es liegt noch bis am 24.Juni bei der Gemeinde auf. Gibt es keine Einsprachen, wird es der OMR-Schulrat dem fakultativen Referendum unterstellen. Das heisst, nicht einverstandene Schulbürgerinnen und -bürger könnten innerhalb einer bestimmten Frist mit einer Un­terschriftensammlung eine Abstimmung erwirken.

Seit der Installation keine Beanstandungen mehr

«Die Überwachungsanlage hat sich bereits jetzt bezahlt gemacht», sagt Schulleiter Markus Waser. Es habe seit der Installation der Kameras weder Sprayereien, Sachbeschädigungen noch Reklamationen von Anwohnern gegeben. Zu Lärmklagen kam es beim Schulhaus Am Bach, weil sich dort am Abend gern Leute beim gedeckten Unterstand trafen, der die Stimmen verstärkte.

Auch ein Anwohner des neuen Schulhauses Kirchplatz hätte an der Anlage Freude und bestätigte, dass seither weder grössere Ansammlungen noch Drogendeals stattgefunden hätten und am Morgen auch keine Spritzen mehr he­rumliegen würden. «Vielleicht hätte man auch einfach Attrappen anbringen können», lacht Markus Waser und erklärt: «Ich denke, dass vor allem die vielen Hinweise, dass das Gelände kameraüberwacht wird, gefruchtet haben.» Schulratspräsident Ivo Riedi sagt: «Es freut uns natürlich, dass die erhofften Verbesserungen eingetreten sind und die Durchgangswege nun auch sicherer sind. Hat jemand persönliche Bedenken, weil er gefilmt wird, dann steht es ihm frei, das Schulgelände zu umgehen.»