200 Tonnen Stahl verschoben

Riesige Stahlträger werden auf der ÖBB-Grossbaustelle «Rheinbrücke» mit Hydraulikpressen und Kran über den Fluss verschoben.

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Mit einem exakt geplanten Spezialeinsatz, unterstützt durch Hydraulikpressen und Mobilkran, werden zwei je 100 Meter lange und fast 200 Tonnen schwere Stahlkastenträger über den Rhein verschoben. (Bild: Ralph Ribi)

Mit einem exakt geplanten Spezialeinsatz, unterstützt durch Hydraulikpressen und Mobilkran, werden zwei je 100 Meter lange und fast 200 Tonnen schwere Stahlkastenträger über den Rhein verschoben. (Bild: Ralph Ribi)

ST. MARGRETHEN. Die Arbeiten zum Neubau der Eisenbahnbrücke über den Rhein schreiten zügig voran. Mit einem exakt geplanten Spezialeinsatz, unterstützt durch Hydraulikpressen und Mobilkran, werden zwei je 100 Meter lange und fast 200 Tonnen schwere Stahlkastenträger über den Rhein verschoben. Das Gesamtprojekt bringt Anrainern und Bahnkunden viele Verbesserungen. So wird der Hochwasserschutz durch die Anhebung der Brücke erweitert und ein durchgängiges Gleisschotterbett reduziert den Bahnlärm. Nach der Fertigstellung sind schnellere Zugfahrten zwischen Vorarlberg und der Schweiz garantiert.

Herzstück der neuen Rheinbrücke sind zwei riesige Kastenträger aus Stahl. Jeder der Träger besteht aus drei angelieferten Einzelteilen, die im Werk vorgefertigt und beschichtet wurden. Vor Ort wurden sie zu einem insgesamt 100 Meter langen Stahlteil zusammengeschweisst. Nach der technischen Abnahme wurde der erste Langträger bereits Ende Februar erfolgreich eingeschoben. Gestern erfolgte mit dem zweiten XXL-Stahlteil der Abschluss. Meter für Meter wurde dabei der Kastenträger über den Alpenrhein von Lustenau bis in die Schweiz vorgeschoben. Das war eine technische und logistische Grossaufgabe für Montagemannschaft und Ingenieure. Mit starken Hydraulikpressen wurde der Stahlkoloss mit der Länge eines Fussballfeldes pro Stunde bis zu sechs Meter bewegt. Um höheren Temperaturen und einem Ausdehnen des Stahls entgegenzuwirken, begann die Arbeit bereits um 4 Uhr früh. Zwei Wippen auf Zwischenbauwerken am rechten und linken Rheinufer leisteten wertvolle Unterstützung. Eine Teflonschicht diente als zusätzliche Gleitfläche, um die 200 Tonnen Stahl – das entspricht dem Gewicht von drei Lokomotiven – bewegen zu können. 20 Meter vor dem Schweizer Hilfsjoch unterstützte ein 84 Tonnen schwerer Mobilkran den Einsatz. Der Träger wurde mittels Kran auf das Hilfsjoch gehoben. Auf die Stahlarbeiten folgt die Montage des Gerüstes und der Schalung, um die parabelförmigen Stahlbetonbögen herstellen zu können. Bevor der Bogen Belastungen aufnehmen kann, muss der Beton rund 40 Tage lang aushärten. Zwischen den beiden Hauptträgern wird im Anschluss die Fahrbahnplatte aus Spezialbeton abschnittsweise hergestellt. Die schräg angeordneten Hänger werden nach Fertigstellung der Fahrbahnplatte mit den Hauptträgern verschweisst. Anschliessend erfolgt der Abbau der Schalungen sowie der beiden Hilfsbauwerke im Rhein.

Der neue Streckenabschnitt wird im Rahmen einer siebenwöchigen Streckensperre ab Februar 2013 in die bestehende Strecke integriert. Ende März 2013 werden die ersten Züge über die imposante Brücke fahren. (pd)