20 Jahre Gefängnis gefordert

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen hat Anklage gegen den Täter erhoben, der im vergangenen August in einer Moschee in St. Gallen-Winkeln einen Mann erschossen hat. Sie fordert eine Verurteilung wegen Mordes.

Daniel Walt
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ST. GALLEN. Es ist der Nachmittag des 22. August 2014. In der El-Hidaje-Moschee in St. Gallen-Winkeln läuft das Freitagsgebet. Kurz nach Beginn des zweiten Teils nähert sich ein 51-Jähriger einem gleichaltrigen Mann und schiesst ihm mehrere Male aus kurzer Distanz in den Rücken. Die Verletzungen sind tödlich.

Nun hat die St. Galler Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Täter, der noch vor Ort verhaftet werden konnte, erhoben – er soll für 20 Jahre ins Gefängnis, wie aus einem Communiqué hervorgeht.

Blutrache geübt

Wie Sprecher Andreas Baumann auf Anfrage erklärt, qualifiziert die Staatsanwaltschaft die Tat aufgrund des Hergangs als Mord. Genauer will sie dies allerdings erst an der Gerichtsverhandlung ausführen. «Die Forderung nach einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren ergibt sich für die Staatsanwaltschaft aus der Schwere der Tat», sagt Baumann. Er bestätigt auch das, was bereits kurz nach der Tat publik geworden war: Die Schüsse in St. Gallen-Winkeln haben einen Zusammenhang mit der tödlichen Messerattacke auf einen Mann in Walenstadt im Jahr 1997: 17 Jahre nach jener Tat rächte der Bruder des damaligen Opfers seinen Blutsverwandten, indem er in der Moschee den Täter von Walenstadt erschoss. «Es ist nicht an uns, diese Tat als Blutrache zu qualifizieren. Fakt ist: Die beiden Taten stehen in einem Zusammenhang», erklärt Andreas Baumann.

Tatwaffe illegal besessen

Angeklagt ist der mittlerweile 52-Jährige – er ist wie sein Opfer gebürtiger Albaner und wanderte später in die Schweiz ein – nicht nur des Mordes, sondern auch der mehrfachen Gefährdung des Lebens. Dies, weil der Mann laut der Staatsanwaltschaft mit seiner Tat auch andere Moschee-Besucher in Gefahr brachte.

Zudem muss er sich wegen mehrfacher Vergehen gegen das Waffengesetz verantworten. Andreas Baumann dazu: «Der Mann besass die Tatwaffe schon seit längerer Zeit illegal.» Er habe mit dem illegalen Erwerb, dem Besitz und dem Tragen der Waffe mehrfach gegen das Waffengesetz verstossen.

Voll schuldfähig

Im Rahmen der Strafuntersuchung zog die St. Galler Staatsanwaltschaft mehrere Zeugen, die Fachdienste der Kantonspolizei St. Gallen sowie Experten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen bei. Zudem konnte sie sich auf die Aussagen des grundsätzlich geständigen Beschuldigten stützen, der mehrfach befragt wurde. Zur Überprüfung der Schuldfähigkeit wurde im Weiteren ein Psychiater mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Der laut der Staatsanwaltschaft voll schuldfähige Mann befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug, den er direkt nach der Untersuchungshaft antrat.