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RHEINTAL: Kaspar zieht für Feministin blank

Stars tun es für den «Playboy», der Rheintaler Kaspar Schiesser für das Start-up «Guys on Tops»: Er posiert fast nackt auf einem Shirt. Den Macherinnen geht es damit auch um Gleichberechtigung.
Seraina Hess
Im bürgerlichen Leben heisst er Kaspar Schiesser, im Online-Shop von «Guys on Tops» nennt man ihn den «Banana-Orange-Guy». (Bild: Stephan Huwyler/PD)

Im bürgerlichen Leben heisst er Kaspar Schiesser, im Online-Shop von «Guys on Tops» nennt man ihn den «Banana-Orange-Guy». (Bild: Stephan Huwyler/PD)

Seraina Hess

ostschweiz@tagblatt.ch

Modeketten wie H&M haben sie eine Zeit lang zuhauf angeboten, die Printshirts mit blonden oder brünetten Schönheiten, volle Lippen, grosser Busen, leicht bis kaum bekleidet. Getragen wurde und wird diese Kleidung sowohl von Männern als auch von Frauen. Der Winterthurerin Laura Schneider gefiel der Modetrend mit Porträts auf T-Shirts zwar, doch sie vermisste die Ausgeglichenheit. Nach schönen Männern auf weissem Stoff suchte sie selbst in den Weiten des Internets vergeblich. Es war die Geburtsstunde ihres Start-ups, das sie heute dank Crowdfunding mit Geschäftspartnerin Carol Rothenfluh in Winterthur führt – und mit jedem verkauften Shirt auch gleich noch fünf Franken an eine Organisation gegen weibliche Genitalverstümmelung spendet.

Inzwischen sind Medien auf die Idee der 30-jährigen PR-Fachfrau aufmerksam geworden. Die Resonanz: Schneiders Idee wird als löblich, sie selbst als Feministin bezeichnet. Was sagt die Jungunternehmerin dazu? «Gleichstellung ist etwas Gutes, für mich ist das ein Kompliment. Ich sehe das Ganze nicht zu verbissen, sondern mit einem Augenzwinkern: Das Shirt ist ein cooles Accessoire und fördert gleichzeitig den Dialog.»

«Tutti frutti» heisst die Kollektion

Die Männer auf den Fairtrade-Shirts haben Schneider und Rothenfluh selbst gecastet, das Shooting selbst organisiert. Erste Shirts mit ausgewählten Motiven sind inzwischen in ihrem Webshop vorhanden. Sie entstammen drei verschiedenen Kollektionen. In jener, die nach trashiger Privatfernseh-Show aus den 1990er-Jahren klingt – «Tutti frutti» – ist ein Rheintaler vertreten: Im bürgerlichen Leben bekannt als Kaspar Schiesser (26), Product Manager bei einem Widnauer Textilunternehmen, im Webshop kurz «Banana-Orange-Guy» genannt, nach den Accessoires, die er auf dem Bild bei sich trägt. Der Balgacher ist zwar kein unbeschriebenes Blatt, was Model-Jobs angeht, stand er doch bereits für Update Fitness, Rhomberg, Carpasus oder für die Standortmarketing-Kampagne von Rheintal.com vor der Kamera. Doch sich nackt auf T-Shirts verewigen lassen – das ist auch für Schiesser ungewöhnlich. «Ich muss gestehen: Ganz nackt war ich natürlich nicht. Und ich hätte auch nicht für jeden Auftraggeber so posiert.» Da er aber selbst in der Modebranche tätig ist und die Idee gut findet, war er dabei.

Und wie verkauft er sich denn nun, der «Banana-Orange-Guy»? «Das kann ich noch nicht sagen, da der Onlineshop eben erst geöffnet hat. Allerdings ist Kaspar derzeit mein Lieblings-Shirt-Motiv, wenn ich denn nicht gerade ein Sommerkleid trage», sagt Laura Schneider.

«Männlich, trainiert – aber kein Schönling»

Die 30-Jährige hat den Balgacher nicht über seine Agentur verpflichtet, sondern über einen Freund kennen gelernt. «Er überzeugte mich schon anhand seines Facebook-Profilbildes», sagt Schneider, «er hat eine tolle Ausstrahlung, ist männlich, trainiert, aber kein typischer Schönling. Und er ist blond, also ein guter Kontrast zu unseren übrigen Models.»

Wichtig war jeweils auch, dass sich die Männer mit der Idee hinter dem Projekt identifizieren konnten. Ist Kaspar Schiesser also selbst Feminist? «Nein, mit dem gesellschaftspolitischen Hintergrund habe ich mich nicht befasst», gibt Schiesser zu. Übrigens: Bis jetzt hat der Balgacher noch keine Frau getroffen, die ein T-Shirt mit seinem Bild getragen hat. «Das fände ich aber ziemlich witzig.»

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