Rheintal erhält grösstes Gefängnis

Der Kanton St. Gallen verfügt künftig über 182 Gefängnisplätze – 126 davon in Altstätten. Das Regionalgefängnis im Rheintal wird massiv erweitert. Das letzte Wort haben 2018 die St. Galler Stimmberechtigten.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Das heutige Regionalgefängnis in Altstätten bietet Platz für 45 Gefangene. (Bild: Urs Bucher)

Das heutige Regionalgefängnis in Altstätten bietet Platz für 45 Gefangene. (Bild: Urs Bucher)

ALTSTÄTTEN. Heute betreibt der Kanton St. Gallen acht Gefängnisse mit insgesamt 140 Plätzen. Dieses Platzangebot ist knapp; zeitweilig wird es eng. Eine durchschnittliche Belegung der Gefängnisse zu 75 bis 80 Prozent wäre langfristig ideal – um reagieren zu können, wenn kurzfristig Haftplätze benötigt werden. Davon ist der Kanton heute weit entfernt; er braucht dringend mehr Gefängnisplätze – die Entwicklung der Häftlingszahlen zeigt nach oben und für die ausländerrechtliche Haft (Ausweisungen) wird mehr Platz benötigt. Hinzu kommen höhere Anforderungen an die Unterbringung und Betreuung der inhaftierten Personen.

Der Kanton organisiert deshalb seine Gefängnisse komplett neu und konzentriert die Haftplätze auf wenige Standorte – nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen und betrieblichen Gründen.

In einem ersten Schritt wird nun das Regionalgefängnis in Altstätten ausgebaut. Es bietet heute 45 Plätze; künftig werden es 126 sein. Im Gegenzug werden die vier kleineren Gefängnisse in Bazenheid, Flums, Gossau und Widnau aufgehoben; jene in St. Gallen und Uznach werden weiter betrieben.

Deutsche Architekten als Sieger

Im vergangenen Mai schrieb der Kanton einen öffentlichen Architekturwettbewerb für die Erweiterung des Gefängnisses in Altstätten aus; 29 Architekturbüros nahmen daran teil. Sie mussten eine Lösung präsentieren, wie das bestehende Gefängnis und das angegliederte Untersuchungsamt räumlich und betrieblich sinnvoll ausgebaut werden können. Gewonnen hat Wulf Architekten GmbH aus Stuttgart mit ihrem Projekt «Hof und Höfe».

Anonym durchgeführt

Der Wettbewerb sei anonym durchgeführt worden, heisst es beim Kanton auf die Frage, ob keine guten Ideen von Schweizer Architekturbüros eingereicht worden seien. Das Projekt der deutschen Architekten habe mit seinem gut strukturierten, zweigeschossigen Erweiterungsbau überzeugt. Dort sind im Erdgeschoss die Verwaltung, der Werkbereich und die Betriebsräume, im Obergeschoss die Räume für den Einzel- und Gruppenvollzug. Das Untersuchungsamt ist im bestehenden Gebäude neu auf zwei Etagen untergebracht.

80 Millionen Franken

Bis Mitte 2017 wird nun das konkrete Bauprojekt ausgearbeitet. 2018 soll es zuerst dem Kantonsparlament und dann dem St. Galler Stimmvolk vorgelegt werden. Der Baubeginn ist für 2019 geplant; es wird mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren gerechnet.

Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 80 Millionen Franken; der Bund beteiligt sich mit 20 Millionen.

In Altstätten baut nicht nur der Kanton das grösste Gefängnis der Region. Auch der Bund hat Bauabsichten in der Rheintaler Gemeinde; er plant auf einem Nachbargrundstück des Gefängnisses ein neues Empfangs- und Verfahrenszentrum. Bereits heute gibt es in Altstätten ein nationales Asylzentrum; 200 Flüchtlinge werden in einem Wohnquartier untergebracht und betreut. Das neue Bundeszentrum kommt weit entfernt vom Städtchen ausserhalb des Siedlungsgebiets zu liegen. Die Kapazität wird fast verdoppelt.

Die eingereichten Projekte sind ausgestellt: vom 27. Januar bis 6. Februar in der Hauptpost in St. Gallen; vom 25. bis 27. Februar im Rathaus Altstätten.

Aktuelle Nachrichten