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Erbitterter Streit um zwei Bernhardiner in Rheineck

In Rheineck tobt eine Auseinandersetzung um zwei Bernhardiner. Die Stadt hat die Tiere beschlagnahmt, ihnen droht die Einschläferung – die Halterin ist am Boden zerstört.
Daniel Walt
Michael (links) und Samuel, die beiden Bernhardiner von Daaniel Pauly. (Bild: pd)

Michael (links) und Samuel, die beiden Bernhardiner von Daaniel Pauly. (Bild: pd)

«Wenn eine Behörde in einem solchen Fall nicht einschreitet, hat sie versagt.» Das sagt Hans Pfäffli, Stadtpräsident von Rheineck. Er steht derzeit im Kreuzfeuer von Vorwürfen einer Hundehalterin, die befürchtet, dass ihre beiden Lieblinge eingeschläfert werden.

Hund beisst Seniorin in den Arm

Was ist passiert? Wie oft in solchen Fällen gehen die Wahrnehmungen der Parteien teilweise erheblich auseinander. Fakt ist: Michael und Samuel, die beiden eineinhalbjährigen Bernhardinerhunde der 46-jährigen Daaniel Pauly aus Düsseldorf, dürfen sich nicht mehr in Rheineck beziehungsweise im Kanton St.Gallen aufhalten. Dies, nachdem die Stadt im vergangenen Frühjahr eine entsprechende Verfügung erlassen hatte.

Pauly lebte zu jenem Zeitpunkt nach eigenem Bekunden zwar schon seit Jahren in Deutschland – angemeldet war sie aber immer noch bei ihrer in Rheineck wohnhaften Mutter. «Als ich im März bei meiner Mutter zu Besuch war, entwischten die Hunde aus dem Grundstück», blickt Daaniel Pauly zurück. Eine Seniorin sprach die Tiere in der Nachbarschaft daraufhin an – und wurde von Michael unter nicht völlig geklärten Umständen in den Arm gebissen. «Der Hund war wohl irgendwie irritiert», sagt die Halterin zum Vorfall.

Stadt Rheineck erliess Verfügung

In der Folge wurden die Tiere ein erstes Mal beschlagnahmt und in einem Heim untergebracht. Stadtpräsident Hans Pfäffli: «Zu jenem Zeitpunkt war bei uns die Mutter als die Halterin der Tiere eingetragen. Wir wollten die Hunde eigentlich schon damals einem Wesenstest unterziehen.» Dazu kam es aber nicht. Der Grund: Daaniel Pauly gab der Stadt zu Protokoll, die Hunde lebten ohnehin bei ihr in Deutschland, und sie melde sich jetzt aus Rheineck ab. Sie erhielt die beiden Bernhardiner daraufhin zurück – inklusive einer Verfügung. Darin steht, dass die Tiere «ohne Aufschub wieder weggenommen beziehungsweise beschlagnahmt» werden, wenn sie wieder in der Schweiz beziehungsweise im Kanton St.Gallen auftauchen.

Stadtpräsident Pfäffli:

«Wir sagten der Frau klar, dass sie die Hunde auch nicht mitnehmen kann, wenn sie ihre Mutter in Rheineck besuchen möchte.»

Hans Pfäffli, Stadtpräsident von Rheineck. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hans Pfäffli, Stadtpräsident von Rheineck. (Bild: Hanspeter Schiess)

Trotzdem sei es in der Folge zu mindestens zwei weiteren Beissvorfällen gekommen, die auch aktenkundig seien, wobei unklar sei, ob immer derselbe Hund zugebissen habe. Der Kantonspolizei ihrerseits ist der Vorfall vom März bekannt – hier wurde laut Medienchef Hanspeter Krüsi Anzeige erstattet. Zudem sei im September ein Beissvorfall zwischen einem der Tiere und einem anderen Hund gemeldet worden.

Die verhängnisvolle Nacht

Vergangene Woche feierten Mutter und Tochter Pauly den Geburtstag von Daaniel Pauly in einer Ferienwohnung im Tirol. In der Folge wollte Daaniel Pauly vor der Rückfahrt nach Düsseldorf bei ihrer Mutter in Rheineck noch ein Dokument holen. «Ich war nach der langen Fahrt aber so müde, dass wir beschlossen, vor Ort zu übernachten», sagt Daaniel Pauly.

Mit dabei waren auch die beiden Hunde. Nachbarn hätten die Tiere dann entdeckt und die Polizei alarmiert, berichtet die Halterin. Am frühen Dienstagmorgen kamen Beamte vor Ort und beschlagnahmten Michael und Samuel. Am Abend sei ihr dann auf dem Posten eröffnet worden, dass die Tiere nun vom Veterinäramt untersucht werden sollten, berichtet Daaniel Pauly. Wenn sich die Hunde als aggressiv erwiesen, würden sie eingeschläfert, ansonsten blieben sie zumindest vorläufig im Tierheim, habe es geheissen.

«Was hätte ich denn tun sollen?»

«Ich bin komplett am Boden, habe seit Dienstagmorgen nichts mehr gegessen», sagt Daaniel Pauly. Auf die Frage, ob sie sich nicht vorwerfen lassen müsse, die Hunde widerrechtlich eben doch wieder nach Rheineck gebracht zu haben, geht sie nicht konkret ein. Sie stellt einzig die Gegenfrage, was sie denn hätte tun sollen – nach Düsseldorf weiterfahren und völlig übermüdet einen Unfall riskieren? Für Daaniel Pauly steht eins fest:

«Ohne meine Hunde will ich nicht mehr leben.»

Sie werde sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für ihre Tiere wehren.

Hans Pfäffli seinerseits bestätigt, dass die Stadt Rheineck das kantonale Veterinäramt mittlerweile gebeten hat, die beiden Hunde einem Wesenstest zu unterziehen. Er gehe davon aus, dass das Einschläfern der Tiere verfügt werde, wenn sie sich als gefährlich herausstellten. «Sollte herauskommen, dass ein Hund ungefährlich ist, wären wir gesetzlich dazu verpflichtet, die entsprechenden Massnahmen für dieses Tier aufzuheben», so Pfäffli.

Er betont abschliessend, er sei ebenfalls Hundebesitzer und habe sein Tier gern. «Wenn mein Hund aber jemanden beisst, lasse ich zumindest abklären, was mit ihm nicht stimmt, und schläfere ihn im schlimmsten Fall ein.»

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