Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Szene-Restaurant ist schon wieder geschlossen: 500 Bratwürste
aus St.Gallen suchen in London dringend Abnehmer

Die Olma-Bratwurst war der ganze Stolz des neuen Szene-Restaurants X-Upper in London. Seit Samstag ist es geschlossen. Und damit bleibt die Frage: Wohin mit den 500 übrig gebliebenen Würsten?
Anna Miller
Mit lila Senf und Rotkraut: So kam die Olma-Bratwurst in London auf den Teller. (Bild: pd)

Mit lila Senf und Rotkraut: So kam die Olma-Bratwurst in London auf den Teller.
(Bild: pd)

Über 1000 Olma-Bratwürste hatten es Anfang Jahr über die Landesgrenzen geschafft, in die hippe Weltstadt London. Sie waren Herzstück eines neuen Gastronomie-Konzepts: Wurstspezialitäten aus aller Welt, und nur die beste Qualität. Im Stadtteil Islington hatten die Betreiber des neuen Wurst-Restaurants X-Upper die Olma-Bratwurst prominent auf die Karte genommen. «The Swiss Olma» wurde mit lila Senf, Rotkohl und Sauerteigbrot serviert und kostete umgerechnet etwas mehr als zwölf Franken.

Der Metzgermeister wollte seine Wurst besuchen

Doch nun musste das Restaurant nach rund einem Monat bereits wieder seine Türen schliessen. Auf Facebook verkündete das Restaurant Ende April, man sei hinter den Erwartungen der Investoren zurückgeblieben. Am vergangenen Samstag wurde auch die Olma-Bratwurst zum letzten Mal aufgetischt. Mit dabei: ausgerechnet Metzgermeister Jörg Bechinger aus St. Gallen.

«Es war schon länger geplant, dem Restaurant und unserer Wurst einen Besuch abzustatten», sagt Bechinger übers Telefon aus London. Dass er dabei gleichzeitig am letzten Bratwurst-Mahl teilnehmen würde, überraschte ihn. «Es ist wirklich schade. Wir hatten eine solche Freude, die Würste endlich liefern zu dürfen, und wir hatten uns natürlich auch auf eine längere Zusammenarbeit eingestellt.»

Auf das Geschäftsergebnis wirke sich das nun nicht aus. Bechinger sagt:

«Aber es war halt trotzdem toll,
seine Wurst in London zu sehen.»

Die Besitzerin und Gründerin des «X-Upper», Mariam French, hatte von Anfang an eine emotionale Beziehung zur Olma-Bratwurst, wie sie im März noch gegenüber unserer Zeitung sagte. «Dieses Produkt ist so einzigartig, so speziell.» Allein der Fakt, dass St. Gallerinnen und St. Galler «ihrer» Wurst einen derart grossen Respekt entgegenbringen und richtig stolz darauf seien, sei einer der Gründe, warum die Olma-Wurst dringend ins Sortiment gehöre, meinte die 33-Jährige damals.

Im Sortiment des «X-Upper» wird sich die Olma nun nicht mehr finden, im Kühlschrank von nach England ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizern hingegen schon. Zumindest, wenn man sich die neusten Bewegungen auf Facebook ansieht. Der Chefkoch des «X-Upper», Henrik Trier Christensen, hatte dort am 4. Mai einen Olma-Verkaufs-Aufruf gestartet auch in der Gruppe «Swiss in London & the UK».

Für den grossen Hunger: 125 Bratwürste

Sein Angebot: 500 Bratwürste zu einem Stückpreis von 2.50 britischen Pfund, umgerechnet 3.35 Franken. Zu kaufen in Kisten a 125 Stück, fachgerecht tiefgefroren und gelagert, haltbar bis November. Innerhalb von ein paar Stunden meldeten sich zahlreiche Schweizer Expats zu Wort, die Bratwürste kaufen wollten. Aber 125 Stück auf einmal? Für kaum einen Nicht-Gastronomen zu stemmen.

Jede Bratwurst zählt

Der Wahl-Londoner Christoph Burgdorfer übernahm die Initiative und erstellte eine Online-Liste, in welcher interessierte Wurst-Abnehmer ihre Bestellung aufgeben können – unter dem Motto «Every Bratwurst counts!» - jede Bratwurst zählt. Dass sich genug Leute in London finden, die ein paar Olma-Würste wollen, daran hat der Berner keine Zweifel. «Ich bin zuversichtlich, dass wir die Würste retten können.» Nur die Logistik muss noch geklärt werden. Denn die Würste sind derzeit in einem Kühlhaus in Middlesex, ihre Verteilung auf Dutzende Haushalte wird nicht ganz einfach.

Doch noch ein gutes Ende für die Wurst?

Doch klappt es, habe die Rettungsaktion für alle nur Positives, sagt Burgdorfer. «Das Restaurant wird die Würste los, wir können das Wegwerfen von Lebensmitteln verhindern – und die Expat-Schweizerinnen und -Schweizer haben Freude. Denn die Olma-Bratwurst nach London bringen, das ist normalerweise gar nicht so einfach.» Es zeigt sich wieder einmal: Alles hat eben ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.