Kolumne

ResTZucker: Vorträge sind voll im Trend

Beim analogen Vortragen kann der Referent wenigstens an den Gesichtern erkennen, ob seine Botschaft tatsächlich angekommen ist.

David Angst
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David Angst

David Angst

Bild: Ralph Ribi

Landauf, landab werden immer noch Vorträge gehalten. In Zeiten von Youtube etc. eine aussterbende Kommunikationsform, würde man meinen. Aber weit gefehlt. Je weiter es mit dem Hör- und Leseverständnis unserer Pisa-Jugend abwärts geht, desto wertvoller wird der Vortrag.

Beim analogen Frontalunterricht kann der Referent wenigstens in den Gesichtern der Zuhörer erkennen, ob sie den Inhalt verstanden haben. Auf Youtube fehlt diese Möglichkeit. Auch beim gesprochenen Wort gibt es ja noch genug Missverständnisse. Das sieht man in der Thurgauer Politik, wo gewisse Leute seit Jahren aneinander vorbeireden, wenn es um die Zukunft des Kunstmuseums geht.

Weil das Verständnis der Zuhörer gegen Null strebt, werden die Vorträge zunehmend an Deutlichkeit gewinnen. Da kann man literarische Umschreibungen oder metaphorische Stilblüten gleich vergessen. Die Message muss in Zukunft fadengerade herüberkommen. Eine Trendsetterin auf diesem Gebiet ist Jessica Jurassica, eine Appenzellerin, die unter diesem Kunstnamen heute Abend im Frauenfelder Kaff vorträgt. Ihre Sprache ist so deftig, dass sie nur maskiert auftritt.

Dazwischen erhalten sich hoffentlich noch Nischenveranstaltungen, zum Beispiel der Science Slam im Agroscope Tänikon. Beim Science Slam präsentieren Wissenschaftler ihre Forschungsthemen in unterhaltsamer Manier. Solches kann man sich übrigens auch auf Youtube ansehen. Aber dort kann man nicht klatschen, wenn man bis zum Schluss mitgekommen ist.