ResTZucker: Nix Deutsch - nix Rechnen

Rechnen ist eine Kunst. Die aber erst zum Zug kommt, wenn man die Aufgabe überhaupt lesen kann.

David Angst
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David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

Ralph Ribi

«Ohne Sprache läuft auch in der Mathe nichts.» Diese Nachricht ist Balsam für alle geschundenen Phil.-Einer-Seelen. Sie entkräftet nämlich das Klischee, dass man, um an der ETH zu studieren, nur gut genug rechnen können müsse. Nein, man muss dafür auch Deutsch können. So reicht es gemäss neuem Lehrplan nicht, dass man den Wasserkreislauf bloss «kennt». Man muss ihn auch beschreiben können.

Und um eine Rechnungsaufgabe lösen zu können, muss man sie natürlich zuerst verstehen. Dazu ein paar einfache aus dem Leben gegriffene Beispiele. In Rothenhausen haben 166 Einwohner eine Petition unterschrieben, damit das Postauto wieder morgens um 06.16 Uhr bei ihnen hält. Rothenhausen hat insgesamt 400 Einwohner. Frage: Wie viele von ihnen liegen noch im Bett, wenn die anderen 166 frühmorgens um 06.16 Uhr ins Postauto einsteigen? (Gemeindepräsident Ruedi Zbinden war ja schon überrascht, dass in Rothenhausen 166 Frühaufsteher wohnen.)

Ein Beispiel aus dem Oberthurgau. Die Gemeinde Egnach besteht hauptsächlich aus Wiesen und Weilern. Total 32,5 Hektaren gehören zur Weilerzone. 43 Prozent davon will das kantonale Baudepartement nun in Landwirtschaftszone umwandeln. Wie viele Saunen könnte man auf der umgewandelten Fläche bauen, wenn eine Sauna eine Grundfläche von 16 Quadratmetern benötigt?

Für alle, die das geschafft haben, hier noch eine Zusatzaufgabe: Bauer Tobler in der Gemeinde Egnach hat zwei Ställe. Im einen hält er acht Schafe, in anderen möchte er einen Whirlpool bauen. Welches ist für den Bauern Tobler die grössere Gefahr: der Wolf oder Regierungsrätin Carmen Haag?