Glosse
ResTZucker: IKRK in Arbon

Der Kampf gegen das Coronavirus ist ein Tanz auf dem Vulkan. Auf der einen Seite müssen wir seine Verbreitung stoppen, auf der anderen Seite verhindern, dass die Wirtschaft zusammenbricht.

David Angst
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David Angst.

David Angst.

Ralph Ribi

In einigen Kantonen steckt man in einer zusätzlichen Zwickmühle. In St. Gallen und dem Tessin muss man entscheiden, wie man die Maskentragpflicht mit dem geltenden Vermummungsverbot in Einklang bringen kann. Für Bankräuber und Burkaträgerinnen gilt: Sobald sie mehr als 1,5 Meter Abstand von anderen Personen haben: Maske ab.

Dass man in den Beizen eine Maske tragen muss, daran gewöhnt man sich. Es hat auch Vorteile. Es muss einen ja nicht gerade jeder erkennen, wenn man den Husten hat und abends trotzdem noch ein Feierabendbier trinken will, jetzt, wo es ohnehin verpönt ist, unter die Leute zu gehen.

Für die meisten Wirte muss man ja nun das Schlimmste befürchten. Einer von ihnen fürchtet jedoch weder Teufel noch Lockdown. Er droht sogar damit, ihn freiwillig zu vollziehen. Es handelt sich um den Wirt des Roten Kreuzes in Arbon, der sich wegen seiner Pergolen mit der Stadt und dem Heimatschutz verkracht hat. Der Name IKRK bekommt in Arbon eine neue Bedeutung: «Irre Komödie ums Rote Kreuz.»

Dass das Hotel gleich heisst wie Henry Dunants Friedensprojekt, ist allerdings reiner Zufall. Dunant wurde inspiriert durch die barmherzigen Samariterinnen von Solferino, welche nach der Schlacht die Verwundeten beider Lager pflegten und dabei immer wieder «Tutti fratelli» riefen. Der Wirt des Roten Kreuzes scheint in Arbon keine «fratelli» mehr zu haben, und von einem Friedensprojekt kann man in seinem Fall schon längst nicht mehr reden. Ob es ihm dann in Kreuzlingen besser geht, bleibe dahingestellt.