Kolumne

ResTZucker: Das Recht auf eigene Facts

Wer seine eigenen Fakten verzapft, kann es bis zum Präsidenten bringen.

David Angst
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David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung

Nach dem Nationalfeiertag wissen wir wieder, wodurch sich die Schweiz von allen anderen Ländern der Welt unterscheidet. Henriette Engbersen hat es in Romanshorn auf den Punkt gebracht: Wenn in der Schweiz ein WC defekt ist, kommt ein Sanitärinstallateur. In England weiss man nach dem dritten Versuch immer noch nicht, was er von Beruf ist. Engbersen kann jetzt nur hoffen, dass das mit dem Brexit nun endlich klappt – dann werden sicher auch die britischen Handwerker besser.

Der neue Berger Gemeindepräsident Thomas Bitschnau glaubt, das höchste Gut der Schweiz sei die Freiheit, seine Meinung sagen zu dürfen, ohne verhaftet zu werden. Bitschnau sollte trotzdem etwas aufpassen. Erst recht als Gemeindepräsident. Verhaftet wird er zwar kaum, wenn er seine Meinung sagt. Aber vielleicht abgewählt.

Ausserdem haben uns andere westliche Demokratien in Sachen «freie Meinungsäusserung» längst übertrumpft. Dort kann man nicht nur ungestraft seine Meinung sagen, sondern sogar seine eigenen Fakten verzapfen. In einzelnen Ländern kann man es damit bis zum Präsidenten bringen.

Soweit sind wir in der Schweiz noch nicht. Aber auf dem besten Weg dazu. Immerhin kann man als Redner an einer Bundesfeier verkünden, die alten Eidgenossen hätten Napoleon vertrieben (Hausi Leutenegger). In Zeiten, in denen der Geschichtsunterricht ohnehin ein Auslaufmodell ist, sollte man sich darüber nicht zu sehr aufregen. Und wer weiss: Vielleicht hat Hausi damit seine Kandidatur als Bundespräsident vorbereitet.