«Zur Sache»
OASG-Festivaldirektor Christof Huber: «Wir müssen davon ausgehen, dass irgendwo eine Band oder ein Gepäckstück stecken bleibt»

Am Mittwochabend war Christof Huber, Festivaldirektor des Open Air St.Gallen, bei TVO zu Gast. In der Talksendung «Zur Sache» sagte er, weshalb ihn die Absage von Sam Fender ärgert, wie das Open Air durch die Pandemie gekommen ist und auf welche Acts er sich besonders freut.

Stefan Marolf
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OASG-Festivaldirektor Christof Huber stellt sich den Fragen von TVO-Chefredaktor Dumeni Casaulta.

OASG-Festivaldirektor Christof Huber stellt sich den Fragen von TVO-Chefredaktor Dumeni Casaulta.

Bild: Donato Caspari

Am Donnerstagabend hätte der britische Sänger Sam Fender die 44. Ausgabe des Open Air St.Gallen auf der Sternenbühne eröffnen sollen. Am Tag vor seinem Auftritt wird klar: Er fällt krankheitsbedingt aus. Christof Huber lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Der OASG-Festivaldirektor mit drei Jahrzehnten Erfahrung hat innert Stunden einen Ersatz aufgetrieben.

Im TVO-Talk «Zur Sache» sagt er: «Die Absage ist ärgerlich, ich bin grosser Fan und wir haben Sam Fender schon 2020 gebucht.» Zeit, sich zu ärgern, hatte Huber nicht. «Wir haben sofort das ganze Netzwerk angezapft und versucht, eine Lösung zu finden.» Sie heisst: Schmyt. Über den deutschen Rapper sagt Huber:

«Wir wollten ihn sowieso haben. Er ist ein guter Ersatz.»

Video: TVO

Die Absagen-Angst bleibt

Für Huber und sein Team ist es damit nicht ausgestanden. Wegen der Probleme im Flugverkehr sagt der Festivaldirektor: «Wir müssen davon ausgehen, dass irgendwo eine Band oder ein Gepäckstück stecken bleibt.» Immerhin hätte Huber jetzt, dank der Absage von Sam Fender, Back-ups in der Hinterhand: «Es haben sich ein paar Bands verfügbar gemeldet.»

Nicht nur wegen der Angst vor Absagen, sondern auch wegen der zwei Jahre ohne Open Air ist von Huber Flexibilität gefragt. Das Gelände wartet mit einigen Änderungen auf, das Festival ist seit März abgesehen von Eintagespässen für den Sonntag ausverkauft. Huber sagt: «Wir haben die Pflicht, eine gute Leistung zu bringen.»

Die grosse Ticketnachfrage erhöht zwar den Druck auf die Veranstalter – gleichzeitig sei der Erfolg aber auch eine Chance. Die Pandemiejahre hätten ein mehrere hunderttausend Franken tiefes Loch in die Open-Air-Kasse gerissen, sagt Huber. Mit der 44. Ausgabe könnte dieses Loch zumindest zu einem Teil wieder gefüllt werden.

Vertrauensbeweis ans Sittertobel

Dass «sein» Festival nach langem Unterbruch wieder ausverkauft ist, sieht Huber auch als Vertrauensbeweis: «Es zeigt, wie wichtig das Open Air für die Region ist.» Für manche offenbar so wichtig, dass sie schon zwei Tage vor Beginn ihr Lager vor dem Eingang aufschlagen. Obwohl sich die Fans direkt an der Rechenwaldstrasse – «das ist unsere Hauptlogistikachse» – aufhalten, hat Huber für sie Verständnis. Und:

«Selbst wenn sie schon am Montag da wären, würde sie niemand wegschicken.»

In den letzten Tagen vor dem Festival werde so intensiv gearbeitet, dass gar niemand Zeit dafür hätte. «Es gibt da und dort Probleme, wir machen das Gelände fertig und wir diskutieren immer noch mit Künstlerinnen und Künstlern», sagt Huber, der sich trotz der Anspannung «extrem» freut. Am meisten offenbar auf Muse und auf Joy Crookes, für die er die Messlatte hoch ansetzt: «Wer Amy Winehouse gut findet, wird auch sie für sich entdecken.»