Wintersport
«Das Risiko für Ansteckungen ist viel zu hoch»: Erste Ostschweizer Schulen sagen die Skilager ab

Schülerinnen und Schüler mehrerer Ostschweizer Gemeinden müssen auf ein Skilager verzichten – zum zweiten Mal in Folge. Viele Schulen folgen der Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit und sagen das Pistenvergnügen ab.

Chiara Gerster und Aylin Erol
Drucken
In der Ostschweiz sagen erste Schulen die Skilager ab.

In der Ostschweiz sagen erste Schulen die Skilager ab.

Bild: Michel Canonica (Dezember 2020)

Viele Ostschweizer Schülerinnen und Schüler müssen zwei Jahre in Folge aufs Skilager verzichten. Vergangenes Jahr hatte der Bund die Skilager verboten und auch dieses Jahr empfiehlt das BAG, die Skilager für den Januar abzusagen. Während man im Thurgau noch zögerlich ist, beginnen erste St.Galler Schulen die Skilager abzusagen.

Darunter Rapperswil-Jona. 13 der 14 Skilager, die im Januar geplant waren, wurden abgesagt. Auch wenn es für die Kinder schade sei, sei eine Durchführung im Januar nicht vertretbar, sagt Schulpräsident Luca Eberle. «Zudem gibt es im Moment viele Planungsunsicherheiten, darunter Ausfälle bei den Lehrpersonen.» Einzig mit zwei fünften Klassen, deren Lager bereits vollständig geplant war, wurde diese Woche ein Skilager durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler seien zuvor zweimal getestet worden und tragen in allen Innenräumen Masken – ausser beim Essen und Schlafen. Für die Lager im Februar und später ist der Entscheid noch offen.

Marion Harzenmoser, Schulratspräsidentin Uzwil.

Marion Harzenmoser, Schulratspräsidentin Uzwil.

Bild: Tobias Garcia

Auch die Uzwiler Schulkinder werden dieses Jahr nicht ins Skilager fahren. «Schweren Herzens haben wir entschieden, auf das Lager zu verzichten», sagt die Schulratspräsidentin Marion Harzenmoser. Mit der Absage habe die Schule nach den Empfehlungen des BAG gehandelt: «Im Moment ist uns das Risiko von Ansteckungen im Lager viel zu hoch.» Denn für das Lager Anfang Februar seien 320 Jugendliche angemeldet und die Unterkünfte seien fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein alternatives Programm im kommenden halben Jahr sei noch in Planung.

In der Stadt St.Gallen bleibt nur die Flade zu Hause

Martin Annen, Leiter der St.Galler Dienststelle für Schule und Musik.

Martin Annen, Leiter der St.Galler Dienststelle für Schule und Musik.

Bild: Benjamin Manser

Die Stadt St.Gallen hält weiterhin grundsätzlich an der Durchführung der Skilager fest. Ein Teil der Skilager findet bereits im Januar statt – einige in der dritten Kalenderwoche, mehrere in der vierten. Martin Annen, Leiter für Schule und Musik, sagt:

«Aktuell versuchen wir, so viele Lager wie möglich durchzuführen.»

Zum Lagerbeginn am Montag finden jeweils Klassentestungen statt und während des Lagers gelten die Schutzkonzepte des Lagerortes und des öffentlichen Verkehrs. «Wenn besondere Gründe vorliegen, kann es sein, dass Lager verschoben oder abgesagt werden.» Das Lagererlebnis sei für viele Schülerinnen und Schüler sozial und emotional ein unvergesslicher Höhepunkt, sagt Annen: «Wir finden es wichtig, dass die Winterlager stattfinden können.» Falls in einem Lager ein Coronafall auftritt, würde die Person sofort isoliert werden und in Absprache mit den Eltern nach Hause zurückkehren. Wenn gar mehrere positive Fälle in einem Lager auftauchen, würden alle Eltern entsprechend informiert.

Barbara Hächler, Schulpräsidentin der Flade.

Barbara Hächler, Schulpräsidentin der Flade.

Bild: Samuel Schalch

Anders sieht es in der St.Galler Flade aus, die unabhängig von der Stadt entscheidet. Die für den Januar geplanten Lager seien aufgrund der Empfehlungen des Bundes und auf Antrag der betroffenen Schulleitungspersonen gestrichen worden. «Ein wichtiges Ziel des Skilagers ist es, die Gemeinschaft zu pflegen», sagt Schulpräsidentin Barbara Hächler. Dies sei bei einem Lager unter diesen Umständen schwer möglich.

«Zudem ist es uns ein Anliegen, die Lehrkräfte und Kinder so gut wie möglich zu schützen.»

Als kleine Kompensation führen die betroffenen Klassen einen Sondertag durch.

Gossau handelt nach kantonalen Empfehlungen

In vielen anderen Ostschweizer Gemeinden ist immer noch unklar, ob die Skilager stattfinden werden. Insbesondere diejenigen, die erst ab Februar geplant sind.

Stefan Rindlisbacher, Schulpräsident Gossau.

Stefan Rindlisbacher, Schulpräsident Gossau.

BIld: Andrea Stalder

So wurde auch in Gossau die definitive Entscheidung noch nicht gefällt. «Wir evaluieren noch, unter welchen Bedingungen die Skilager stattfinden könnten», sagt Schulpräsident Stefan Rindlisbacher. Speziell in Gossau: Das Lager in der siebten Kalenderwoche ist freiwillig. Dadurch sei die Anzahl Anmeldungen ohnehin relativ überschaubar.

«Beim Skilager werden wir weder striktere, noch lockerere Massnahmen, als der Kanton empfiehlt, umsetzen», sagt Rindlisbacher. «Das ist wichtig für die Kommunikation mit den Eltern.» So sehe es momentan noch danach aus, dass das Gossauer Skilager durchgeführt wird. Damit eine Planung überhaupt möglich ist, sind die Lehrpersonen angewiesen, Corona im Moment noch aussen vor zu lassen. Rindlisbacher hofft, dass ein Skilager möglich wird:

«Unsere Schülerinnen und Schüler mussten bereits auf so vieles verzichten.»

In erster Linie sei es allerdings wichtig, dass alle gesund bleiben. Bis in zwei Wochen soll in Gossau entschieden sein, ob die Schulkinder dieses Jahr ins Skilager fahren können.

Marco Knechtle, Rektor Gymnasium St.Antonius Appenzell.

Marco Knechtle, Rektor Gymnasium St.Antonius Appenzell.

Bild: PD

Ähnlich sieht die Lage im Appenzeller Gymnasium St.Antonius aus. «Wir warten noch auf Entscheidungen des Bundes», sagt Rektor Marco Knechtle. Ob das Lager Ende Februar stattfinden wird, werde in Kürze entschieden.

Im Thurgau ist man teilweise schon mittendrin

«Wir möchten möglich machen, was möglich ist.» Das ist nicht nur das Motto des Weinfelder Schulpräsidenten Thomas Wieland, sondern der meisten Thurgauer Schulen. In seiner Schulgemeinde konnten bereits drei Klassen eines Schulhauses am Montag ins Skilager fahren. «Die Schülerinnen und Schüler mussten sich vor und nun auch während des Lagers testen lassen und glücklicherweise war kein einziges Kind bisher positiv», erzählt Wieland. In Bischofszell geht man ebenfalls davon aus, dass das Skilager am kommenden Montag durchgeführt werden kann.

In Arbon und Frauenfeld sind erst für Februar und März Lager geplant. Man ist jedoch guter Hoffnung: «Für eine Beurteilung zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, da sich die Situation sicherlich bis zu diesem Zeitpunkt wieder ändern wird. Wir gehen aber davon aus, dass sie weniger belastend sein wird als jetzt», sagt Andreas Wirth, Präsident der Schulen Frauenfeld. Einzig in Kreuzlingen mussten nun zwei Skilager abgesagt werden.

Thomas Wieland, Schulpräsident Weinfelden Märstetten.

Thomas Wieland, Schulpräsident Weinfelden Märstetten.

Bild: Andrea Stalder

Die Schullager sind gemäss dem Weinfelder Schulpräsident aus pädagogischer Sicht für die soziale Entwicklung der Kinder eine extrem wichtige Erfahrung, vor allem, weil viele Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr auf diese verzichten mussten. «Wir werden deshalb auf keinen Fall prophylaktisch Skilager absagen», sagt Wieland. Die Fallzahlen an seiner Schule seien nicht mehr so besorgniserregend wie noch vor den Weihnachtsferien:

«Ende letzten Jahres waren so viele Kinder krank, dass die Klassen womöglich mittlerweile durchseucht wurden.»

Aktuelle Nachrichten