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Hochwasser in der Sitter und Thur, Auto treibt im Binnenkanal, volle Keller im Rheintal: So trifft der Starkregen die Ostschweiz

Über der Ostschweiz gehen seit Donnerstagabend heftige Niederschläge nieder. Die St.Galler Feuerwehren hatten es seit Freitagmorgen deshalb mit rund 100 Einsätzen und 150 Meldungen zu tun. Besonders stark ist derzeit das Rheintal betroffen. Erste Strassen bei Widnau sind überflutet.

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Die Polizei versucht derzeit im Rheintal ein Fahrzeug aus dem Hochwasser zu bergen.

Die Polizei versucht derzeit im Rheintal ein Fahrzeug aus dem Hochwasser zu bergen.

Bild: FM1Today/ Leserreporter

«Wir haben bislang rund 150 Meldungen wegen des Unwetters erhalten», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, am Freitag um 15.30 Uhr zu FM1Today. «Meist ging es um Wassereinbrüche in Häuser und Garagen, ausserdem mussten sich die Feuerwehrleute um ein abgedecktes Dach kümmern.» Zwischen Amden und Weesen habe eine Strasse gesperrt werden müssen.

Verletzt wurde laut Krüsi niemand. «Fast ausnahmslos gab es Probleme im St.Galler Rheintal, vereinzelte Meldungen gingen aus dem Linthgebiet ein.» In Widnau versucht die Feuerwehr Mittelrheintal daher mit dem Abpumpen von Schächten die Quariere zu entlasten und das Vollaufen von Kellern vorzubeugen. Die Feuerwehr ist gemäss dem Rheintaler derzeit am Binnenkanal entlang der Lindenstrasse im Einsatz.

Wanderwege in Innerrhoden gesperrt – Bahnlinie unterbrochen

Auch in Innerrhoden wurden Feuerwehrleute aufgeboten, etwa um Wanderwege zu sperren, wie es auf Anfrage heisst. In Appenzell wurden vier Keller geflutet, in Schwende ist die Linie der Appenzeller Bahn gesperrt – wegen Geröll im Bahntrassee.

Sitter und Binnenkanal im Rheintal quellen über

Über die Warnapp Alertswiss wurde vermeldet, dass die Sitter zwischen Häggenschwil und Bischofszell im Kanton Thurgau Hochwasser führt. Man soll das betroffene Gebiet meiden und verlassen. Bei der Kantonspolizei Thurgau sind bislang keine Meldungen eingegangen. In Bischofszell hat die Feuerwehr das Ufer der Sitter kontrolliert. Dabei handle es sich um standardmässiges Vorgehen.

Warnzeichen auf der Karte von Altertswiss.

Warnzeichen auf der Karte von Altertswiss.

Bild: Screenshot Alertswiss

Aber nicht nur die Sitter quillt über. Auch im Oberrheintal will der Binnenkanal sein Bett verlassen. Bei Rüthi ist bereits eine Hochwasserwarnung abgesetzt worden. Daneben stehen in der Region auch erste Strassen unter Wasser. So etwa die Unterdorfstrasse, die von Widnau nach Kriessern führt. Auf Höhe Rietbrücke sammelt sich so viel Wasser, dass Fahrzeuge kaum mehr durchkommen, wie der Rheintaler berichtet. Eine Fahrspur ist bereits gesperrt.

Laut der nationalen Warnzentrale «Alertswiss» führt nun auch die Thur Hochwasser. Der Fluss sei über das Ufer getreten, warnt der Bund. Das betroffene Gebiet soll sofort verlassen und gemieden werden.

Die Goldach trägt bis zu 15 Meter lange Baumstämme in den See, welche in den Goldach Auen weggerissen wurden. Aktuell liegt die Abflussmenge des Flusses bei der Bleiche bei 29 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Das ist zwar das 20-fache des Jahresmittels, aber dennoch ist der Wert noch lange nicht so hoch wie beim Hochwasser im September 2002. Vor 20 Jahren verursachte die Goldach bei Überflutungen Schäden von über 20 Millionen Franken.

Auto geht im Binnenkanal baden

Genützt hat dies einem Autofahrer nicht mehr. «Wir haben am Freitagnachmittag die Meldung erhalten, dass ein Auto in den Binnenkanal in Widnau gefahren ist. Der Fahrzeugführer konnte das Auto gottseidank rechtzeitig verlassen», sagt Mediensprecher Krüsi. Das Auto ging komplett unter und trieb im Kanal weiter.

Feuerwehr und Polizeitaucher wurde aufgeboten. «Wir müssen jetzt schauen, wie wir dieses Auto bergen können», sagt Krüsi. Gemäss Informationen eines Leserreporters handelte es sich um eine Probefahrt, bei der der Fahrer plötzlich in den Kanal geriet.