Wandertipp
Ans Ende des Kantons St.Gallen: Wo Steinböcke in einem Wasserfall duschen

Es ist eine happige Wanderung, das gleich vorweg. Doch wer sich von St.Martin im Calfeisental aufmacht auf den Heidelpass und hinunter ins Weisstannental, wird mit einer wilden, rauen und ursprünglichen Natur beglückt.

Sandro Büchler
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27 Bilder

Bild: Sandro Büchler
(2. September 2021)

Die Wanderung im Überblick:

Start: Gigerwaldstaudamm
Ziel: Weisstannen
Strecke: 18 Kilometer
Wanderzeit: 7h
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 1500 m
Ausrüstung: gutes Schuhwerk, Fernglas.
Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Alpwirtschaft St.Martin, täglich 8–22 Uhr geöffnet; Restaurant Gemse Weisstannen, Do–Mo geöffnet.
Parkplätze: St.Martin
Öffentlicher Verkehr: Postauto von Bad Ragaz bis Gigerwald (nur Sommermonate), Haltestelle Weisstannen (Mai bis Oktober).
Kartenmaterial: Landkarte 1:25'000, Blatt: 1175 Vättis. (sab)

1 Gigerwaldstaudamm – Diese Wanderung ist fast eine Reise ans Ende der Welt – zumindest ans Ende des Kantons St.Gallen. Ich muss Sie warnen: Denn die Wanderung ist kein Sonntagsspaziergang und nur bei besten Wetterkonditionen im Sommer machbar. Denn zieht ein Gewitter auf, wird es in dieser wilden Gegend, ganz im Süden des Kantons, ungemütlich. Mit dem Postauto, das nur in den Sommermonaten verkehrt, gelangt man zum Ausgangspunkt der Wanderung: dem Staudamm Gigerwald. Mit der aufgestauten Tamina wird hier Wasserkraftstrom gewonnen.

2 St.Martin – Geradeaus geht es dem Stausee entlang bis zum Bergdorf St.Martin. Dort bietet sich ein letztes Mal die Möglichkeit, den Rucksack mit Proviant zu füllen – oder auf einen Kaffee und Nussgipfel einzukehren. Energie ist nun nötig. Denn jetzt geht aufwärts.

3 Malanseralp – Das Profil dieser Wanderung ist simpel: Es geht einmal steil nach oben und danach noch steiler wieder nach unten. Doch lohnenswert ist das allemal. Denn bereits im Calfeisental, wo am Piz Sardona die Tamina entspringt, wähnt man sich in einem anderen Land. Wären da nicht einige Alpbetriebe mit Pferden und Kühen, könnte der Talkessel auch irgendwo in Alaska sein. Die Sonne scheint angenehm auf die Malanseralp, wie der Südhang benannt ist. Nur an einigen exponierten Stellen zieht der Wind zügig an. Der Weg windet sich nach oben. Bei der Alp Obere Böden, oberhalb der Baumgrenze, zweigt der Wanderweg vom Feldweg ab.

4 Heidelpass – Nach und nach geht es hinauf bis zum Heidelpass. Doch immer wieder fällt der Blick zurück Richtung Stausee, der bald nur noch ein kleiner hellblauer Punkt ist. Majestätisch breitet sich die Landschaft mit dem Gipfelpanorama vor den Augen des Wanderers aus. Einige Bergspitzen sind vom ersten Schneefall bereits angezuckert. Vor dem letzten Anstieg zum Heidelpass passiert man einen idyllischen Bergsee. Ganz zuoberst auf dem Pass, auf 2386 Metern über Meer, blickt man auf zwei Seiten. Auf das Calfeisental und auf der anderen Seite ins Weisstannental. Man sieht zum Pizol hinüber, aber es könnte gerade so gut der Denali sein, der höchste Berg Nordamerikas. Die Bergflanken sind schroff, die Natur rau. Riesengrosse Disteln blühen.

5 Alp Valtüsch – Im Zickzack geht es zur Alp Valtüsch hinab. Hier ist ein Hirte mit rund 500 Schafen. Es ist die letzte Woche vor der Alpabfahrt. Der Südtiroler, braungebrannt, sagt, er sei als Ersatz hierher gekommen. Denn der Hirte zuvor habe nach mehreren Wolfsrissen das Handtuch geworfen und sei abgehauen. Der Südtiroler kam auf die Alp mit zwei Herdenschutzhunden, die jetzt im Nachmittagslicht die Schafe umkreisen. Seither habe der umgehende Wolf von den Schafen abgelassen. Nur zweimal habe es das Raubtier noch probiert, doch die beiden schneeweissen Pyrenäen-Berghunde hätten ihn in die Flucht geschlagen.

6 Batöni – Nun wird der Talkessel Batöni sichtbar. Vier Wasserläufe fallen über die Felsen in die Tiefe. Die untergehende Sonne reflektiert sich in den Wasserfällen – dahinter scheinbar duschende Steinböcke. Doch sie lecken Salz vom Fels. Hier zeigt sich die Pracht der Natur in all ihren Facetten.

7 Weisstannen – Von der Wasserfallarena bis ins Dorf Weisstannen ist es noch ein Stück. Kontinuierlich geht es das Tal hinunter, bis schliesslich die Häuser auftauchen. Im Restaurant kann man sich entweder stärken, oder aber man nimmt rechtzeitig das Postauto nach Mels und Sargans. Erst jetzt merkt man in den Knien, welche Höhenunterschiede man in den vergangenen sieben Stunden zurückgelegt hat. Doch die wilde Schönheit der Natur hallt nach.

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