Villa am Zürichsee
Nach vielen Einsprachen: Federer muss Uferweg durch sein Grundstück akzeptieren – ob dieser umgesetzt wird, ist jedoch fraglich

Die Chancen stehen gut, dass Roger Federer beim Bau seines Anwesens in Kempraten auch Bootshaus und Steg umsetzen darf. Dafür muss er aber akzeptieren, dass ein öffentlicher Uferweg über sein Grundstück führen könnte. Für Kantonsrat Marco Fäh, der vor einem Jahr die Umsetzung des Seewegs forderte, ist das nicht zwangsläufig ein Triumph.

FM1 Today/Luca Hochreutener
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Blick auf das rund 18'000 Quadratmeter grosse Grundstück von Tennisspieler Roger Federer.

Blick auf das rund 18'000 Quadratmeter grosse Grundstück von Tennisspieler Roger Federer.

Bild: Ennio Leanza/Keystone

Roger Federer baut sich in Kempraten am Zürichsee ein neues Heim. Die Pläne des Tennisstars beinhalten auch ein Bootshaus, einen 20 Meter langen Steg sowie eine zu grabende Fahrrinne bei der Uferzone. Seit dieser Woche sind die Pläne dafür öffentlich einsehbar, dies berichtet die «Zürichsee-Zeitung». Zuvor wurde das Bauvorhaben wegen Einsprachen vorläufig auf Eis gelegt.

Die Einsprachen sind aber nicht das einzige Problem. Der Richtplan des Kantons St.Gallen sieht nämlich seit rund 20 Jahren vor, dass die Stadt Rapperswil-Jona einen Seeuferweg von Kempraten nach Feldbach realisieren müsste. Dieser würde – wenn realisiert – auch durch das Grundstück von Roger Federer führen.

Politischer Wille fehlt

Dies war vor rund einem Jahr ein Politikum. Die St.Galler Grünen störten sich an den Bauplänen des Tennisstars und forderten in einer Mitteilung die Einhaltung des Richtplans. In einem eingereichten Vorstoss wollte Kantonsrat Marco Fäh zudem von der Regierung wissen, warum noch nichts für dessen Umsetzung unternommen wurde.

Diese verwies in ihrer Antwort auf die Stadt Rapperswil-Jona, die eigentlich für die Umsetzung eines Uferwegs verantwortlich sei. Der Kanton habe keine Möglichkeit, einen öffentlichen Seeuferweg zu verlangen. Fäh bedauerte damals, dass sich der Kanton bei der Beantwortung seiner Anfrage nicht mit der Stadt Rapperswil-Jona absprach. Viele Fragen seien nämlich offen geblieben.

Deren Stadtpräsident Martin Stöckling wiederum sagte, dass nach der Beurteilung des Stadtrats «jeglicher politischer Wille, dort einen Weg zu machen» fehle. Marco Fähs Einschätzung zur Haltung der Gemeinde: «Man möchte es sich mit den guten Steuerzahlern, welche im betroffenen Gebiet wohnen, nicht verscherzen.»

Einwilligung vorsorglich eingeholt

Marco Fäh, St.Galler Grünen-Kantonsrat.

Marco Fäh, St.Galler Grünen-Kantonsrat.

Bild: Benjamin Manser

Mittlerweile hat Federer sein Einverständnis für den Uferweg gegeben. «Super, dass er das gemacht hat», sagt Fäh dazu. «Auch wenn es wahrscheinlich ein Kompromiss war.» Den Grund dafür sieht er nämlich bei den vielen Einsprachen gegen das Bauprojekt des Tennisstars. Nun müsse man Druck machen, damit auch andere Grundeigentümer nachziehen, wie zum Beispiel die Migros, sagt Fäh. «Die Frage ist allerdings, ob die Stadt überhaupt einen Gehweg anlegen will», sagt er weiter.

«Ich bin eher skeptisch.»

Für den Stadtrat von Rapperswil-Jona scheint in Sachen Seeuferweg nämlich keine Eile zu bestehen. «Es ist derzeit kein Seeuferweg geplant», lässt sich Bauchef Christian Leutenegger in der «Zürichsee-Zeitung» zitieren. Eine Einwilligung Federers für einen solchen Weg hat man aber trotzdem eingeholt – als «absolute Vorsichtsmassnahme». Von anderen Grundeigentümern in Kempraten fehlt diese Einwilligung noch.