Urteil
Das Urteil wird weitergezogen: Freispruch für den Vater, der seinen Sohn fast zu Tode geschüttelt haben soll

Freispruch in allen Punkten: Der Vater, der seinen Sohn durch Schütteln massiv verletzt haben soll, ist vom Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland freigesprochen worden.

Janina Gehrig
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Wie die massiven Hirnverletzungen des zweimonatigen Buben entstanden sind, bleibt im Ungewissen.

Wie die massiven Hirnverletzungen des zweimonatigen Buben entstanden sind, bleibt im Ungewissen.

Symbolbild: Azmanl / iStockphoto

Der zweimonatige Säugling hatte im April 2017 eine Hirnblutung, Blutungen der Netzhäute der Augen sowie eine diffuse Hirnschädigung erlitten. Sein Vater, ein 46-jähriger Spanier mit Jahresaufenthalterstatus, stand vergangene Woche vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland. Angeklagt der vorsätzlichen schweren Körperverletzung und der Aussetzung. Er soll seinem Baby ein Schütteltrauma zugefügt haben, weil es unablässig geschrien habe, so der Vorwurf. Nun ist der Ingenieur freigesprochen worden. Die Kosten für das Verfahren und die Entschädigung der Anwälte trägt der Staat. Eine Begründung des Urteils steht noch aus. Gegen dieses ist Berufung angemeldet worden.

Für die Staatsanwältin und die Anwältin des heute vierjährigen Buben, der schwere körperliche und geistige Schäden von den Verletzungen trägt, war klar gewesen, dass der Vater das Baby geschüttelt hatte, um es ruhigzustellen. Die Verletzungen könnten laut Gutachten nur von einem Schütteltrauma stammen. Das Kind lag nach dem Kreislaufstillstand mehrere Tage im Koma und wäre ohne intensivmedizinische Betreuung womöglich gestorben. Der Angeklagte hatte ausgesagt, dem Kind sei es unwohl gewesen, es habe plötzlich das Bewusstsein verloren und nicht mehr geatmet. Erst dann habe er es hochgenommen und «allenfalls eine Bewegung» gemacht. Die Staatsanwältin hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie einen Landesverweis von fünf Jahren gefordert, die Opferanwältin eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und eine Genugtuungssumme von 250000 Franken.