Unwetter
Nach den Gewittern ist vor den Gewittern: Fällt der 1. August ins Wasser?

Am vergangenen Wochenende wurde die Ostschweiz erneut von Gewittern heimgesucht. Auch in dieser Woche bleibt die Wetterlage angespannt. Eine bedeutende Besserung ist noch nicht in Sicht.

Gabriela Schmid
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In Benken SG ähnelte der am Sonntag gefallene Hagel einer Schneedecke.

In Benken SG ähnelte der am Sonntag gefallene Hagel einer Schneedecke.

Bild: BRK News

Nachdem die Sonne für einige Tage hochsommerlich strahlte, wurde sie am Wochenende erneut von Gewitterwolken verdrängt. Laut Barbara Galliker, Meteorologin der MeteoSchweiz, ist das schlechte Wetter dem Tief Dirk mit Zentrum über dem Ärmelkanal zu verdanken. Aus Südwesten her steuerte das Tiefdruckgebiet schubweise feuchtlabile und damit gewitteranfällige Luft hin zum Alpenraum. In Teilen der Ostschweiz resultierte dies in kräftigen, von Hagel und Starkregen begleiteten Unwettern.

Wer nun auf Besserung hofft, wird wohl enttäuscht. Denn zu Wochenbeginn hat sich die Wetterlage gemäss Galliker nur wenig verändert. Am Montagnachmittag entwickelten sich daher erneut teils kräftige Unwetter.

Der Blick auf die folgenden Tage ist trotz leicht entschärfter Wetterlage trüb. Die Südwestströmung bringt im Verlauf der Woche weiterhin feuchte Luftmassen mit sich. Das Wetter ist mehrheitlich vom Tagesgang der Strömung abhängig. In der zweiten Tageshälfte kann es jeweils zu Schauern oder Gewittern kommen mit Schwerpunkt über den Bergen. Die Tageshöchsttemperatur schwankt um die 24 Grad. Am 1. August sei mit wechselhaftem Wetter zu rechnen, sagt Galliker:

«Auch für den Bundesfeiertag ist im Moment kein stabiles Sommerwetter in Sicht.»

Die Ostschweiz hat weniger mit Hochwasser zu kämpfen

Zwar prasselten übers Wochenende und am Montag teilweise grosse Regenmengen vom Himmel. Von Hochwasser ist die Ostschweiz im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz allerdings nach wie vor weniger betroffen. Im Juli seien die Abflüsse im Einzugsgebiet der Thur mehrmals angestiegen, erläutert Michèle Oberhänsli, Hydrologin des Bundesamtes für Umwelt. Die Gefahrenstufe 2 (mässige Hochwassergefahr) sei hier erreicht, aber nie überschritten worden. Der Bodensee war in diesem Monat sieben Tage lang in der Gefahrenstufe 3 (erhebliche Hochwassergefahr).

Momentan besteht sowohl am Rhein als auch am Bodensee mässige Hochwassergefahr. Dies könnte sich laut Oberhänsli bald ändern: «Es wird voraussichtlich noch etwa eine Woche dauern, bis man am Bodensee Entwarnung geben kann.» Im Verlauf der Woche können heftige Gewitter bei kleinen und mittleren Flüssen vorübergehend zu steigenden Abflüssen führen. In welchen Einzugsgebieten der Schweiz der Niederschlag fallen wird, sei unklar. Die Situation werde daher laufend beobachtet.

Spielt das Wetter diesen Sommer gänzlich verrückt?

Welche Bilanz lässt sich nun aus diesem nassen Juliwetter ziehen? «In der ersten Julihälfte war das Wetter in der Schweiz überwiegend tiefdruckbestimmt», sagt Thomas Schlegel, wissenschaftlicher Mitarbeiter von MeteoSchweiz. Aufgrund der sehr unbeständigen Witterung fiel auch in der Nordostschweiz bisher deutlich mehr Regen als üblich.

Verbreitet habe es 120 bis 180 Prozent mehr Niederschlag gegeben. In Güttingen am Bodensee beispielsweise fiel die doppelte Niederschlagsmenge, wie sie sonst im Juli erwartet wird. Gänzlich ungewöhnlich ist dies allerdings nicht, wie Schlegel hinzufügt:

«Unwettersommer gehören zum Klima der Schweiz. Sie treten in grösseren Zeitabständen immer wieder auf.»

Anhaltende sommerliche Gewitterlagen mit regionalen Unwettern und Schäden habe es letztmals im Sommer 2016 gegeben, wenn auch nicht derart ausgeprägt wie in diesem Jahr. Verheerend sei insbesondere der Sommer 1987 gewesen, mit Erdrutschen, überfluteten Kellern und unterbrochenen Bahnlinien. «Am Bodensee wurde die Hochwassergrenze erreicht und er trat mancherorts über die Ufer», erzählt Schlegel.

Dennoch seien die Verbindungen zum Klimawandel nicht ausser Acht zu lassen. «Diesen Unwettersommern stehen die in der letzten Zeit gehäuft beobachteten Hitzesommer gegenüber», sagt Schlegel. So sei das Sommerhalbjahr 2018 nicht nur das wärmste seit Messbeginn 1864 gewesen. Es herrschte zugleich eine monatelange Regenarmut, was gerade in der Ostschweiz zu einem Jahrhundertereignis bezüglich Niederschlagsdefizit führte.

Trockenheit, Hitze und Überschwemmungen gehören also zu einem gewissen Masse zum schweizerischen Sommerklima, so Schlegel. Die zentrale Frage sei nun, wie stark die oben genannte Klimaschwankung aufgrund der Erderwärmung gestiegen ist und in welche Richtung sich dies noch verändern wird. Gemäss Schlegel deuten aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen auf zunehmend extremere Wetterphänomene hin.

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