Universität St.Gallen
HSG bringt dem Kanton 277 Millionen Franken oder das Fünffache seines Standortbeitrags ein

Überraschung in der jüngsten Studie der Universität St.Gallen (HSG) zu ihren regionalen Effekten: Die Wertschöpfung für den Kanton ist seit 2017 um 40 Millionen auf neu 176,5 Millionen Franken gestiegen. Die Steigerung liegt vor allem daran, dass statt der Region neu der Kanton als Wirkungsraum gemessen wurde.

Marcel Elsener
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Die Uni wächst auch baulich: Das Learning Center HSG soll 2022 eröffnet werden.

Die Uni wächst auch baulich: Das Learning Center HSG soll 2022 eröffnet werden.

Bild: PD

Good News von der HSG waren in den letzten Jahren nicht selbstverständlich. Umso mehr dürfte sich die St.Galler Regierung über die positiven Effekte der Universität für den Kanton freuen, die in der Studie «Regionaler Impact der Universität St.Gallen 2019» ermittelt wurden. Die zum siebten Mal untersuchten Wirkungen der Uni für den Standort- und Eigentümerkanton haben sich wiederum vervielfältigt. Und die HSG zahlt sich buchstäblich aus: Für den Staatsbeitrag von 54,3 Millionen Franken erbringt die Bildungsstätte eine Wertschöpfung von 276,5 Millionen Franken. Sprich aus jedem kantonalen Steuerfranken generiert die HSG über fünf Franken mehr.

Dass diese Wertschöpfung plötzlich 40 Millionen höher ausfällt als in den vorherigen Studienjahren 2015 und 2017, ist allerdings nur zu einem kleinen Teil dem anhaltenden Wachstum der Uni geschuldet. Der Grund ist vielmehr eine Anpassung der Messmethode: Die Effekte beziehen sich nicht wie bisher auf die Agglomeration St.Gallen-Ausserrhoden-Bodensee, sondern auf den gesamten Kanton St.Gallen – schliesslich gelte es, der «Eigentümerstruktur Rechnung zu tragen», wie es in der Studie heisst. Die monetären Effekte für den Kanton seien «sehr erfreulich», lässt sich Finanzchef Marc Mächler zitieren. «Es zeigt sich deutlich, dass die HSG eine eminent wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung für die ganze Ostschweiz hat.» Dies erst recht, weil die HSG ihr Budget rund zur Hälfte selbst finanziere. Dies sei mehr als bei allen anderen Schweizer Universitäten oder den Eidgenössischen Technischen Hochschulen, wie in der Medienmitteilung betont wird.

Gewerbe und regionaler Arbeitsmarkt profitieren

Der Grossteil der monetären Effekte sind direkte Kaufkrafteffekte durch die Universität selbst (68,5 Mio. Franken) sowie ihre Studierenden (127,3 Mio. Franken), die im Kanton wohnen, essen, einkaufen und so weiter. Das lokale Gewerbe profitiere also stark von der HSG und ihren Aktivitäten, wie es heisst. Beispielsweise lassen sich 15 Prozent aller Logiernächte in der Stadt St.Gallen auf die HSG zurückführen (insbesondere Weiterbildungen und Veranstaltungen). Da die Zahlen das Jahr 2019 betreffen und somit die Zeit vor Ausbruch der Pandemie, sind entsprechende Einflüsse allerdings noch nicht berücksichtigt.

Erneut gestiegen sind die Zahlen der Studierenden (8872 im Berichtsjahr, heuer sind es bereits 9047) und der Beschäftigten (3204, wovon 1170 Vollzeitstellen). Neben den monetären Effekten lässt sich der Beitrag an die Standortregion an vielfältigen Wirkungen für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft belegen. Dazu gehören die Start-ups, was die Universität gemeinsam mit Partnern fördert. Von den 144 Start-ups, die 2019 das Label «Spin-off Universität St.Gallen» besassen, haben 28 ihren Sitz im Kanton St.Gallen. Sie alle verzeichneten 2019 einen Beschäftigungszuwachs.

Die Absolventinnen und Absolventen der HSG sind als Fachkräfte in Wirtschaft und Verwaltung gefragt, wie Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner sagt. «Auf lange Sicht ist ihr Beitrag als Forschungspartnerin für die Wirtschaft von besonderer Bedeutung, wie etwa beim Innovationspark Ost.» Mehr als vier Fünftel der Studierenden verlassen nach dem Studium die Region, 60 Prozent finden Arbeit in Zürich. Gut ein Zehntel bleibt im Kanton St.Gallen wohnhaft, dieser Wert hat sich seit Beginn der Studien 2007 kaum verändert. Er dürfte künftig jedoch steigen: Schliesslich entsprechen die neu gegründeten Studiengänge dem Bedarf in der Region – dafür hat die HSG 2020 den Joint Medical Master in Kooperation mit der Universität Zürich und weiteren Partnern ins Leben gerufen sowie im Einklang mit der IT-Bildungsoffensive die School of Computer Science gegründet.

Wichtiger Beitrag zu den kantonalen Zielen

Erstmals erfasst haben die Studienautoren vom HSG-Institut für Systemisches Management und Public Governance die Beiträge der Universität zu den kantonalen Zielen gemäss Schwerpunktprogramm 2017–2027. Naheliegenderweise entsprechen viele Tätigkeiten der Uni den Vorgaben der Politik wie der «innovativen Bildung und Forschung» oder der «zukunftsfähigen Infrastruktur», die etwa das 2022 fertiggestellte Learning Center oder der geplante Campus Platztor versprechen. Detailliert genannt werden aber auch jene Aktivitäten, die wie erwünscht die Digitalisierung und die Nachhaltigkeit vorantreiben. Und zum kantonalen Wissenssystem beitragen (von der Forschung zu regionalen Themen bis zu Kinder-Uni und öffentlichen Vorlesungen) oder das «Image der Region stärken» (Standortmarketing, weltweite Medienpräsenz).

Die aus Sicht des Kantons relevanten Wirkungen der HSG fasst Bildungsdirektor und Uniratspräsident Stefan Kölliker im Studienbericht wie folgt zusammen: «Die Universität St.Gallen ist ein internationaler Leuchtturm ‹auf dem Berg›. Aber nicht nur: Zunehmend kommt sie auch ‹ins Tal› zur Bevölkerung. Damit bringt sie neue Fachkräfte der Spitzenklasse hervor und weckt neue Lebensgeister in Stadt und Region.» Und sie betone mit ihrem revidierten Unigesetz «politische Aufgeschlossenheit», fügt Kölliker an. Die Wertung nimmt dann nächstes Jahr der Kantonsrat vor, wenn er das Unigesetz berät – und die kritischen Punkte wohl mit der Wertschöpfung abgleicht.

Unter www.unisg.ch/region finden sich die gesamte Studie sowie eine Kurzfassung und eine Infografik, welche die wichtigsten Wirkungszusammenhänge illustriert.