Trotz schimmliger Lebensmittel und illegaler Mitarbeiterin: Restaurant in Ausserrhoden durfte nach zwei Tagen wieder öffnen

Unordnung, Schmutz, falsche Herkunftsangaben und verdorbene Esswaren: Lebensmittelkontrolleure haben in Ausserrhoden ein Restaurant in desolatem Zustand vorgefunden. Die Coronapandemie hat teils die Hygiene in Restaurants verschlechtert.

Meret Bannwart
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Gehört nicht auf den Teller: verdorbener Brokkoli.

Gehört nicht auf den Teller: verdorbener Brokkoli.

Bild: Kanton AR

Es ist ein ekelerregender Anblick: Die Fotos von Mozzarella und Brokkoli, die der Kanton Appenzell Ausserrhoden von einer routinemässigen Lebensmittelkontrolle in einem Gastronomiebetrieb veröffentlichte, verderben potenziellen Kundinnen und Kunden leicht den Appetit.

Mitte Juli ist das Interkantonale Labor (IKL), das für die Lebensmittelkontrollen in den beiden Appenzell und Schaffhausen zuständig ist, im Lokal auf zahlreiche verdorbene und verschimmelte Lebensmittel gestossen. Zudem entdeckten die Inspektorinnen und Inspektoren eine grosse Unordnung, Reinigungsmängel und auch täuschende Angaben über die Herkunft einiger Lebensmittel. Für die importierten Lebensmittel konnte der Wirt weder Lieferscheine noch Zollpapiere vorlegen.

Die Kontrolleure stiessen auf schimmligen Mozzarella.

Die Kontrolleure stiessen auf schimmligen Mozzarella.

Bild: Kanton AR

Wie ist es zu diesem Fund gekommen? Laut Kurt Seiler, Kantonschemiker des IKL, wird nach einem vom Bund vorgegebenen Schema vorgegangen. Mindestens alle zwei Jahre werden alle Restaurants ohne Vorankündigung kontrolliert. Je nach Resultat wird dann der nächste Kontrolltermin festgelegt. Ist nichts zu beanstanden, tauchen die Inspektorinnen und Inspektoren erst wieder nach zwei Jahren auf. Ansonsten wird engmaschiger nachgeprüft. Hinweise aus der Bevölkerung auf Missstände in Gastrobetrieben seien eher die Ausnahme. Seiler empfiehlt Kundinnen und Kunden auch, sich zuerst direkt an die Restaurantbetreiber zu wenden, wenn man Mängel entdeckt. Erst wenn diese nicht reagieren, solle man sich bei den Behörden melden.

Drastische Massnahmen sind selten erforderlich

Was bei diesem Fall speziell war: Das Lokal musste sofort geschlossen werden. «Das ist selten notwendig», bestätigt Kurt Seiler. Dies passiere nur, wenn eine Gesundheitsgefährdung von Konsumentinnen und Konsumenten nicht ausgeschlossen werden könne.

Doch: Bereits zwei Tage später durfte das Lokal wieder öffnen. Der Besitzer habe alles in Gang gesetzt, um die Mängel zu beheben. Auch der St.Galler Kantonschemiker Pius Kölbener bestätigt: «Unsere Lokalschliessungen sind immer nur vorübergehend und sehr selten.» Im Kanton St.Gallen seien dies zwei bis zehn Schliessungen pro Jahr. Für das Jahr 2020 habe man beispielsweise sieben temporäre Schliessungen angeordnet. Kurt Seiler spricht sogar noch von tieferen Zahlen; für die beiden Appenzell und Schaffhausen seien das etwa eins bis drei Fälle pro Jahr.

Hat Corona die Situation für Gastwirte verschärft?

«Der Shutdown war sehr einschneidend für die Gastronomielokale», sagt Kurt Seiler. Deswegen sei es für viele Gastwirtinnen und -wirte während der Coronapandemie schwieriger geworden, die Lagerbestände zu verwalten und Einkäufe zu planen. «Wir haben nach dem Shutdown mehr Verstösse registriert», so Seiler. Auch von anderen Kantonen wie beispielsweise Bern wisse er, dass sie ähnliche Beobachtungen gemacht hätten.

Anders sieht das im Kanton St.Gallen aus: «Wir haben bisher zwar keine systematische Auswertung der Kontrollen während Corona gemacht, aber grundsätzlich konnte ich keine augenfällige Veränderung der Kontrollergebnisse, die durch die Pandemie verursacht wurde, feststellen», so Pius Kölbener.

Grund für die meisten Verstösse sei laut Seiler meistens eine Überforderung der Betreiber. «Man verliert den Überblick über die Bestände, kauft falsch ein, kontrolliert die Kühlschranktemperaturen nicht mehr regelmässig und dann braucht es nicht viel, dass bei einer Kontrolle verschimmelte Lebensmittel entdeckt werden.» Das sei auch ein Grund, warum es keinen Sinn mache, bei Verstössen das Lokal mit Namen zu nennen. «Wechselt die Besitzerin oder der Besitzer des Betriebs, lösen sich meist auch diese Probleme. Doch ein angekratzter Ruf wird ein Lokal nicht so schnell wieder los, auch wenn längst alles wieder in Ordnung ist», sagt Seiler.

Arbeiterin ohne Bewilligung beschäftigt

In diesem Fall in Appenzell Ausserrhoden durfte der Besitzer nach zwei Tagen wieder eröffnen. Doch noch ein weiteres Problem hat er am Hals: Der Wirt hat eine Angestellte aus einem Drittstaat beschäftigt, die bereits seit einer Woche ohne Bewilligung im Lokal arbeitete. Bei ihr wurde durch das Amt für Inneres die Ausschaffungshaft und eine Einreisesperre verfügt. Der fehlbare Gastwirt wird wegen Verstosses gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht.