HSG-Studie
177 Millionen Franken Umsatz und 1350 Vollzeitstellen in der Region: Die Olma-Messen legen erstmals Zahlen zu ihrer wirtschaftlichen Bedeutung vor

Stadt und Kanton St.Gallen haben die Olma-Messen mit einem Hilfspaket aus dem Coronaloch gerettet. Jetzt zeigt eine Studie, wie viel Wertschöpfung diese umgekehrt in die Region bringen, wenn nicht gerade Pandemie herrscht.

Adrian Vögele
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Nebst den bekannten Publikumsmessen wie der Olma und der Offa sollen auf dem St.Galler Messegelände auch vermehrt Fachmessen stattfinden.

Nebst den bekannten Publikumsmessen wie der Olma und der Offa sollen auf dem St.Galler Messegelände auch vermehrt Fachmessen stattfinden.

Bild: Ralph Ribi

Eine Absage folgte auf die andere: Das Coronajahr 2020 brachte die Olma-Messen in Existenznot – mitten in einer Ausbauphase: Die Vorarbeiten für die Überdachung der Stadtautobahn und die künftige Halle 1 waren bereits in vollem Gang. Stadt und Kanton schnürten ein Rettungspaket im Umfang von knapp 24 Millionen Franken. Teil davon waren auch erhöhte Beiträge umliegender Kantone ans Genossenschaftskapital.

Christine Bolt, Direktorin der Olma-Messen St.Gallen.

Christine Bolt, Direktorin der Olma-Messen St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

Wie stark aber profitiert die Ostschweiz umgekehrt von den Olma-Messen – finanziell und wirtschaftlich? Unter anderem aufgrund der Diskussionen rund um das Rettungspaket habe man beschlossen, dieser Frage vertieft nachzugehen, sagt Christine Bolt, Direktorin der Genossenschaft Olma-Messen, am Mittwoch vor den Medien. Das Institut für Systemisches Management und Public Governance (IMP) an der Universität St.Gallen hat viel Erfahrung mit solchen Studien. Für die Uni selber werden sie regelmässig durchgeführt, auch der regionale Effekt des Stiftsbezirks und des Kantonsspitals St.Gallen wurde schon erhoben.

177 Millionen Franken Umsatz in der Ostschweiz

Jetzt liegen die Resultate für die Olma-Messen vor. Untersucht wurde das Geschäftsjahr 2019, vor Ausbruch der Pandemie. «Die Olma-Messen leisten einen erheblichen Beitrag für die Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region», fasst Roland Scherer, Direktor des IMP, zusammen. Die wichtigsten Zahlen:

  • 294 Millionen Franken Gesamtumsatz generierten die Messen und Veranstaltungen der Olma-Messen mit ihren Ausstellern, Veranstalterinnen und dem Publikum. Mehr als die Hälfte, nämlich 177 Millionen Franken, fielen in den vier Ostschweizer Kantonen an.
  • Mit den Aktivitäten der Olma-Messen sind rund 1350 Vollzeitstellen in der Ostschweiz verbunden.
  • Aus den Messen und Veranstaltungen auf dem Olma-Gelände fliessen bis zu 23 Millionen Franken Steuergeld an die öffentliche Hand.

Die Finanzflüsse wurden bis ins Detail analysiert, wie Projektleiter Daniel Zwicker-Schwarm erklärt. So berücksichtigt die Studie auch, dass das Publikum von Anlass zu Anlass ein anderes ist. «Bei Gästen des KMU-Tags sind die Ausgaben beispielsweise tiefer als bei Teilnehmern eines Ärztekongresses.»

37'000 Logiernächte – doch die Nachfrage sinkt

Für das Gastgewerbe in der Stadt und Region St.Gallen beispielsweise stellten die Olma-Messen einen sehr bedeutenden Teil der Nachfrage dar, sagt Scherer. «Messe- und Kongressbesucher generieren rund 37’000 Logiernächte.» Allerdings sei die Nachfrage in der Hotellerie im Zusammenhang mit den Messen und Veranstaltungen auf dem Olma-Gelände in den letzten Jahren gesunken. Ein Grund dafür sei das Wachstum an Onlineangeboten. Übernachtungsgäste würden aber auch vermehrt Privatunterkünfte nutzen. Hinzu komme, dass die Budgets der Unternehmen für den Besuch von Kongressen und Veranstaltungen enger würden. «So reisen manche Gäste vielleicht nicht mehr bereits am Vortag eines Kongresses an, sondern erst am Eröffnungstag, um eine Übernachtung einzusparen.»

Was kann die Genossenschaft Olma-Messen tun, um ihre regionale Wirkung zu stärken? Die Studienautoren sehen drei Ansätze: mehr regionale Anbieter an die Publikumsmessen holen, den Bereich Fachmessen ausbauen, die Zahl der Kongresse mit nationaler und internationaler Ausstrahlung erhöhen. Dafür müssten die Olma-Messen ihr «ländlich-traditionell geprägtes Image» weiterentwickeln.

Olma-Messen wollen wachsen: «Die Investitionen müssen sich rechnen»

Die Ergebnisse sind in die Strategie eingeflossen, welche das Team der Olma-Messen für die kommenden Jahre formuliert hat: Künftig sollen auf dem Olma-Gelände mehr Fachmessen stattfinden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Entwicklung der Olma, der mit Abstand grössten Veranstaltung im Portfolio. «Ziel ist es, dass die Olma auch in zehn Jahren noch so erfolgreich ist wie heute», sagt Christine Bolt. Auch will die Genossenschaft vermehrt als Co-Veranstalterin von Kongressen und Anlässen agieren und die Tätigkeit ihrer eigenen Eventagentur ausbauen.

Bauarbeiten an der Überdeckung der Stadtautobahn beim Olma-Gelände (27. Oktober 2021).

Bauarbeiten an der Überdeckung der Stadtautobahn beim Olma-Gelände (27. Oktober 2021).

Bild: Ralph Ribi

Die neue Halle 1 werde vielfältige Möglichkeiten für neue Messen und grosse Veranstaltungen bieten, sagt Bolt. Die Genossenschaft wolle ihren statutarischen Auftrag erfüllen, im Kerngeschäft wachsen und weitere Ertragsquellen erschliessen. Auf finanzieller Ebene seien die Olma-Messen als Genossenschaft nicht gewinnorientiert. «Aber die getätigten Investitionen müssen sich rechnen – wir wollen unsere Schulden abzahlen.» Die Olma-Messen seien sich ihrer Verantwortung bewusst. «Wenn wir als Region zusammenstehen, gelingt es uns, die Chancen der Halle 1 zu nutzen und damit die Region nachhaltig zu stärken.»

Über die Studie

Die Analysen der Studie «Die regionale Bedeutung der Olma-Messen St.Gallen», unter der Leitung von Dr. Roland Scherer vom IMP-HSG, beziehen sich auf das Jahr 2019. Aufgrund der Coronapandemie kamen die Aktivitäten der Olma-Messen 2020 fast gänzlich zum Erliegen. Für die Studie haben die Forschenden eine regionalökonomische Analyse der Kaufkraft- und Wertschöpfungseffekte der Olma-Messen vorgenommen und eine Online-Befragung der Hotellerie und Privatvermieter in der Destination St.Gallen-Bodensee sowie eine Medienanalyse durchgeführt. Die Studie ist als Download verfügbar. (pd)

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