Streit um Schulstandorte
«Ohne Einbezug der Betroffenen»: Bei den St.Galler Berufsschulen brodelt es wegen der Reformpläne der Regierung – Kantonsräte fordern erneut Antworten

Die Kritik am Vorgehen des Kantons zur Neuorganisation der Berufsfachschulen reisst nicht ab. Eine Schulverlegung von St.Gallen nach Rorschach hat das Kantonsparlament im Dezember gestoppt. In einem neuen, parteiübergreifenden Vorstoss wird kritisiert, das Bildungsdepartement beziehe die Betroffenen nach wie vor zu wenig in die Planung ein.

Adrian Vögele
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Nicht nur an der Berufsfachschule in Rorschach geben die Reformpläne des Bildungsdepartements zu reden.

Nicht nur an der Berufsfachschule in Rorschach geben die Reformpläne des Bildungsdepartements zu reden.

Bild: Ralph Ribi

Die St.Galler Berufsschullandschaft wird überarbeitet, die Kompetenzen der Schulen sollen besser gebündelt werden – aber wie? Darüber herrscht Streit im Kanton. Das Bildungsdepartement arbeitet derzeit an einer Strategie. Ein erster Entscheid der Regierung, die Gesundheitsberufe von der Stadt St.Gallen nach Rorschach zu verlegen und die dortige Berufsfachschule in ihrer heutigen Form aufzulösen, stiess im vergangenen Jahr auf massive Kritik, hüben wie drüben. Der Beschluss komme überraschend, als «Alleingang» der Regierung, die Direktbetroffenen an den Schulen würden zu wenig in die Planung einbezogen. Auch die Wirtschaft sei verunsichert. Das Kantonsparlament entschied im Dezember per Motion, dass die Regierung diesen Umzug aufschieben soll, bis die Gesamtstrategie für die Berufsschulen vorliegt. Die Regierung nahm diesen Auftrag als «regionalpolitisches Signal» entgegen, wie sie im Januar mitteilte. Die Arbeit am Postulatsbericht zur Sekundarstufe II werde zugleich beschleunigt.

Weitere Entscheide ohne Einbezug der Schulen?

An den Berufsschulen brodelt es allerdings weiter – und bereits ist im Parlament der nächste Vorstoss zum Thema hängig: Sandro Hess (CVP), Margot Benz (Grüne), Isabel Schorer (FDP), Christoph Thurnherr (SP) und Sandro Wasserfallen (SVP) verlangen erneut Antworten. Bei verschiedenen Direktbeteiligten im Berufsschulwesen entstehe momentan der Eindruck, dass das Bildungsdepartement erneut von oben herab («top-down») wichtige Grundlagenentscheide fälle, ohne sie einzubeziehen. Die Interpellanten bemängeln, dass wesentliche Kriterien für die Entscheide – Berufsfelder, Schulgrössen, Anzahl Schulen – nicht fundiert mit den Beteiligten erarbeitet worden seien. «Es stellt sich also abermals die Frage, ob die Direktbeteiligten genügend eingebunden werden, beziehungsweise ob der Prozess auf einer fundierten Analyse basiert.»

Die Parlamentsmitglieder wollen darum von der Regierung wissen:

«Wie wird sichergestellt, dass die Direktbeteiligten in geeigneter Weise, phasengerecht und frühzeitig in das Projekt eingebunden werden?»

Weiter erwähnen die Interpellanten, dass die Kompetenzen an den verschiedenen Berufsschulstandorten besser gebündelt werden sollen. Die Regierung soll Auskunft darüber geben, welches «Kompetenzcentermodell» dem Projekt zugrunde liegt. «Auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen basiert dieses Modell? Wie wurde es erarbeitet?»

Die Regierung hatte angekündigt, im kommenden Sommer einen Entwurf des Postulatsberichts zum Thema vorzulegen und eine Vernehmlassung zu starten. Der fertige Bericht werde dem Parlament im Februar 2022 vorgelegt.