St.Galler Krawalle
«Es war ganz klar die richtige Strategie»: Die St.Galler Sicherheitschefin Sonja Lüthi lobt das Vorgehen der Stadtpolizei

Trotz heftiger Kritik: Die St.Galler Sicherheitschefin Sonja Lüthi zieht in der TVO-Sendung «Zur Sache» eine positive Bilanz nach dem rigorosen Eingreifen der Stadtpolizei am Osterwochenende. Den bereits kursierenden Gewaltaufrufen will sie mit der gleichen strikten Wegweisungsstrategie begegnen.

Noemi Heule
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War das Vorgehen der Polizei am vergangenen Krawallwochenende gerechtfertigt? Stadträtin Sonja Lüthi (links) und CVP-Jungpolitiker Cedric Gmür (rechts) bejahen die Frage von TVO-Moderator André Moesch.

War das Vorgehen der Polizei am vergangenen Krawallwochenende gerechtfertigt? Stadträtin Sonja Lüthi (links) und CVP-Jungpolitiker Cedric Gmür (rechts) bejahen die Frage von TVO-Moderator André Moesch.

Bild: Michel Canonica

Jugendliche Partygänger gegen die Polizei: Die Konfliktlinie in den vergangenen Krawallnächten in der Stadt St.Gallen war klar umrissen. Sachbeschädigung und Gewalt auf der einen Seite, Repression und Wegweisungen auf der anderen. Fast schon harmonische Einigkeit herrscht dagegen am Mittwochabend in der TVO-Sendung «Zur Sache», wo die St.Galler Sicherheitschefin Sonja Lüthi für die Stadtpolizei eintritt, während CVP-Jungpolitiker Cedric Gmür seine Generation vertritt.

Nach der Krawallnacht vom vergangenen Karfreitag und erneuten Aufrufen für den Ostersonntag griff die Polizei strikt durch. Wer jung war, wurde bereits am Bahnhof abgewiesen: 650 Wegweisungen sprach die Stadtpolizei allein am Sonntag aus. Ohne Unterscheidung zwischen Chaoten und Unbeteiligten, so die Kritik. Wenig überraschend stellte sich Stadträtin Lüthi vor ihr Sicherheitspersonal. «Der Einsatz der Polizei war nötig», sagte sie, die Leistung der Polizei gar «sensationell» und sie entsprechend «stolz». Man habe lange auf Deeskalation, Dialog und Prävention gesetzt – ohne Erfolg, weshalb man am Sonntag einen Strategiewechsel vollzog.

«Hart, aber richtig»: So lautet auch das Fazit des Präsidenten der Jungen CVP St.Gallen zu den konsequenten Wegweisungen. Dass die Massnahmen auch Unbeteiligte getroffen haben, sei ein notwendiges Übel, so Gmür. Denn: «Die Schaulustigen gaben den Gewalttätigen einen Deckmantel.» Auch die wiederholten Rückfragen von Moderator André Moesch zur Kritik von Links und der «Wegweisungsorgie» lockten die beiden Gesprächspartner nicht aus der Reserve. Bei 650 Wegweisungen sei es nicht möglich, vor Ort eine ausführliche Prüfung zu machen, entgegnet Lüthi. Und wiederholt die Ankündigung der Stadtpolizei: Man sei bereit, diese Prüfung im Nachhinein nachzuholen. Gmür pflichtet bei: «Wir leben keinesfalls in einem Polizeiwillkürstaat», wie dies gerne glauben gemacht werde.

Im TVO-Format «Zur Sache» kommen die St.Galler Sicherheitschefin Sonja Lüthi und CVP-Jungpolitiker Cedric Gmür zu Wort. Thema der Diskussion: War das Vorgehen der Polizei am Krawallwochenende verhältnismässig?

Video: TVO

Hartes Durchgreifen angekündigt

Bereits kursiert für Freitag ein Aufruf für eine neuerliche Episode der unrühmlichen Krawallserie. Man nehme diesen Aufruf ernst, sagt Lüthi. Und man werde erneut rigoros durchgreifen. «Ich appelliere an die Jugendlichen und Eltern, ein Zeichen zu setzen und den Krawallen fernzubleiben», sagt sie. Schliesslich sei auch mitschuldig, wer mitlaufe. Auch Gmür ortet ein grosses Gefahrenpotenzial, bevor er doch noch Kritik anbringt. Nicht an seiner Gegenspielerin und der Stadt St.Gallen, sondern in Richtung Bundesbern: Man habe die Jugend lange nicht ernst genommen, das komme nun – «völlig deplatziert zwar» – zum Ausdruck.

«Man muss uns, mit den nötigen Schutzkonzepten, wieder ermöglichen, zu leben.»

Diesmal ist es Sonja Lüthi, die beipflichtet. Sie habe persönlich einen Brief an Justizministerin Karin Keller-Sutter geschrieben. Der Inhalt: Es sei in dieser kritischen Situation angebracht, mehr auf die Bedürfnisse der Jungen einzugehen. «Das versuchen die Jungparteien seit einem Jahr zu erreichen», entgegnet Gmür.