Stadt St.Gallen
«Konkurrenz belebt das Geschäft»: Das sagen die Bio-Pioniere zum neuen Alnatura-Supermarkt der Migros

Am Donnerstag eröffnet vis-à-vis der Migros Neumarkt der Alnatura Bio Supermarkt. Biologische Produkte boomen – auch wegen Corona.

Sandro Büchler
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Auf 460 Quadratmeter bietet der Alnatura Bio Supermarkt ab Donnerstag 5000 Bio-Produkte an.

Auf 460 Quadratmeter bietet der Alnatura Bio Supermarkt ab Donnerstag 5000 Bio-Produkte an.

Bild: Sandro Büchler (26.07.2021)

Zwei grosse Schilder künden die Neueröffnung an. Am Donnerstag öffnet der Alnatura Bio Supermarkt an der St.-Leonhard-Strasse 33 in St.Gallen einen 460 Quadratmeter grossen Verkaufsladen – direkt beim stark frequentierten Fussgängerstreifen zwischen Hauptbahnhof und Neumarkt.

Pascal Jaquet, Filialleiter Alnatura Bio Super Markt St.Gallen.

Pascal Jaquet, Filialleiter Alnatura Bio Super Markt St.Gallen.

Bild: PD

«Bio ohne Ausnahme» heisst es in der Medienmitteilung. Filialleiter Pascal Jaquet und sein zehnköpfiges Team seien besonders stolz auf das tagesfrische Angebot an Fleisch und Molkereiprodukten.

Frisches Gemüse und Obst liefere die Familie Tschudin aus Scherzingen. Daneben gibt es im neuen Alnatura Bio Supermarkt ofenfrisches Brot, eine Smoothie- und Safttheke – an der man sich ein Getränk nach eigenem Geschmack zusammenstellen kann – und eine Imbisstheke mit Sandwiches, Salaten und Snacks.

Blick durchs Schaufenster hindurch zur Smoothie- und Safttheke.

Blick durchs Schaufenster hindurch zur Smoothie- und Safttheke.

Bild: Sandro Büchler (26.07.2021)

Neben den Frischeprodukten bietet der Biomarkt ein Weinsortiment und ein grosses Angebot an Naturkosmetik an.

Von Yardo über Bio Partner bis zum Vital Punkt

Alnatura ist nicht der erste Bioladen an der St.-Leonhard-Strasse 33. Erst beheimatete das Gebäude die Volksbank, später die Credit Suisse, dann wechselnde Kleidergeschäfte. 2005 startete Albert Keel mit Yardo den ersten Bio-Supermarkt in der Stadt. Er wollte von hier die ganze Schweiz mit Biomärkten erobern – was allerdings misslang.

2008 übernahm der Aargauer Biogrossist Bio Partner Schweiz AG die Marke. Der Name Yardo blieb vorerst, verschwand jedoch im Januar 2012 von der Bildfläche. Der Vital Punkt, der zum Reformhaus Müller gehört, zog neu an der St.-Leonhard-Strasse 33 ein. Im vergangenen Dezember verkaufte Müller die Verkaufsfläche und zog unter dem Namen Reformhaus Bio in der Wartehalle des Hauptbahnhofs ein.

Drinnen werden noch die letzten Regale eingeräumt, der Boden wird gereinigt. Der letzte Schliff vor der Eröffnung. Biologische und nachhaltige Produkte seien mehr und mehr gefragt, sagt Annabel Ott, Mediensprecherin von Alnatura. «Mit unserem jüngsten Alnatura Bio Supermarkt kommen wir der gesteigerten Nachfrage nach Bio-Produkten und den Bedürfnissen der St.Galler Kundinnen und Kunden entgegen.»

Die Pandemie steigert die Nachfrage nach Bio-Produkten

Alnatura gehört zur Migros. Der Grossverteiler verkauft nebenan im Neumarkt bereits zahlreiche Alnatura-Bioprodukte. Weshalb ein eigenes Verkaufsgeschäft vis-à-vis? Ott sagt, der Alnatura Bio Supermarkt und die Migros-Filiale sprächen unterschiedliche Zielgruppen an. In der Migros kaufe die Kundschaft Produkte des täglichen Bedarfs – darunter auch Bioprodukte.

Andreas Bühler, Leiter Unternehmenskommunikation Genossenschaft Migros Ostschweiz.

Andreas Bühler, Leiter Unternehmenskommunikation Genossenschaft Migros Ostschweiz.

Bild: PD
«Der Alnatura Bio Supermarkt fokussiert hingegen primär auf Kundinnen und Kunden, die gezielt all ihre Lebensmittel in Bio- und Alnatura-Qualität kaufen wollen.»

Biologisch hergestellte Produkte liegen im Trend. Das bestätigt Andreas Bühler, Mediensprecher der Migros Ostschweiz. Und er nennt Zahlen. «Erzielte die Migros Ostschweiz 2013 noch knapp 90 Millionen Franken mit Bioprodukten, so waren es 2020 bereits 195 Millionen.»

Gerade im vergangenen Coronajahr habe die Ostschweizer Kundschaft 16 Prozent mehr Bioprodukte in den Einkaufskorb gelegt als noch ein Jahr zuvor – während der Umsatz bei den Supermärkten um 9,4 Prozent stieg. Biologisches wird also überproportional eingekauft.

Stadtladen ist seit bald 40 Jahren im Geschäft

Stefan Wyler vom Stadtladen St.Gallen.

Stefan Wyler vom Stadtladen St.Gallen.

Bild: PD

Den Trend zu Bio spürt man auch beim Stadtladen. Seit 1982 verkauft der Stadtladen ausschliesslich biologische Lebensmittel – im kommenden Jahr feiert die Genossenschaft ihr 40-jähriges Bestehen. «Immer mehr Leute schauen auf Bio, eine gesunde Ernährung ist vielen während Corona wichtiger geworden», sagt Stefan Wyler vom Stadtladen. Das Verkaufslokal an der Katharinengasse erlebe seit dem Beginn der Pandemie – aber auch schon zuvor – sehr gute Zeiten.

Angesprochen auf die Neueröffnung von Alnatura sagt Wyler:

«Konkurrenz belebt das Geschäft, wie man so schön sagt.»

Dass jedoch seine Kundschaft zum Bio-Supermarkt abwandere, glaubt er nicht. «Vielmehr ist es eine Konkurrenz für die Grossverteiler. Für Coop und Aldi. Und die Migros selbst.» Der Stadtladen, der als Pionier für biologische Lebensmittel in der Stadt St.Gallen gilt, profitiere von einer treuen Stammkundschaft. Im Gegensatz zum Bio-Supermarkt zeichne sich der Stadtladen als kleiner Fachhandel aus.

«Alles ist persönlich, der Wohlfühlfaktor höher.»

Neben dem neuen Alnatura Bio Supermarkt, dem Stadtladen und dem Bio-Reformhaus im Hauptbahnhof bieten auch am Bauern- und Wochenmarkt mehrere Stände Bio-Produkte an. Zudem hat der Bioladen L’Ultimo Bacio an der Poststrasse eine breite Produktepalette. Auch beim Unverpackt-Laden Ganzohni an der Engelgasse gibt es Biologisches. «Sehr viel sogar», sagt Geschäftsführerin Marion Schiess.

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