Stadt St.Gallen
Fünf Konzerte ohne Zertifikat: Die Grabenhalle meldet sich mit einem Minifestival auf dem Parkplatz zurück

Mit sieben Bands und DJ-Kollektiven ruft die Grabenhalle an den kommenden zwei Wochenenden zum «Grabesummer» auf. Um den Zugang zum Low-Budget-Festival für viele zu ermöglichen, verzichten die Organisatoren an fünf von sechs Abenden auf ein Covid-Zertifikat – dafür muss das Tanzbein ruhen.

Sandro Büchler
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Das Grabenhalle-Kollektiv nimmt mit einem Minifestival vor der Halle den Musik- und Konzertbetrieb wieder auf.

Das Grabenhalle-Kollektiv nimmt mit einem Minifestival vor der Halle den Musik- und Konzertbetrieb wieder auf.

Bild: Arthur Gamsa (27.04.2021)

Normalerweise meldet sich die Grabenhalle Ende August zurück aus der Sommerpause. In diesem Jahr jedoch, in dem Open Air St.Gallen, Kulturfestival und «Aufgetischt» allesamt abgesagt wurden, macht die Grabenhalle bereits an den kommenden zwei Wochenenden auf sich aufmerksam. «Mit einem Minifestival gegen die Kulturbrache St.Gallen diesen Sommer», schreiben die Organisatoren in einer Mitteilung.

An zweimal drei Tagen spielen auf vier freigeräumten Parkplätzen vor der Grabenhalle insgesamt sieben Bands und DJ-Kollektive – jeweils ab 19 Uhr. Der Konzertreigen beginnt heute Donnerstag mit dem Frauen-Folk-Trio Mokoš, gefolgt morgen Freitag vom Minimaltechno des Agatmato Kollektivs bestehend aus jungen DJs. Am Samstag erklingt der Stoner-Rock des Trios Black Salt.

Am darauffolgenden Wochenende steht Ska-Jazz von Frank (12.8.) auf dem Programm, dazu die zwei Punkbands Bear Pit und Vs. The World (13.8.) und psychedelisch geprägter Garage-Surf-Rock von Choose The Juice (14.8.).

Organisatoren: «Wir wollen etwas reissen»

Barnabas Németh von der Grabenhalle St.Gallen.

Barnabas Németh von der Grabenhalle St.Gallen.

Bild: PD

«Klein und lokal soll es werden», sagt Mitorganisator Barnabas Németh. Die Idee für das Festival sei während des Sommers ins Rollen gekommen. «Wir wollen etwas reissen.» Bei der Stadtpolizei St.Gallen hat man sich sodann um eine Bewilligung bemüht. Die habe sich kulant gezeigt, so Németh, denn normalerweise könne der Parkplatz zwischen Grabenhalle und Palace nur einmal im Jahr bespielt werden – am Parkplatzfest. Doch auch dieses wurde 2021 abgesagt.

«Das Minifestival vor der Grabenhalle soll für alle zugänglich sein.»

Mit einem Covid-Zertifikat schliesse man aber viele aus – gerade auch Junge. Deshalb hat sich das Organisationsteam dazu entschieden, an fünf von sechs Abenden auf ein Zertifikat zu verzichten. «Es soll möglichst niederschwellig sein. Die Leute sollen vorbeilaufen und sich spontan für einen Konzertbesuch entscheiden können, ohne vorgängig einen Coronatest machen zu müssen», sagt Németh.

Das bedeutet aber auf dem Festivalgelände: Contact-Tracing am Eingang, Abstand zwischen den Gästegruppen und auf dem Weg zum WC durchs Hallenfoyer gilt Maskenpflicht. Nach wie vor gilt ein Tanzverbot. Zu heftige Bewegungen sind nicht erlaubt. Wippen ja, Tanzen nein. «Dass dies bei einem Technoabend nicht funktionieren wird, war uns klar», so Németh. Deshalb ist beim Auftritt des Agatmato Kollektivs morgen Freitag ein Zertifikat Pflicht. Also dürfen nur Geimpfte, Genesene oder Getestete rein.

«Dafür kann man so richtig das Tanzbein schwingen.»

Kultur kommt erst zaghaft zurück zur Normalität

Németh sagt, das Grabenhalle-Kollektiv habe mit dem Entscheid für oder gegen ein Covid-Zertifikat gerungen. «Ein Kulturangebot ist aber extrem wichtig.» Denn während im Sport und in der Gastronomie die Normalität zurückkehre, geschehe dies in der Kultur nur zaghaft.

«Man spürt, dass nach der Coronalähmung viele Musikinteressierte ausgehungert sind.»

Auch deshalb habe man sich für die Durchführung des «Grabesummer» entschieden.

Der Eintritt zu den Konzerten ist gratis. Die Organisatoren hoffen aber auf eine faire Bezahlung. Der Richtpreis betrage zehn Franken. Es gibt keinen Vorverkauf und die Konzerte finden unabhängig vom Wetter statt. Németh sagt: «Bühne und Teile des Zuschauerbereiches sind gedeckt. Nur im Notfall brechen wir einen Abend ab.»

Zudem sammelt der Verein Platzpark Ideen für die künftige Nutzung des Parkplatzes. Denn Ende 2023 werden die Parkplätze auf dem Platz vor der Grabenhalle aufgehoben. In Absprache mit der Stadt erarbeitet der Verein Platzpark derzeit ein Konzept für eine künftige Nutzung des Platzes zwischen Grabenhalle und Palace.

www.grabenhalle.ch

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