Sozialhilfe
Der Thurgau weist eine rekordtiefe Sozialhilfequote aus – und das im Krisenjahr 2020

Trotz Lockdown und Jobverlusten: Die Ausgaben für die Sozialhilfe sind 2020 im Thurgau um 4,2 Millionen Franken zurückgegangen. Die Pandemie dürfte sich aber in den kommenden Jahren doch noch in der Sozialhilfe niederschlagen.

Silvan Meile
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3900 Personen waren im vergangenen Jahr auf Hilfe zur Deckung der Lebensunterhaltskosten angewiesen.

3900 Personen waren im vergangenen Jahr auf Hilfe zur Deckung der Lebensunterhaltskosten angewiesen.

Christian Beutler / Key

Das Krisenjahr 2020 bringt einen überraschenden Rekord hervor. Die Ausgaben in der Sozialhilfe sanken im Thurgau auf den tiefsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Im Vergleich zu 2019 gaben die Sozialämter der Thurgauer Gemeinden 4,2 Millionen beziehungsweise 4,9 Prozent weniger aus. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben auf 81 Millionen Franken.

Knapp 3900 Thurgauerinnen und Thurgauer bezogen 2020 finanzielle Leistungen von der Sozialhilfe, ebenfalls der tiefste Wert der vergangenen zehn Jahre, trotz Bevölkerungswachstum. Dadurch sank auch die Sozialhilfequote. Der Anteil der unterstützten Personen an der Wohnbevölkerung sank auf 1,4 Prozent. Schweizweit liegt dieser Wert bei 3,2 Prozent.

Nach einem kurzzeitigen Anstieg zu Beginn der Pandemie habe sich die Situation in der Sozialhilfe 2020 rasch wieder beruhigt, sagt Caesar Andres, Abteilungsleiter «Asylkoordination und Sozialhilfe» des Sozialamts des Kantons Thurgau.

Anstieg in den kommenden Jahren erwartet

2020 ist mit einem Lockdown gegen die Pandemie gekämpft worden. Die Arbeitslosenzahlen stiegen an. Dass letztlich die Sozialausgaben gleichzeitig sanken, begründet der Kanton mit der guten Arbeitsmarktsituation vor der Coronapandemie. Zwar liessen diese die Arbeitslosenquote dann deutlich ansteigen, die Auswirkungen waren aber nicht unmittelbar spürbar. «Dieser Anstieg dürfte sich erst in den kommenden Jahren in der Sozialhilfe niederschlagen, da sie verzögert auf Arbeitsmarktentwicklungen reagiert», heisst es in einem Bericht des Kantons.

Caesar Andres Prognose fällt aber nicht gänzlich negativ aus. Die Tatsache, dass sich im laufenden Jahr die Arbeitslosenzahlen bereits wieder beruhigten, ist demnach auch ein Lichtblick für die Sozialhilfestatistik des laufenden Jahres.

Der Ausstieg aus der Sozialhilfe wurde schwieriger

Die gestiegene Arbeitslosenquote des vergangenen Jahres verschlechterte vor allem die Situation jener, die bereits in der Sozialhilfe waren. Das bekamen auch jüngere Personen zu spüren, sagt Andres. Im Bericht heisst es: «Die coronabedingte Eintrübung des Arbeitsmarkts erschwerte 2020, insbesondere bei den Jüngeren, das Finden einer Arbeitsstelle.»

Ein Viertel der Bezüger von Sozialhilfe im Thurgau sind Personen, die erwerbstätig sind, zur Deckung ihres Lebensunterhalts aber auf Unterstützung angewiesen sind. Einem ausgeprägten Armutsrisiko seien weiterhin Alleinerziehende ausgesetzt, sagt Caesar Andres.

Städte tragen die grösste Last

Grundsätzlich ein erhöhtes Sozialhilferisiko haben ausländische Staatsangehörige. Im Thurgau liegt bei ihnen die Quote bei 2,4 Prozent, bei Personen mit Schweizer Staatszugehörigkeit sind es 1,1 Prozent. «In den letzten drei Jahren ging die Sozialhilfequote der ausländischen Wohnbevölkerung jedoch deutlich stärker zurück als jene der Schweizerinnen und Schweizer», hält der Bericht fest.

Weiterhin die höchste Sozialhilfequote der Thurgauer Gemeinden weist die Stadt Arbon auf. In den vergangenen drei Jahren hat sie dort aber von 4 auf 3,6 Prozent abgenommen. Auch in den anderen fünf Gemeinden mit mehr als 10’000 Einwohnerinnen und Einwohnern lag die Sozialhilfequote 2020 über dem kantonalen Schnitt von 1,4 Prozent. Grundsätzlich ist die Sozialhilfequote in kleineren Gemeinden tiefer als in Städten.

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