Salzkorn
Im Zuckermonat Dezember

Die süssen Versuchungen lauern an jeder Ecke. Sie springen dich an und rufen: Nimm mich mit und vernasch mich!

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Bei jedem Besuch der Käseverkäuferin des Vertrauens am St.Galler Marktplatz gibt’s zum Abschied ein Schöggeli. Auch die Coiffeuse schenkt einem als Dank für die Treue einen Panettone, denn Weihnachten steht vor der Tür. Und im Secondhandladen versüsst einem die nette Verkäuferin das Einkaufserlebnis mit selbstgebackenen Guetsli, die man unbedingt noch probieren müsse. Wenn man dann im Neumarkt einkaufen geht, springen einen die Zuckerbomben im Hauptgang von allen Seiten an und rufen: Nimm mich mit und vernasch mich!

Die Versuchung lauert überall im Zuckermonat Dezember. Manche stellen auf ihren Bürotisch auch noch eine Schale Gummibärchen oder Pralinen auf. Soll die Laune heben. Ob es eine gute Idee ist, sich an jeder Ecke den Bauch vollzuschlagen? Man wird ja älter und damit nicht unbedingt schlanker. Das kleine Stück vom Glück zwischendurch tut jedenfalls gut. Vielleicht hat man in zehn Jahren Diabetes, das weiss man nicht so genau. Egal, die Zuckerindustrie freut’s.