«Red Bull X-Alps»
Zu viele Wolken am Säntis: Profis messen sich beim härtesten Gleitschirmrennen der Welt

Das «Red Bull X-Alps» gilt als eines der härtesten Gleitschirmrennen der Welt. Am Mittwoch führte die 10. Austragung der Alpendurchquerung am Kontrollpunkt beim Ostschweizer Hausberg vorbei.

Karin Erni
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Der Schweizer Patrick von Känel passiert auf dem Weg zum Säntis das Montafon.

Der Schweizer Patrick von Känel passiert auf dem Weg zum Säntis das Montafon.

Bilder: Red Bull

Das Gleitschirmrennen «Red Bull X-Alps» hat den Status einer inoffiziellen Weltmeisterschaft und wird seit 2003 alle zwei Jahre durchgeführt. Und jedes Jahr liegt die Messlatte noch etwas höher: Bei den ersten fünf Austragungen mussten zwischen 800 und 900 Kilometer zurückgelegt werden, seit 2013 sind es über 1000 Kilometer.

Während früher der Alpenbogen von Nord nach Süd bis zum Ziel in Monaco überquert wurde, gibt es dieses Jahr eine neue Streckenführung. Die 29 teilnehmenden Athletinnen und Athleten überwinden dabei 1238 Kilometer Luftlinie von Salzburg via Säntis zum Montblanc und wieder zurück nach Zell am See in Österreich. Fortbewegen dürfen sich die Teilnehmer dabei nur zu Fuss und per Gleitschirm. Sie wählen die Route selbst, müssen aber zwölf fixe Kontrollpunkte passieren.

Vier Schweizer nehmen die Herausforderung an

Mit insgesamt neun ersten Plätzen führt die Schweiz die ewige Rangliste an. Dieses Jahr sind vier Personen aus der Schweiz am Start. Der Berner Oberländer Chrigel Maurer hat bereits die vergangenen sechs Austragungen gewonnen. Der «Adler aus Adelboden» äusserte sich im Vorfeld des aktuellen Rennens jedoch nicht sehr zuversichtlich, da er einen Trainingsrückstand wegen einer Achillessehnenverletzung aufweist. Sein Landsmann Patrick von Känel tritt dieses Jahr zum zweiten Mal an. Hanes Kämpf ist Neuling. Die dritte im Bunde, die Walliserin Yael Margelisch, will an ihrer ersten Teilnahme das Rennen beenden und damit schaffen, was noch keine Frau vor ihr geschafft hat. Mit der Französin Laurie Genovese ist nur noch eine weitere Frau am Start.

Die Flieger müssen auch gut zu Fuss sein: Patrick von Känel und Chrigel Maurer auf dem Weg zur Krachelspitze.

Die Flieger müssen auch gut zu Fuss sein: Patrick von Känel und Chrigel Maurer auf dem Weg zur Krachelspitze.

Der Säntis als Kontrollpunkt

Die Maurer und von Känel befinden sich seit dem Start am 20. Juni in einer Spitzengruppe. Am heutigen vierten Tag stand die Passage des Säntis auf dem Programm. Allerdings mussten die Athleten den Ostschweizer Hausberg nicht anfliegen, sondern lediglich im Abstand von maximal 1,5 Kilometern passieren. Von St.Christoph am Arlberg, wo sie die Nacht verbrachten, ging es am Morgen früh zu Fuss hoch auf die 2700 Meter hohe Krachelspitze im Arlbergmassiv. Um 8.20 Uhr hoben sie Richtung Schweiz ab.

Die beiden Piloten flogen einen ziemlich südlichen Kurs, weitab von der direkten Linie. Offenbar wollten sie die Thermik über den Bergen des Montafon nutzen und das Rheintal an einer möglichst engen Stelle überwinden. Über der Ebene gibt es wenig Aufwind. Wer landen und laufen muss, verliert viel Zeit. Während Chrigel Maurer einmal zwischenlandete, überflog von Känel um 11 Uhr das Brandnertal und durchquerte über Mittag Liechtenstein.

Die Schweizer kamen gut über die Rheinebene und schraubten sich der Bergflanke entlang hinauf nach Wildhaus. Wegen Wolken mussten beide landen und zu Fuss Richtung Säntis marschieren. Um 14.42 Uhr passierte Chrigel Maurer als erster den Turnpoint im Bereich des Säntis. Von Känel schaffte es sieben Minuten später. Dicht auf den Fersen war ihnen der Italiener Aaron Durogati. Bei Redaktionsschluss haben ihn die Schweizer aber bereits wieder abgehängt und sind im Glarnerland angekommen.

Video: FM1Today

Das Rennen kann im Internet via Live-Tracker verfolgt werden: https://www.redbullxalps.com/live-tracking.html