Pädophilie
Seine Opfer fand er in Rumänien: Thurgauer Rentner muss wegen Sex mit Minderjährigen ins Gefängnis

Ein 73-jähriger Thurgauer verbrachte seine Ferien regelmässig in Rumänien, um Sex mit minderjährigen Jungen zu haben. Jetzt verurteilte ihn das Bezirksgericht Arbon zu 33 Monaten Haft.

Christof Lampart
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Der Eingang zur Schlossgasse 4 in Arbon, wo sich auch das Bezirksgericht befindet.

Der Eingang zur Schlossgasse 4 in Arbon, wo sich auch das Bezirksgericht befindet.

Bild: Reto Martin

Der Mann war der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt sowie der mehrfachen Pornografie vor dem Bezirksgericht Arbon angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine unbedingte Strafe von 3,5 Jahren, die Verteidigung 24 Monate bedingt gefordert. Beide Seiten sprachen sich für die Anordnung einer ambulanten Therapie aus.

Viel Selbstmitleid, wenig Empathie

Der 73-jährige aus dem Thurgau versuchte vor Gericht alles, um sich in ein gutes Licht zu rücken. Er lebe heute allein, pflege keine sozialen Kontakte und verspüre auch keine sexuelle Lust mehr, erzählte er. Dazu sei er psychisch ein Wrack:

«Ich kann seit der U-Haft nicht mehr schlafen; ich nehme Medikamente, doch sie nützen nichts.»

Immer wieder wache er von Angst- und Schweissausbrüchen geplagt auf: «Ich sehe dann Kinder vor mir.» Im Schlusswort rang er sich eine Entschuldigung ab: «Ich möchte sagen, dass das Ganze mir unendlich leidtut. Ich hoffe und wäre dankbar für ein mildes Urteil. Ich verspreche: Das passiert nie mehr.»

Türschild des Bezirksgerichts Arbon.

Türschild des Bezirksgerichts Arbon.

Bild: Reto Martin

Was er jedoch praktisch gänzlich vermissen liess, war Empathie für seine Opfer. Zwischen 2015 und 2017 sei es während seiner Ferien zu Beziehungen mit mindesten vier rumänischen Jungen, die damals alle zwischen 14 und 17 Jahre alt gewesen sein dürften, gekommen. Das Schutzalter liegt in Rumänien bei 15 Jahren, die Volljährigkeit erreichen Rumänen mit dem 18. Geburtstag. Obwohl es sich dabei um eine gewisse Freiwilligkeit seitens der Rumänen gehandelt haben dürfte, stand fürs Gericht ausser Frage, dass der Schweizer die Notlage der Jungen ausgenutzt habe, um seine «egoistischen Motive zu verwirklichen».

Bedürfnisse skrupellos umgesetzt

In der Tat hatte der Angeklagte eine grosse kriminelle Energie an den Tag gelegt, um seine Pläne umzusetzen. Während in der Schweiz nur seine Eltern um seine Homosexualität wussten, die er im Alltag völlig unterdrückte, liess er es im Ausland richtig krachen. Im wirtschaftlich armen Rumänien mietete er sich ein Haus und liess es während dreier Jahre umbauen. Am Bau waren auch Minderjährige beteiligt, die ihm gegen geringes Entgelt bei seinen Ferienaufenthalten sexuell zu Diensten waren.

Staatsanwalt geht von 30 bis 40 sexuellen Kontakten aus

Während er zehn bis zwölf solcher Kontakte einräumte, ging die Anklage von 30 bis 40 aus. Er habe auf jeden Fall einen grossen organisatorischen Aufwand betrieben, «um ungestört sexuelle Kontakte mit Jugendlichen zu haben», urteilte der Richter und kanzelte ihn als «Ausbeuter von jungen Menschen» ab:

«Sie haben ein Geschäftsmodell an einem Ort betrieben, wo Armut und Not herrscht und wo es für Sie billig ist. Und wo viele Jugendliche solche Sachen auch für Geld machen.»

Zwar habe er zum Erreichen seiner Ziele weder Zwang noch Drohungen und auch keinen Alkohol und keine Drogen eingesetzt, doch das mache sein Verhalten nicht besser: «Sie hatten Bedürfnisse und haben diese skrupellos ohne Empathie umgesetzt.»

Pornos per Skype-Chat geliefert

Hinzu kam, dass sich der Mann von seinem rumänischen Bekannten, welcher den Bau vor Ort leitete, über seinen Skype-Chat an seine Thurgauer Wohnorte selbst hergestellte Bilder und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt liefern liess. Dass er diese unaufgefordert erhalten und nicht gewollt habe, glaubte das Gericht dem Mann nicht und verurteilte ihn zu 33 Monaten Haft unbedingt und einer ambulanten Therapie. Eine bedingte Strafe wäre nur in Frage gekommen, wenn eine günstige Prognose im Raum gestanden hätte. Allerdings ging ein Gutachten von einer mittelgrossen Rückfallgefahr aus, so dass der Richter trocken festhielt:

«Wenn eine ambulante Massnahme angezeigt ist, und die Prognose ist negativ, dann beisst sich das.»

Auch muss der Rentner in den nächsten Jahren einen hohen Schuldenberg abbezahlen: Neben den Verfahrens- und Untersuchungskosten von über 45'600 Franken muss er auch für über 13'800 Franken an Anwaltshonoraren geradestehen, wenn er dazu wirtschaftlich wieder in der Lage sein sollte.

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