«Ostschweizer helfen Ostschweizern»
Wie die Tagblatt-Weihnachtsaktion das Leben einer alleinerziehenden St.Gallerin erleichtert

Corinne Rölli ist alleinerziehend. Der Kindsvater kann keinen Unterhalt zahlen. Dank der Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) konnte die Mutter ihrer Zweijährigen ein neues Bett kaufen.

Rossella Blattmann Jetzt kommentieren
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Corinne Rölli freut sich mit ihrer zweijährigen Tochter über die neuen Kinderzimmermöbel.

Corinne Rölli freut sich mit ihrer zweijährigen Tochter über die neuen Kinderzimmermöbel.

Bild: Ralph Ribi

Alina* will spielen. «Gumpe», ruft sie und rennt in ihr Zimmer. Gestützt von den Händen der Mama Corinne Rölli steigt Alina auf ihr neues Bett und hüpft drauf los. Die dunklen Löckchen fliegen nur so durch die Luft, begleitet vom lauten Kinderlachen der Zweijährigen. «Sie ist ein ‹Fägnäscht›», sagt Rölli und schaut liebevoll zu ihrer Tochter.

Ende Monat bleibt nicht mehr viel übrig

An diesem St.Galler Herbstvormittag scheint die Sonne durchs Fenster und auch die Stimmung bei Corinne Rölli und ihrer Tochter ist heiter. Dass das Leben der beiden nicht immer einfach ist – davon ist nichts zu merken.

Denn Corinne Rölli ist alleinerziehend. Alinas Vater hatte sie an einem Sommertag auf Drei Weieren kennen gelernt. Die ohnehin schon von vielen kulturellen Differenzen geprägte Beziehung sei sechs Monate nach der Geburt in die Brüche gegangen. «Den zusätzlichen Anforderungen einer gemeinsamen Kindererziehung hielt die Beziehung nicht stand», sagt Rölli.

Mit den 3400 Franken, die Rölli mit einem 60-Prozent-Pensum als Sozialpädagogin verdient, finanziert sie sämtliche Lebenshaltungskosten der zweiköpfigen Familie. «Alinas Papi ist arbeitslos. Ohne Einkommen ist er nicht in der Lage, uns finanziell zu unterstützen», sagt Rölli. Rechnungen bezahlen, Kinderkrippe, Lebensmittel, Kleider für das heranwachsende Kind – am Ende des Monates bleibe da nicht mehr viel Geld auf dem Konto übrig.

Freude und Dankbarkeit

Das Bett, auf dem Alina so fröhlich hüpft – sowie weitere Möbel fürs Kinderzimmer ihrer heranwachsenden Tochter – konnte sich Corinne Rölli nur dank den 500 Franken leisten, die sie im vergangenen Jahr von der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) erhielt. Eine Berufsbeiständin der Stadt St.Gallen hatte das Gesuch gestellt, das der OhO-Beirat bewilligte. Sie war beigezogen worden, um die Vaterschaft und die Unterhaltsforderungen zu klären.

Als Corinne Rölli vom OhO-Weihnachtsgeschenk erfuhr, sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen. «Ich war so froh, als ich von OhO das Geld für Alinas Kinderzimmereinrichtung erhielt», sagt sie. Und:

«Ich bin dankbar, dass es in der Ostschweiz Menschen gibt, die genug Geld haben, und bereit sind, dieses zu teilen.»

Ein schönes Leben für die Tochter

Alina hat genug vom «Gumpe», und schnappt sich von ihrem Znünitellerchen ein paar Trauben. Corinne Rölli wirkt müde. Sie schaut auf die Uhr - bald muss sie los zur Arbeit, davor den Reis und das Gemüse fürs Zmittag kochen und ihre Tochter in die Kita bringen. Von Alinas Vater fehle nicht nur die finanzielle, sondern auch die physische Unterstützung. Rölli sagt:

«Freizeit – was ist das?»

Wäre er präsenter, hätte sie auch mal Zeit für sich selbst, und folglich mehr Kraft und Energie für die Erziehung von Alina, so Rölli.

Ihr Ex-Freund sehe die Tochter nur in sehr unregelmässigen Abständen, sagt Rölli, und ihre Augen werden feucht.

«Mein Vater war und ist eine wichtige Bezugsperson in meinem Leben. Zu sehen, dass meine Tochter das nicht haben wird, tut meinem Mutterherz weh.»

Bald ist wieder Weihnachten. «Dieses Jahr feiern wir gemeinsam mit Geschwistern bei meinen Eltern in Wolfhalden». sagt Rölli. Für Alina wird ein liebevoll verpacktes Playmobil-Puppenhaus unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum stehen. Für sich selber wünsche sich Corinne Rölli nichts. «Ich will nur, dass meine Tochter ein schönes Leben hat», sagt sie.

*Name von der Redaktion geändert.

Odilia Hiller neue OhO-Präsidentin

Die Weihnachtsspendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) findet 2021 zum 17. Mal statt. OhO unterstützt unbürokratisch und gezielt Menschen in der Region, die finanzielle Unterstützung benötigen. Träger sind das «St.Galler Tagblatt» und seine Regionalausgaben sowie das Ostschweizer Fernsehen TVO und Radio FM1. Seit 2005 wird jeweils in der Vorweihnachtszeit Geld gesammelt und, wann immer möglich, bis Weihnachten überwiesen.

OhO-Präsidentin Odilia Hiller (links ) und Beiratspräsidentin Marianne Koller-Bohl.

OhO-Präsidentin Odilia Hiller (links ) und Beiratspräsidentin Marianne Koller-Bohl.

Bilder: Michel Canonica/Ralph Ribi

Spenden können alle, auch kleine Beträge helfen. OhO will entlasten und eine Freude bereiten. Die Aktion unterstützt sowohl Einzelpersonen als auch Familien aus den Kantonen St.Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell. Jedes Gesuch muss begründet sein und die Notsituation genau dargelegt. Privatpersonen, Sozialämter, Hilfswerke und Anlaufstellen für Menschen in Not können noch bis zum 30. November 2021 Gesuche einreichen.

Neu hat in diesem Jahr Odilia Hiller das Vereinspräsidium übernommen. Die St.Gallerin ist Regionalleiterin und stellvertretende Chefredaktorin des «St.Galler Tagblatts». Die studierte Romanistin und Germanistin ist seit 2008 für das «Tagblatt» tätig.

Seit vergangenem Jahr wird der ehrenamtliche OhO-Beirat von der ehemaligen Ausserrhoder Regierungsrätin Marianne Koller-Bohl präsidiert. Vor ihrer Wahl in die Exekutive war Koller-Bohl Direktorin der Berit Klinik in Niederteufen. Der OhO-Beirat entscheidet im November und Dezember über die Spendenvergaben. Dem Gremium gehören Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik aller Ostschweizer Kantone an. (bro)

So können Sie spenden: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, «Ostschweizer helfen Ostschweizern» zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie hier.

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