«Ostschweizer helfen Ostschweizern»
«Ich bin dankbar, dass ich noch lebe»: Warum eine Gossauerin für Ostschweizer in der Not gebastelt und gespendet hat

Jana Fässler hat der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern über 2000 Franken gespendet. Dies auch, weil die 36-Jährige selbst schwere Zeiten durchmachen musste.

Rossella Blattmann 1 Kommentar
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Seit einem unverschuldeten Unfall vor 13 Jahren ist Jana Fässler halbseitig gelähmt.

Seit einem unverschuldeten Unfall vor 13 Jahren ist Jana Fässler halbseitig gelähmt.

Bild: Ralph Ribi

«Ich bin stolz und glücklich», sagt Jana Fässler. Die 36-jährige Gossauerin sitzt in einem Café im St.Galler Lachenquartier und strahlt. Der Grund für ihre Freude: Die über 2200 Franken, die sie in der vergangenen Adventszeit der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern (OhO) spendete. An zwei Samstagen verkaufte die gelernte Drogistin Fässler vor der Lachen-Drogerie selbst gemachte Geschenke wie Seifen, Kärtchen oder Zündholzschachteln.

«Es war unglaublich kalt, doch es hat sich mehr als gelohnt», sagt Fässler, und trinkt einen Schluck Pfefferminztee. Eigentlich habe sie ihre Kreationen am Abtwiler Adventsmarkt verkaufen wollen. Doch da dieser wegen der Coronapandemie ins Wasser gefallen war, wich Fässler auf ihren ehemaligen Lehrbetrieb, die Lachen-Drogerie, aus.

Drei Wochen im Koma

Jana Fässler kann wegen eines unverschuldeten Unfalls vor 13 Jahren ihren gelernten Beruf nicht mehr ausüben. Seither ist sie auf der rechten Seite halbseitig gelähmt. «Ich war vom St.Galler Feldli mit meinem Roller auf dem Nachhauseweg in Richtung Engelburg unterwegs. Plötzlich machte ein Autofahrer, der vor mir fuhr, unerwartet kehrt, prallte mit mir zusammen, und ich flog über das Auto», sagt Fässler mit gefasster Stimme. Der Zusammenstoss war so heftig, dass sich ihr Helm löste und sie ungeschützt auf den Asphalt prallte. Die schwerwiegenden Folgen: ein Schädel-Hirn-Trauma, mehrere Knochenbrüche und ein dreiwöchiges Koma.

Als Fässler im Kantonsspital St.Gallen aus dem Koma erwachte, war nichts mehr, wie es vorher war. «Ich konnte nicht mehr sprechen, nur noch nicken, was die Kommunikation erschwerte und viel Geduld abverlangte», sagt Fässler. Sprechen, schreiben, gehen: All das musste sie, die auch heute noch regelmässig die Logopädie und Physiotherapie besucht, in der Rehaklinik in Zihlschlacht über mehrer Jahre hinweg neu lernen.

Etwas zurückgeben

Trotz des schweren Unfalls hadert Fässler nicht mit ihrem Schicksal. «Ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort», sagt sie.

«Ich bin dankbar, dass ich noch lebe.»

Ihr Schicksal sei auch der Grund, warum sie den Erlös des Adventsverkaufs Ostschweizer helfen Ostschweizern gespendet habe, sagt Fässler. Durch ihr Lieblingsradio FM1 sei sie auf die Spendenaktion aufmerksam geworden.

Seit ihrem Unfall habe sie sehr viel Unterstützung erfahren, wofür sie Familie und Freunden gegenüber sehr dankbar sei.

«Darum will ich auch in dieser Adventszeit wieder einen persönlichen Beitrag für Menschen leisten, die ebenfalls schwierige Zeiten erlebt haben. Ihnen zu helfen und etwas weiterzugeben, bedeutet mir sehr viel.»
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Stavros Vlachos

Hallo Frau Fässler, wir haben einiges gemeinsam. Ich wurde im Ausland überfallen und im KASPI wurde ich dank drei schwierigen Hirnoperationen wieder zum Leben erweckt.Ich konnte auch nicht mehr sprechen und schreiben und musste alles wieder lernen.Und das Frau Fässler in der gleichen Reha wo auch Sie waren! Auch ich bin sehr dankbar für das zweite Leben das ich am 21.7.2018 erhalten habe. Ich wünsche Ihnen nur das Beste dieser Welt,vielleicht sehen wir uns einmal zum Kaffee in der Lachen. MFG S.C.Vlachos,Thal.

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