Nach Oberuzwil SG sollte am Samstag auch in Zürich ein Festival für das eritreische Regime stattfinden. Hunderte Demonstranten lieferten sich Scharmützel gegen Afewerki-Anhänger und eine überforderte Polizei.
In Zürich kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei. Mehrere hundert eritreische Flüchtlinge wollten ein Festival der Anhänger der Diktatur verhindern und dagegen protestieren.
Viele der Demonstranten sind direkt aus Oberuzwil angereist, nachdem dort ein Festival von rund 500 Demonstrierenden verhindert wurde. In Oberuzwil machte sich bei den Demonstrierenden schnell das Gerücht breit, dass in Zürich ein neues Festival stattfinden sollte und so reisten Dutzende Autos von Oberuzwil an die Stadtgrenze von Zürich.
Das Festival in Oberbüren wurde verhindert:
Im Glattpark in Opfikon bei Zürich gerieten die regimekritischen Demonstranten auf Anhänger des Diktators Afewerki und es kam zu einem Tumult. Mehrere Augenzeugen schildern, dass die Menschen mit Stöcken, Steinen und Fäusten aufeinander eingeschlagen haben. Die Polizei trennte die beiden Gruppierungen schliesslich und setzte Tränengas ein.
Mehrere Rettungsfahrzeuge und Rega-Helikopter waren im Einsatz. Laut der Polizei wurden 12 Personen verletzt, sieben davon mittelschwer. Drei Personen wurden verhaftet. Ein pikanter Punkt: Die Polizei hat nebst den einkesselten Demonstranten auch rund 30 Afewerki-Anhänger gefasst, die gegen die angereisten Demonstranten tätlich wurden. Ob sich unter den drei verhafteten Personen auch Anhänger des Regimes befinden, wollte die Kantonspolizei Zürich nicht sagen.
Die Menschen, die mit himmelblauen Flaggen und T-Shirts als Demonstranten aufgetreten sind, waren Anhänger der einstigen Partei «Befreiungsfront» (ELF), aus der im Unabhängigkeitskrieg die «Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit» (PFDJ) hervorging, die auch heute noch an der Macht ist und eine Einparteiregierung bildet. Seit dem Ende des Unabhängigkeitskrieg – der am 1. September 1961 begonnen hat und Grund für die Festivals war – gab es keine Wahlen mehr in Eritrea.
In der israelischen Stadt Tel Aviv wurden bei schweren Zusammenstössen zwischen der Polizei und Migranten aus Eritrea mehr als 150 Menschen verletzt. Hunderte Eritreer hatten am Samstag vor der Botschaft ihres Landes gegen die dortige Regierung protestiert. Auch in Norwegen – genauer in Bergen – bewarfen sich Gegner und Anhänger der eritreischen Regierung mit Steinen und Flaschen. Mindestens ein Mensch sei verletzt worden.
Hintergrund der Gewalt ist der Krieg, bei dem sich Eritrea die Unabhängigkeit von Äthiopien erkämpfte. Er dauerte von 1961 bis 1991. Seit 1993 regiert Präsident Isaias Afewerki das Land in einer Ein-Parteien-Diktatur. Meinungs- und Pressefreiheit sind in Eritrea stark eingeschränkt. Zudem herrscht ein strenges Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem, vor dem viele Eritreer ins Ausland fliehen. (dpa)
Wegen dieser Auseinandersetzung musste der Verkehr rund um den Glattpark bis ungefähr 22 Uhr umgeleitet werden. Während einer Stunde waren zudem die Tramlinien 11 und 12 unterbrochen.
Das Grossaufgebot der Einsatzkräfte umfasste neben der Kantonspolizei Zürich auch die Stadtpolizei Zürich, die Kommunalpolizeien Opfikon, Wallisellen, Illnau-Effretikon, Dübendorf, Volketswil, die kommunale Polizei Ronn, die Polizei rechtes Limmattal, Schutz & Rettung Zürich mit einem Grossaufgebot, Rettungswagen von Regio Uster, den Spitälern Bülach, Limmattal, Horgen, Lachen, Schaffhausen, Einsiedeln, je ein Rettungshelikopter der Rega und der Air Alpine Ambulance und die Feuerwehr Opfikon.