Olma-Baustelle
Auf der Olma-Baustelle entsteht die erste stützenfreie Halle der Ostschweiz – was das mit Elefanten zu tun hat

Auf dem neuen Deckel über der St.Galler Stadtautobahn wird gerade eine Halle für bis zu 12'000 Menschen gebaut. Sie ist nun zur Hälfte fertiggestellt. Zum ersten Mal lassen sich die Dimensionen der künftigen Halle abschätzen.

Renato Schatz
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Derzeit arbeiten etwa 45 Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter an der neuen Halle 1.

Derzeit arbeiten etwa 45 Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter an der neuen Halle 1.

Bild: Tobias Garcia

«Elefantenfüsse», nennt sie Marcel Santer vom Architekturbüro Ilg Santer irgendwann. Und damit ist er gar nicht so weit entfernt von der Wahrheit. Denn sie tragen – wie Elefanten auch – viele Tonnen Gewicht. Doch über den Elefantenfüssen neben dem Olma-Areal in St.Gallen ruht kein Rüssel, sondern die neue Halle 1, die bis zu 25'000 Tonnen wiegt.

Zumindest wird sie das, Ende 2023, wenn die Halle nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit stehen soll. So zumindest die Schätzung von Santer, der am gestrigen Donnerstagnachmittag über die Baustelle führt. Oder anders: über die Baustelle über der Baustelle. Ein Grund für den Neubau ist im wahrsten Sinne des Wortes der: Grund. Die Halle entsteht nämlich auf dem neuen Deckel der Stadtautobahn. Dank diesem wurden gut 7000 Quadratmeter bebaubare Fläche geschaffen. Ende August ist der Deckel vollständig fertig. Dann trennen Autobahndach und Hallenboden fünf Meter. Und Autofahrer und Hallenbesucher vielleicht das eine oder andere Promille im Blut.

Über 160 Millionen Franken kostet das Projekt sam Autobahndeckel.

Über 160 Millionen Franken kostet das Projekt sam Autobahndeckel.

Bild: Tobias Garcia

Eine Halle ohne Säulen

Die Halle soll nicht nur für Messen wie die Olma genutzt werden, sondern auch für Konzerte oder Sportveranstaltungen. Bis zu 12'000 Menschen passen in die eineinhalb Fussballfelder grosse Halle. Dazu kommt noch das Foyer, das nochmals 90 auf 30 Meter gross ist. Wer auf der Baustelle umhergeht, sieht die Dimensionen. Wegen der zwölf Elefantenfüsse.

Denn sie sind alle an den Seiten sowie zwischen Foyer und Halle platziert. Heisst: Die Halle kommt ohne Säulen aus. Die Elefantenfüsse tragen folglich sowohl die Seitenwände als auch das Dach. Santer sagt:

«Einige Elefantenfüsse tragen etwas mehr, andere etwas weniger. Das Gewicht wird ausbalanciert. Wie bei echten Füssen.»
Marcel Santer ist als Vertreter des Architekturbüros Ilg Santer, bei dem er selber Miteigner ist, vor Ort.

Marcel Santer ist als Vertreter des Architekturbüros Ilg Santer, bei dem er selber Miteigner ist, vor Ort.

Bild: Tobias Garcia

Ein Elefant im Porzellanladen ist die neue Halle 1 aber nicht. Sie ist fest verankert, bewegt sich nicht, bewegt im besten Fall die Besucherinnen und Besucher. Ausserdem besteht der Überbau nicht aus Porzellan, sondern aus Glas. Er wird «mit einem dezenten Glow» beleuchtet werden, wie Santer sagt. Man braucht viel Vorstellungskraft, um sich dieses Licht vorzustellen, da neben den Elefantenfüssen bisher nur Teile der Seitenwände stehen, an denen ein Teil der gegenwärtig etwa 45 Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter werkelt. «Wenn der Innenausbau beginnt, wird ein Vielfaches davon auf der Baustelle sein», sagt Santer.

So soll die eineinhalb Fussballfelder grosse Halle nach Fertigstellung aussehen.

So soll die eineinhalb Fussballfelder grosse Halle nach Fertigstellung aussehen.

Visualisierungen: Ilg Santer Architekten

Grosse Entfernungen, auch in der Höhe

Einmal ruft einer der Bauarbeiter mit orangen Hosen und braungebranntem Bauch: «Achtung!» Und zeigt nach oben, wo ein Metallhaken von einem Kran herunterhängt. Sprechen, das reicht nicht, auch auf dieser Baustelle. Es wird stattdessen gerufen. Nicht nur des Lärms wegen, des Bohrens, Schleifens, Hämmerns. Vielmehr, weil die Entfernungen gross sind, auch in der Höhe. 14 Meter werden zwischen Hallenboden und Hallendecke liegen.

Das kostet. Der Rohbau verschlingt im Schnitt etwa eine Million Franken pro Monat, der Ausbau später dann rund fünf. Insgesamt wird die Halle über 120 Millionen Franken kosten. Zusammen mit dem Autobahndeckel ist das Projekt gar 164 Millionen Franken teuer. Stadt und Kanton beteiligen sich finanziell; auch vom Agglomerationsprogramm des Bundes, das die Verkehrsinfrastruktur unterstützt, kommt ein Betrag. Für über 80 Prozent der Summe kommt aber die Genossenschaft Olma-Messen St.Gallen auf, die ein üppiges Darlehen aufgenommen hat. Die Finanzierung steht also.

Ein Elefantenfuss aus nächster Nähe.

Ein Elefantenfuss aus nächster Nähe.

Bild: Tobias Garcia

Genauso wie die Elefantenfüsse, die Santer nun anpeilt. Sie haben die Masse eines grossen Schlafzimmers und sind innen hohl. Was die Tatsache, dass später bis zu 2000 Tonnen auf einem Fuss lasten werden, noch unbegreiflicher macht. Das Material: Beton. Die innere Schicht aus herkömmlichem Beton, die äussere aus verspieltem. Santer sagt: «Ein bewusster Kontrast zu den anderen, ungleich feineren Flächen des normalen Sichtbetons.» Das sieht dann so aus: grob, aus ein paar Metern Distanz wie Stein, dunkelgrau. Elefantendunkelgrau?

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