Nachgefragt
Notrufknopf auf dem Smartphone: Wie Ostschweizer Forschende mit einer App Kinderrechte verbessern wollen

Ein Viertel der Sechs- bis Neunjährigen hat ein eigenes Handy: Matthias Baldauf, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Ostschweizer Fachhochschule, arbeitet an einer App, die Kinder auf ihre Rechte aufmerksam machen will.

Rossella Blattmann
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Die Kinderrechte-App der OST richtet sich an Sechs- bis Zwölfjährige Kinder.

Die Kinderrechte-App der OST richtet sich an Sechs- bis Zwölfjährige Kinder.

Bild: Getty

Ein von der OST, der PH Luzern und Unicef Schweiz und Liechtenstein initiiertes und von einem breiten Partnernetzwerk unterstütztes Projekt möchte Kinder per App auf ihre Rechte aufmerksam machen. Warum?

Matthias Baldauf, Professor an der Ostschweizer Fachhochschule.

Matthias Baldauf, Professor an der Ostschweizer Fachhochschule.

Bild: PD

Matthias Baldauf: Gemäss der 1997 in der Schweiz in Kraft getretenen UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat jedes Kind unter anderem das Recht, nicht diskriminiert zu werden, das Recht auf Mitbestimmung, das Recht auf Schutz vor jeglicher Form von Gewalt und das Recht auf Bildung. Es gibt bereits einiges an Material zum Thema Kinderrechte, das sich aber vor allem an Erwachsene richtet oder die neuen digitalen Möglichkeiten nicht nutzt. Dies soll sich mit der App nun ändern.

An welche Altersgruppe richtet sich die App?

Im Projekt werden wir mit sechs- bis zwölfjährigen Kindern arbeiten, die die Anwendung partizipativ mitgestalten.

Sechsjährige Kinder? Ist das nicht zu früh für ein Smartphone?

Natürlich ist es wichtig, dass Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder kritisch verfolgen und es gibt auch klare Empfehlungen dazu. Gleichzeitig besitzt rund ein Viertel der Sechs- bis Neunjährigen ein eigenes Handy, bei den 12- bis 13-Jährigen sind es rund drei Viertel. Eine digitale Lösung zur Vermittlung und Wahrnehmung der UN-Kinderrechte bietet sich also an. Uns ist aber bewusst, dass nicht alle Kinder in der von uns angestrebten Zielgruppe Zugang zu einem Smartphone haben. Das Angebot soll auch im Web erreichbar sein.

Zurück zu Ihrem Projekt: Wie soll die App einem Buben oder einem Mädchen konkret aus einer Notsituation helfen?

Eine erste Idee von Fachpersonen war beispielsweise ein Notrufknopf. Wenn sich ein Kind in einer Notsituation befindet – es wurde von den Eltern geschlagen, hat Angst, und weiss nicht weiter – soll der Notfallknopf das Kind direkt mit den richtigen Anlaufstellen verbinden, die dann dem Kind weiterhilft. Wir möchten solche bestehenden Angebote bestmöglich in die App integrieren. Die App soll auch Hemmschwellen für besonders vulnerable Gruppen abbauen.

Vulnerable Gruppen?

Damit sind zum Beispiel Kinder aus einem problematisierten Wohnumfeld, die im stationären oder Pflegefamilienkontext leben oder Migrationserfahrung haben, gemeint. Für diese Kinder ist der Zugang zu Hilfe in einer Notsituation oft schwer, da teilweise eine erwachsene Bezugsperson fehlt oder Sprachbarrieren bestehen.

Kinderrechte auf dem Smartphone – gibt es in der Schweiz bereits ein solches Projekt?

Nein, noch nicht. In Deutschland oder in Österreich gibt es bereits ähnliche Apps – diese richten sich aber vor allem an ältere Kinder und wurden nicht gemeinsam mit Kindern und somit aus deren Perspektive konzipiert. Das soll sich bei unserem Projekt ändern.

Was ist der aktuelle Stand?

Nach Workshops mit 60 Schweizer Fachpersonen steht im Herbst dieses Jahres die Partizipation der jungen Expertinnen und Experten an. An Workshops in der ganzen Schweiz, auch im Raum St.Gallen, werden Forschende gemeinsam mit Kindern das Projekt weiterentwickeln. Wir freuen uns sehr darauf, die Meinungen und konkreten Bedürfnisse der Kinder zu hören und einfliessen zu lassen.

Ab wann kann man die OST-Kinderrechte-App herunterladen?

Die App wird voraussichtlich Ende 2022 verfügbar sein.

Wie soll die App heissen?

Das ist aktuell noch unklar. Vielleicht ist auch das etwas, das die Kinder in unseren Workshops entwickeln werden.

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