Museumsbeiträge
Kleinerer Finanzzustupf des Bundes für die Stiftsbibliothek St.Gallen – und das Textilmuseum geht erneut leer aus

Ab 2023 unterstützt der Bund 16 Schweizer Museen mit Betriebsbeiträgen, bisher waren es 12. In der Ostschweiz profitiert weiterhin nur die Stiftsbibliothek St.Gallen, deren Beitrag allerdings gekürzt wurde. Zum zweiten Mal erfolglos blieb die Bewerbung des Textilmuseums St.Gallen.

Marcel Elsener
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Die St.Galler Kulturchefin Laura Bucher bestaunt die populäre Ausstellung «Modes politiques» im Textilmuseum St.Gallen. Für einen Bundesbeitrag ist das Museum offenbar noch nicht reif.

Die St.Galler Kulturchefin Laura Bucher bestaunt die populäre Ausstellung «Modes politiques» im Textilmuseum St.Gallen. Für einen Bundesbeitrag ist das Museum offenbar noch nicht reif.

Bild: Michel Canonica

Mit insgesamt 6,3 Millionen Franken unterstützt das Bundesamt für Kultur 16 Museen in den Jahren 2023 bis 2026 mit einem jährlichen Betriebsbeitrag. 30 Museen hatten im Herbst 2020 ein Fördergesuch eingereicht; bei der ersten öffentlichen Ausschreibung 2017 waren es 35 Museen gewesen. Dabei müssen die Museen klare Kriterien erfüllen, die von externen Expertinnen und Experten geprüft werden: Die Institutionen sollen sich durch ihre Ausstrahlung und Qualität der musealen Arbeit auszeichnen, eine «wichtige und in ihrer Art einzigartige Sammlung von besonderer Bedeutung für das kulturelle Erbe der Schweiz» betreuen sowie «eine innovative Vermittlungsarbeit für ein breites und vielfältiges Publikum» anbieten.

Im Vergleich zur laufenden Förderperiode erhalten vier zusätzliche Museen einen Beitrag: Das Jurassica Museum in Porrentruy, das Musée international d’horlogerie in La-Chaux-de-Fonds, das Museum für Gestaltung in Zürich und das Zentrum Paul Klee in Bern. Mit jährlich 600'000 Franken erhält das Klee-Museum nach dem Verkehrshaus Schweiz in Luzern (1,52 Millionen Fr.) und dem Freilichtmuseum Ballenberg in Hofstetten (610'000 Fr.) den dritthöchsten Beitrag.

Stiftsbibliothek erhält 70'000 Franken weniger

Stiftsbibliothekar Cornel Dora.

Stiftsbibliothekar Cornel Dora.

Ralph Ribi

Als einzige Ostschweizer Institution profitiert wiederum die Stiftsbibliothek St.Gallen von einem jährlichen Betriebsbeitrag des Bundes: Ab 2023 sind es aber nicht mehr 250'000 Franken, sondern nur noch 180'000 Franken. Stiftsbibliothekar Cornel Dora spricht von einem «Wermutstropfen in der Freude über die wertvolle Hilfe»; die Reduktion für das bestbesuchte Museum der Ostschweiz habe nichts mit Qualitätseinbussen zu tun, sondern sei allein der breiteren Verteilung geschuldet, meint er. Trotzdem werde sich die Stiftsbibliotheksleitung überlegen, in welchen Bereichen sie sich noch verbessern und somit den BAK-Betriebsbeitrag erhöhen könnte.

Der Bund begründet seine Beiträge oder Ablehnungen nur auf Verlangen und zu Kosten von 500 Franken. Möglich, dass die Stiftsbibliothek die Expertise anfordern werde, sagt Dora. Er könne nur mutmassen, ob beispielsweise die Vermittlungsarbeit verbessert werden könne.

Textilmuseum hofft auf künftige Unterstützung

Tobias Forster, Präsident des Vereins Textilmuseums.

Tobias Forster, Präsident des Vereins Textilmuseums.

Ralph Ribi

Auch bei der zweiten Ausschreibung leer ausgegangen ist das neu aufgestellte Textilmuseum St.Gallen. «Wir haben uns leider erfolglos beworben, aber sind verwundert über die Absage», sagt Tobias Forster, Präsident des Vereins Textilmuseum. Schliesslich befinde sich das Textilmuseum noch immer in einer «Übergangsphase», was namentlich die Planung des neuen Museums und die derzeit interimistisch besetzte Direktion betreffe. «Wir machen mit unserem einzigartigen Museum vorwärts.» Von dem im Frühling vorgestellten Bauprojekt ist Forster begeistert; nun müsse es im Einklang mit der Denkmalpflege weitergedeihen und sei die Finanzierung aufzugleisen. Nachdem Kanton und Stadt ihre Beiträge bereits erhöht haben, hofft das Textilmuseum vor allem auf private Sponsoren.

Das Textilmuseum wird beim Bund die Begründung der neuerlichen Absage verlangen, erklärt Forster: «Das Expertenurteil ist eine gute Standortbestimmung und ausserordentlich nützlich für uns.» 2017 hatte das Museum zwar gute Noten erhalten, doch das Kriterium von 100'000 Besuchern nicht erfüllt. Ob diese Messlatte noch gilt, zumal nach den Corona-Einbussen, ist fraglich. Das Textilmuseum steigerte die Besucherzahlen 2019 auf 40'000 Eintritte, derzeit läuft die offenbar gut besuchte Ausstellung mit Modestücken von Politikerinnen («Robes politiques»). In jedem Fall werde sich das Textilmuseum in drei Jahren wieder um einen Betriebsbeitrag des Bundes bewerben.

Stiftsbibliothekar Cornel Dora würde sich darüber freuen, zumal er mit dem Textilmuseum einen freundschaftlichen Austausch pflegt. Er weist darauf hin, dass die Ostschweiz mit einer einzigen unterstützten Institution «nach wie vor klar untervertreten» sei – etwa im Vergleich zur Romandie, wo sechs Häuser eine Finanzhilfe erhalten. Östlich von Zürich erhält nebst der Stiftsbibliothek lediglich das Technorama in Winterthur einen Bundesbeitrag; die Institutionen der Kantone Thurgau, Schaffhausen, Graubünden, Glarus oder beider Appenzell gehen allesamt leer aus. Hier wäre wohl verstärkte Lobbyarbeit der Ostschweizer Politikerinnen und Politiker im Bundeshaus nicht verkehrt.