Kanton St.Gallen
Die Kriminalstatistik 2020 zeigt: Schwere Gewaltdelikte haben zugenommen

Die Straftaten gegen das Strafgesetzbuch haben zugenommen, wie die polizeiliche Kriminalstatistik vom vergangenen Jahr zeigt. Im Zusammenhang mit der Coronapandemie ist eine deutliche Zunahme von Betrugsfällen und Cyber-Delikten zu verzeichnen.

Siri Würzer
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Im vergangenen Jahr wurden im Kanton St.Gallen neun versuchte Tötungsdelikte verzeichnet.

Im vergangenen Jahr wurden im Kanton St.Gallen neun versuchte Tötungsdelikte verzeichnet.

Bild: PD

Die Gesamtkriminalität lag im Jahr 2020 mit total 25'474 erfassten Straftaten im Kanton St.Gallen knapp zwei Prozent über derjenigen des Vorjahres. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 25'013. Die Straftaten gegen das Strafgesetzbuch haben um drei Prozent zugenommen. Dazu gehören beispielsweise Betrugsfälle, verbotene Pornografie und Fahrzeugeinbruchdiebstähle. Andere Widerhandlungen etwa gegen das Betäubungsmittelgesetz haben um zwei Prozent abgenommen. Insgesamt fiel die Aufklärungsquote mit 63 Prozent im Vergleich zu 58 Prozent im Vorjahr leicht besser aus. Personen im Alter von 15 bis 19 Jahren sowie von 25 bis 39 Jahren sind 2020 die am häufigsten beschuldigte Altersgruppe gewesen. Männliche Personen machten dabei die Mehrheit aus.

Schwere Gewaltdelikte haben im vergangenen Jahr um 12 Prozent zugenommen. Dazu gehören Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigung. Betrachtet man die schweren Gewaltdelikte genauer, haben sowohl Tötungsdelikte als auch Vergewaltigungen abgenommen, während sich die Zahl der schweren Körperverletzungen fast verdoppelt hat. Die vollendeten und versuchten Tötungsdelikte haben von 11 im Vorjahr auf 9 im Jahr 2020 abgenommen. Bei allen Tatbeständen handelte es sich um Versuche – sämtliche Opfer haben überlebt.

Das Coronajahr 2020 hat viele Trendentwicklungen in der Kriminalstatistik unterbrochen.

Video: TVO

Schwere Körperverletzungen sind
kein direktes Resultat des ersten Lockdowns

Warum genau die schweren Körperverletzungen so stark zugenommen haben, lasse sich nicht abschliessend erklären, sagt Stefan Kühne, der Leiter der Kriminalpolizei des Kantons St.Gallen. Der Anstieg wurde nicht nur während des ersten Lockdowns, sondern über das ganze Jahr verteilt verzeichnet. Deshalb seien die unmittelbaren Auswirkungen der Coronapandemie auch keineswegs der einzige Grund dafür. Kühne sagt:

Stefan Kühne, Leiter Kriminalpolizei Kanton St.Gallen.

Stefan Kühne, Leiter Kriminalpolizei Kanton St.Gallen.

Bild: PD
«Ein grosser Teil ist wohl auch einfach Zufall.»

Noch weniger lasse sich zur Abnahme der zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen sagen. Hier sei die Dunkelziffer bekanntlich hoch, da viele Vorkommnisse von der Opferseite gar nicht angezeigt würden.

Betrugsfälle im Netz sind deutlich angestiegen

Eine weitere deutliche Zunahme gab es bei den Betrugsfällen. Diese stiegen im vergangenen Jahr um 34 Prozent. Diese Erhöhung der Betrugsfälle ist laut Kühne zum einen in der Zunahme der Cyber-Delikte begründet, anderseits seien gegen Ende des vergangenen Jahres auch erste Anzeigen wegen Covid-19-Betrügereien eingegangen.

1636 Cyber-Delikte, davon 1227 Vermögens- und 265 Sexualdelikte, wurden 2020 begangen. Bei Vermögensdelikten handelt es sich vorwiegend um Online-Betrüge, bei denen die Lieferung von Waren gegen Bezahlung versprochen wird sowie um Missbräuche von Online-Zahlungssystemen. Bei den Sexualdelikten handelt es sich in den meisten der angezeigten Fälle um verbotene Pornografie, welche über Social Media verbreitet und konsumiert wird.

Die Einbruchsdiebstähle haben
um fast einen Drittel abgenommen

Seit Ende letzten Jahres habe man zunehmend Covid-19-Betrügereien verzeichnet, sagt Kühne. Damit gemeint sind Betrüge bei der Auszahlung von Corona-Erwerbsersatzentschädigungen. So wurden beispielsweise auf dem Formular falsche Angaben gemacht, die Voraussetzungen waren nicht erfüllt oder es wurden Firmen angegeben, die gar nicht existieren. Solche Fälle dürften im aktuellen Jahr die Betrugs- und Konkursdelikte weiter in die Höhe treiben, sagt Kühne.

Massiv abgenommen haben im Coronajahr die Einbruchsdiebstähle, nämlich um 28 Prozent. Dieser Rückgang dürfte laut Kühne auf die Grenzschliessungen und Einschränkungen im Reiseverkehr ab Mitte März 2020 in Folge der Coronamassnahmen zurück zu führen sein. Dabei wurde es Kriminellen erschwert, überhaupt in die Schweiz zu gelangen.

Straftaten haben in der Ostschweiz insgesamt abgenommen

Anders sieht es derweil im Kanton Thurgau aus. Die Zahl der Straftaten hat hier im Jahr 2020 um fast 10 Prozent abgenommen. 8527 Straftaten wurden im vergangenen Jahr verzeichnet. 43,3 Prozent aller Delikte wurden aufgeklärt. Schwere Gewaltdelikte wie Tötungsdelikte und schwere Körperverletzung nahmen 2020 auch im Kanton Thurgau zu, nämlich um 10 Prozent. Die Zahl der Einbrüche sank laut Medienmitteilung um 24 Prozent auf den historischen Tiefststand von 487 Delikten.

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden liegt die Gesamtzahl der Straftaten nach Strafgesetzbuch für das Jahr 2020 bei 1723, was einer Abnahme von drei Prozent entspricht. Die Zahl der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz beträgt dort 187 und ist somit um neun Prozent gesunken. Im Bereich der Gewaltdelikte wurde eine Zunahme von neun Prozent auf 178 Straftaten verzeichnet, während die schwere Gewalt abnahm. Es wurden Tötungsdelikte und keine Körperverletzung verzeichnet. Die Zahl der Einbruchdiebstähle hingegen ist von 52 auf 61 angestiegen.