Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland
Schuldspruch: Mann schändet wehrlose Minderjährige im Schlaf

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilt einen Mann zu einer bedingten Haftstrafe. Er hatte eine minderjährige Bekannte nach einer Hochzeitsfeier geschändet.

Reinhold Meier
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Der Mann belästigte die junge Frau gleich mehrmals während der Tatnacht. (Symbolbild)

Der Mann belästigte die junge Frau gleich mehrmals während der Tatnacht. (Symbolbild)

Bild: Shutterstock

Die Hochzeitsfeier endete mit einem Übermass an Alkohol. Denn sowohl Täter als auch Opfer, beides Verwandte der Braut, konsumierten eine «erhebliche Menge an alkoholischen Getränken», wie die Anklage festhält. Später erhobene Proben zeigten, dass die zum Tatzeitpunkt minderjährige Frau rund 1.0 Promille im Blut hatte. Der Täter, knapp vier Jahre älter als sie, zwischen 1.0 und 1.6 Promille.

Die Frau verliess das Fest schliesslich gegen halb drei Uhr morgens und legte sich in der Familienwohnung im Raum Sargans ins Bett. Eine Cousine half ihr noch beim Auskleiden, dann schlief sie in der Unterwäsche ein. Zwei Stunden später erreichte auch der Täter die Wohnung. Hier nahm er, neben seinem reichlichen Alkoholkonsum, noch Cannabis zu sich. Eine Stunde später kam es zum Übergriff.

Das Opfer konnte sich nicht physisch wehren

Laut Anklage näherte er sich dabei dem daliegenden Opfer und begann es mit Händen und Zunge im Intimbereich zu berühren. Als die Frau irgendwann davon aufwachte, rief sie ausdrücklich: «Nein, Stopp.» Darauf liess er ab und ging in die Küche. Kaum aber war sie wieder weggedämmert, kehrte er zurück, und näherte sich ihr erneut, diesmal noch eindringlicher.

Schliesslich begann er sich dabei zusätzlich selbst zu befriedigen. Wieder erwachte das Opfer halbwegs und bat ihn aufzuhören. Davon liess sich der Mann aber nicht abhalten und fuhr einfach fort. Die Frau, die im Verfahren auch als Privatklägerin auftrat, konnte sich in ihrem alkoholisierten Zustand nicht nachhaltiger dagegen wehren. Erst als er sie hochheben wollte, stiess sie ihn weg. Daraufhin verliess er das Zimmer.

Zu diesem Zeitpunkt wurde dem Opfer klar, was gerade passiert war. Die Frau verliess schockiert die Wohnung, ohne Handy, nur mit Schuhen und mit der Unterwäsche bekleidet. Eine unbekannte Passantin half der Verstörten schliesslich kurz vor sieben Uhr Anzeige zu erstatten. 57 Minuten später konnte die Polizei den Täter festnehmen und sechs Stunden verhören, jedoch ohne Erfolg.

Auch an Schranken bestritt der junge Mann die Vorwürfe. Er sei nach der Feier zu Bett gegangen und zu seiner grossen Überraschung am Morgen von der Polizei geweckt worden. Er habe nur geschlafen. Seine Verteidigung forderte denn auch Freispruch vom Vorwurf der Schändung. Selbst wenn es zu einem Vorfall gekommen sein sollte, hiess es weiter, liege keine Schändung vor. Dies, weil die Frau keineswegs so eingeschränkt gewesen sei, dass sie sich nicht hätte wehren können. Deshalb sei der Angeklagte so oder so freizusprechen.

Sichergestellte DNA-Spuren führten zum Schuldspruch

Das Gericht gelangte jedoch zum Schluss, dass die Frau wehrlos war und der Mann sie geschändet habe. Namentlich lagen DNA-Proben vor, die an verschiedenen Körperstellen der Frau sichergestellt werden konnten, wobei einige Spuren eindeutig dem Täter zugeordnet wurden. Zudem fanden die Ermittler unter den Fingernägeln des Mannes DNA des Opfers. Der Beschuldigte erklärte dazu, die Spuren müssten wohl beim Benutzen der gemeinsamen Toilette übertragen worden sein.

Das überzeugte das Gericht nicht. Der Schuldspruch hat zehn Monate Haft zur Folge. Sie wurden bedingt ausgesprochen, mit einer zweijährigen Probezeit. Von Gesetzes wegen wurde zudem ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen, das die Arbeit mit Minderjährigen verbietet. Die Frau erhält eine Genugtuung von 5000 Franken zugesprochen. Diese sowie die Kosten des Verfahrens in Höhe von mehr als 10'000 Franken hat der Verurteilte zu zahlen.

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