Kreisgericht Mels
Zwischen Heroin, Knast und Studium: Zwei junge Albaner werden nach Drogengeschäften abgeschoben

Zwei Männer, beide kaum 20-jährig, fassen am Kreisgericht Mels Gefängnisstrafen, weil sie Heroin verkauft haben. Sie waren als Teil einer gut organisierten Bande unterwegs, die die Gesundheit der Bevölkerung noch immer in Gefahr bringt.

Reinhold Meier
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Verhängnisvolle Drogengeschäfte: Weil sie als «Heroin-Läufer» arbeiteten, wurden zwei junge Albaner zu Haftstrafen verurteilt.

Verhängnisvolle Drogengeschäfte: Weil sie als «Heroin-Läufer» arbeiteten, wurden zwei junge Albaner zu Haftstrafen verurteilt.

Bild: Susann Basler

Die Einreise der Burschen erfolgte bei offenen Grenzen in der zweiten Jahreshälfte 2020, im Zeitfenster zwischen dem ersten und zweiten Lockdown. Die beiden Albaner quartierten sich in der Region ein. Vor Gericht gaben sie später an, unter falschen Versprechungen in die Schweiz gelockt worden zu sein, sie hätten auf eine reelle Chance zur Schwarzarbeit gehofft.

Das erwies sich als Trugschluss. Tatsächlich fungierten sie als sogenannte «Heroin-Läufer». Wie im Milieu üblich, gab es über den beiden «Läufern» einen «Zentralisten», der per Natel die Bestellungen entgegennahm.

Dieser beauftragte von Tirana aus die beiden Dealer damit, die jeweilige Auslieferung an die «Kunden» vor Ort zu übernehmen. Damit alles reibungslos lief, hatten sich die zwei einen Erdbunker am Ufer des Walensees eingerichtet, aus dem sie ihren Nachschub holten. Ein «Lieferant» hatte sie zuvor mit dem Stoff versorgt. Als die Polizei ihr Depot entdeckte, fand sie noch 111 Gramm Heroin vor, über ein Kilogramm Streckmittel sowie die nötige Ausrüstung, namentlich eine Digitalwaage, Bargeld und Verpackungstütchen.

Drahtzieher noch flüchtig

Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte die Polizei schliesslich den traurigen Rest des Equipments, sodass die Indizienkette bald lückenlos war. Die beiden Jungs verfügten naturgemäss über keinen festen Wohnsitz, hatten stattdessen in einem einfachen Gasthof Garni Unterschlupf gefunden. Zahlreiche Verkäufe waren im Umfeld des Bahnhofs von Sargans über die Bühne gegangen.

Mehrere Verkäufe wurden nachgewiesen. Der Lieferant der beiden Dealer sowie der besagte Zentralist konnten bisher nicht ermittelt werden. Das darf als Beleg dafür gelten, wie eiskalt und fachmännisch das profitable Geschäft tatsächlich organisiert ist.

Obwohl die beiden Täter in der Sache selbst geständig waren, hielten sie im Blick auf ihre nächsthöhere Hierarchieebene dicht und gaben die wirklichen Namen von «Erdin» und «Daja» nicht preis, sofern sie sie denn überhaupt wussten. So bleiben die Drahtzieher vorerst unbehelligt, obwohl ihre Handydaten vorliegen.

Angewandte Politikwissenschaft

Das Gericht verurteilte die jungen Drogenhändler zu empfindlichen Haftstrafen. In einem Falle setze es 30 Monate, im anderen 26 Monate. Es gilt als eher ungewöhnlich, dass junge, bisher unbescholtene Täter bei ihrer ersten Tat gleich ins Gefängnis müssen, wirft jedoch ein Schlaglicht auf die tatsächliche Schwere ihrer Taten. Die Staatsanwaltschaft betonte denn auch, dass beide «die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen in ernstliche Gefahr» gebracht hätten.

Die Haftstrafen werden im Umfang von acht respektive sechs Monaten vollzogen, der Rest zur Bewährung ausgesetzt bei einer Bewährungsfrist von drei Jahren. Schmerzen dürften auch die zehn- respektive achtjährigen Landesverweise, die nicht nur für die Schweiz gelten, sondern für fast ganz Europa, für alle Länder des Schengen-Raums. Im Blick auf ihre berufliche Zukunft blieben beide eher unbestimmt. Während der eine betonte, nach seinem Primarschulabschluss nun «irgendwas» arbeiten zu wollen, erklärte der andere, er plane, Politikwissenschaften zu studieren.

Weil die Täter nach ihrer Verhaftung schon fast drei Monate in Untersuchungshaft verbrachten und seitdem im vorzeitigen Vollzug sitzen, trifft es sich, dass sie nach Rechtskraft des Urteils in den nächsten Wochen ausgeschafft werden können. Die nötige Rechtsgrundlage dafür ist bereits eingetreten, weil im sogenannten abgekürzten Verfahren ein Urteil nicht mehr anfechtbar ist.

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