Kommentar
Die Glaubwürdigkeit des HSG-Professors ist angekratzt: Johannes Rüegg-Stürm taugt nicht als Vorbild

HSG-Professor Johannes Rüegg-Stürm liess sich bei der Prüfung der Rotlichtspesen vom ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz allzu leicht täuschen. Die Universität St.Gallen sollte ihm deshalb alle Lehrveranstaltungen entziehen, die mit guter Unternehmensführung zu tun haben. Zudem muss Rüegg-Stürm nun sein Schweigen brechen und sich öffentlich erklären – auch zum Wohle seines Arbeitgebers.

Michael Genova
Michael Genova
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Coronasperrbänder an der HSG: Johannes Rüegg-Stürm wird seine Vorlesung im Frühlingssemester nur digital bestreiten – wenn überhaupt.

Coronasperrbänder an der HSG: Johannes Rüegg-Stürm wird seine Vorlesung im Frühlingssemester nur digital bestreiten – wenn überhaupt.

Bild: Michel Canonica

Die jüngsten Enthüllungen über Johannes Rüegg-Stürm lassen einen ratlos zurück: Wie kann es sein, dass der HSG-Professor für gute Unternehmensführung bei den Rotlichtspesen des ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz keinen Verdacht schöpfte? Vielleicht scheute Rüegg-Stürm den Konflikt – ganz sicher war er erstaunlich naiv.

Naivität ist nicht strafbar, Rüegg-Stürm ist im bevorstehenden Prozess nicht angeklagt. Trotzdem sollte die HSG klare Konsequenzen aus der Affäre ziehen und Rüegg-Stürm alle Lehrveranstaltungen entziehen, die mit guter Unternehmensführung zu tun haben. Nach dem Vorgefallenen kann er Seminare wie «Controlling für Manager» nicht mehr glaubwürdig unterrichten. Stattdessen sollte er sich künftig auf seine anderen Forschungsfelder wie Healthcare Management konzentrieren.

Die HSG muss ausserdem die Nebentätigkeiten ihrer Professoren stärker einschränken. Als Ordinarius kann man nicht gleichzeitig Verwaltungsratspräsident eines grösseren Unternehmens sein. Dass begabte Betriebswirtschaftslehrer nicht notwendigerweise fähige Manager sind, zeigt der Skandal auf exemplarische Weise.

Von Johannes Rüegg-Stürm persönlich würde man erwarten, dass er hinsteht und Verantwortung übernimmt. Leider hat er sich in der Vergangenheit immer nur spät und zurückhaltend geäussert. Es reicht nicht, wenn er im geschützten Rahmen seine negativen Erfahrungen mit Masterstudenten thematisiert. Und es reicht nicht, sein anhaltendes Schweigen jahrelang mit dem laufenden Verfahren zu rechtfertigen.

Rüegg-Stürm ist eine tragische Figur, die sich von einem ziemlich skrupellosen Bankchef allzu leicht täuschen liess. Gleichzeitig hat er als VR-Präsident der Raiffeisen in besten Zeiten eine halbe Million Franken verdient. Auch dafür, dass er seinem CEO kritisch auf die Finger schaut. Nun wäre es an der Zeit, dass er sein Scheitern öffentlich erklärt. Das ist er sich schuldig. Und seinem Arbeitgeber, dessen Ruf unter der Affäre stark gelitten hat.

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