KOMMENTAR
Der Fall Begemann hat Spuren hinterlassen

Als strategische Leiterin hat Priska Sieber ihre Aufgabe erfüllt. Im Konflikt mit ihrem ehemaligen Prorektor und einem Teil der Belegschaft war die Rektorin hingegen überfordert.

David Angst
David Angst
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Priska Sieber, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) in Kreuzlingen.

Priska Sieber, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) in Kreuzlingen.

Bild: Reto Martin

Priska Sieber verlässt die Pädagogische Hochschule Thurgau Ende November. Die Beteiligten versuchen, den Ball flach zu halten. Priska Sieber habe schon lange gesagt, dass sie nach rund zehn Jahren als Rektorin zurücktreten werde.

Ohne sich auf Spekulationen darüber einzulassen, ob es noch andere Gründe gibt: Der Konflikt mit ihrem wichtigsten Mitarbeiter Matthias Begemann, der schliesslich zu dessen Freistellung führte, ging sicher nicht spurlos an ihr vorbei. Als die Affäre an die Öffentlichkeit drang, offenbarte sich ein Graben zwischen der Rektorin, der sturmlaufenden Studentenschaft und einem Teil der Dozierenden. Dann installierte der Hochschulrat als neuen Prorektor Lehre Matthias Fuchs, einen Kritiker Siebers und Vertrauten Begemanns. Dieser Entscheid scheint Stabilität in die Schule gebracht zu haben, für Priska Sieber aber war er vermutlich eine Herausforderung.

Und schliesslich musste sie sich einer Untersuchung durch die GFK des Grossen Rats stellen. Im abschliessenden Bericht kommt sie nicht ungeschoren davon, ebenso wenig wie der damalige Hochschulratspräsident Hans Munz und Matthias Mölleney, Mitglied des Hochschulrats. Die aufmüpfigen Dozenten und die Politiker, die diese unterstützten, nannten das Trio Munz, Mölleney und Sieber in einem Atemzug als Ursache des Problems. Munz und Mölleney sind mittlerweile zurückgetreten. Dass nun auch Sieber geht, dürfte in diesen Kreisen als Trilogie der Genesung gefeiert werden.

In den letzten 18 Monaten war es relativ ruhig um die Pädagogische Hochschule. Offenbar ist es der Schulleitung gelungen, sich zusammenzuraufen und konstruktiv zu arbeiten. Mit der Akkreditierung als Hochschule wird Priska Sieber ihre Tätigkeit an der PH Thurgau mit einem Meilenstein beenden. Strategisch und organisatorisch hat sie ihre Aufgabe damit erfüllt. Andererseits bleibt aus ihrer Rektoratszeit eine Vertrauenskrise in Erinnerung, aus der eigentlich nur Verlierer hervorgingen.

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